Corona und viele Fragezeichen

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Live zugeschaltet nahm Präsident Manfred Schwabl Stellung zum Corona-Fall bei d er SpVgg Unterhaching. 

Unterhaching – Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Corona-Pandemie auch ohne kompletten landesweiten Teil-Lockdown die Terminkalender der bereits laufenden Sport-Ligen wieder durcheinanderbringt. In der Dritten Liga im Fußball ist es jetzt soweit, und auch die SpVgg Unterhaching ist betroffen. Die Partie am Samstag in Halle wurde abgesagt, weil ein Spieler der SpVgg positiv getestet worden war. Als die Mannschaft am Freitag im Bus auf dem Weg nach Halle die Ergebnisse der Testreihe erfuhr, die wie üblich am Vormittag vor der Abreise durchgeführt worden war, war der Schock erst einmal groß – und der Fußball-Betrieb für die Hachinger vorerst abrupt beendet.

Den Namen des betroffenen Spielers wollte der Klub nicht bekanntgeben. Der sei aber „selbst völlig überrascht“ gewesen, sagte Präsident Manfred Schwabl bei „Blickpunkt Sport“ im BR-Fernsehen, und habe keine Symptome gezeigt. Das war auch gestern noch so. Der Mannschaftsbus war auf dem Weg nach Halle gerade in Leipzig angekommen, wo das Team sein Übernachtungsquartier beziehen wollte, als der Anruf mit der Meldung des positiven Test einging. Der betroffene Spieler wurde daraufhin sofort in einem Einzelzimmer des Hotels isoliert und schließlich alleine mit einem Mietwagen nach Hause geschickt. Für den gesamten Tross inklusive aller mit im Bus anwesenden Trainer und Betreuer ging es umgehend zurück nach Unterhaching. Vom Gesundheitsamt wurde Quarantäne nach der Rückkehr angeordnet. Die gilt bis mindestens heute.

Gestern Vormittag war eine weitere Testreihe angesetzt, deren Ergebnisse für den späten Abend erwartet wurden. Diese Ergebnisse entscheiden darüber, ob ab heute wieder trainiert werden darf. Möglich, dass weitere positive Tests ans Licht kommen, möglich aber auch, dass das zweite Testergebnis des betroffenen Spielers anders ausfällt. Es wäre im Zeitraum der vergangenen zwei Wochen nicht das erste „falsch positive“ Resultat. Nun entscheidet aber nicht mehr die SpVgg Unterhaching über Training oder weitere Quarantäne-Maßnahmen, sondern die Gesundheitsbehörden.

Hachings Präsident nahm die Sache wie immer seit Beginn der Pandemie im Frühjahr gelassen: „Wir müssen die Situation annehmen wie sie ist. Wir brauchen nicht jammern, es gibt noch was anderes außer Fußballspiele und Ticketeinnahmen. Die Gesundheit der Gesellschaft steht über allem. In dieser Phase muss man sich dem Ganzen stellen.“

Kritik äußerte Schwabl allerdings am Testmodus – und nicht nur er. „Wir fahren am Freitag los, dann kommt das Ergebnis, wir fahren wieder heim, ohne einmal gegen den Ball getreten zu haben und sind um drei Uhr früh wieder da“, beschrieb Schwabl den Hachinger Freitag und fand: „Man fahrt ja gerne mal durch ganz Deutschland, aber vielleicht sollte man den Test einen Tag früher machen.“ Das würde den Vereinen zum einen im Ernstfall Kosten sparen, zum anderen Spielabsagen weniger kurzfristig möglich machen. Wie die SpVgg hatte auch der FSV Zwickau am Samstag eine lange Auswärtsreise ohne Spiel absolviert, die Partie beim SC Verl wurde ebenfalls wegen positiver Tests bei den Gastgebern abgesagt.

Zwickaus Sportdirektor Toni Wachsmuth hält deswegen wie Schwabl eine andere Strategie bei den Corona-Tests für notwendig: „Es hat wenig Sinn, erst einen Tag vor den Spielen zu testen und sich ohne Ergebnis auf die Reise zu machen“, sagte er im MDR. Sinnvoller sei, zwei Tage vor dem Spiel zu testen, um dann nur negativ getestete Leute im Bus sitzen zu haben.

Abseits der Teststrategie wird den DFB der schon jetzt immer löchrigere Spieltags-Kalender beschäftigen. Fünf Begegnungen mussten an den ersten acht Spieltagen bereits wegen Corona abgesagt werden, Zwickau, Duisburg und Halle sind schon je zweimal betroffen. Nachholtermine sind in einer spät begonnenen Saison quasi ohne Winterpause schwer zu finden. Und es scheint aktuell sehr wahrscheinlich, dass neben den noch bevorstehenden wetterbedingten Absagen weitere Corona-Fälle für Ausfälle sorgen werden. Vor dem Wochenende meldeten auch 1860 München und Kaiserslautern positive Fälle, hier war es reines Glück, dass die betroffenen Personen gerade keinen direkten Kontakt zu den aktiven Spielern hatten und die Partien stattfinden konnten. „Noch geht’s, es sind relativ wenig Ausfälle“, sagt SpVgg-Boss Schwabl, „aber ich hoffe, dass nicht noch mehr kommt und es jede Woche, zwei, drei Ausfälle gibt. Das wäre nicht gut.“

In Unterhaching wartet man nun auf die Testergebnisse von gestern Vormittag, um weiter planen zu können – und blickt nach Verl, wo aktuell das gleiche Szenario herrscht. Der Aufsteiger wäre am Sonntag der nächste Gegner der Hachinger..

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