Interview mit Ex-Löwe

Haching-Leader Stahl: „Die 3. Liga ist ziemlich sicher weg, aber wir werden wieder aufstehen“

Haching-Profi Dominik Stahl mit vollem Körpereinsatz.
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„Runter vom Gas - das kann ich nicht“: Hachings leidenschaftlicher Kämpfer Dominik Stahl.

Ihm geht‘s besser, seinem Verein schlechter. Dominik Stahl, 32, ist nach seinem im Juni 2020 erlittenen Kreuzbandriss zurück im Training. Unser Interview.

Dominik Stahl, wie bitter ist ein Abstieg, bei dem man mehr oder weniger tatenlos zusehen musste?

Stahl: Sehr bitter! Ein Abstieg ist immer bitter, aber so quält es einen noch mehr. Du kommst aus der Reha, kennst die Jungs und weißt, wie nahe es allen geht – das ist schon zehrend.

Seit Juni 2020 sind Sie infolge eines Kreuzbandrisses ausgefallen, etwas länger als üblich. Gab es Komplikationen?

Stahl: Das nicht, aber bei mir war ja einiges kaputt: nicht nur das Kreuzband, auch beide Menisken. Die Kombi von allem hat vielleicht ein, zwei Monate mehr Zeit erfordert, und wenn man mal schaut: Einige, die nach einem halben Jahr wieder auf dem Platz stehen, erleiden Re-Rupturen.

Sie machen ja gerade Ihren Master in Psychologie. Haben Sie Ihre Kenntnisse zuletzt nutzen können, zum Beispiel um junge Spieler auszurichten?

Stahl: Ich war natürlich bei allen Heimspielen auf der Tribüne, aber es ist nicht so, dass ich da aufgesprungen bin und gesagt habe: Jetzt wende ich diese oder jene Theorie an. Sicher gibt es ein paar Strategien, aber um den Jungs ein bisschen Mut zuzusprechen, braucht man kein Psychologiestudium, solche Dinge liegen ja auf der Hand.

Ist die Saison, wie sie gelaufen ist, ein indirektes Plädoyer für Oldies? Geht es nicht ohne Routiniers wie Sie und Stephan Hain?

Stahl: Das haben Sie jetzt gesagt (lacht). Nein, es sind ja nicht nur Haino und ich, auch Marc Endres (jetzt Co-Trainer beim Farmteam Rosenheim) oder Seppi Welzmüller (ebenfalls Kreuzbandriss) hätten wertvolle Erfahrung eingebracht. Es ist immer förderlich, wenn man ein paar Routiniers mit gut ausgebildeten Talenten paart. Sicher sind die Ausfälle mit ein Grund, warum es dieses Jahr so schwierig war für uns, aber nicht der einzige.

Dafür sollen Sie jetzt, salopp gesprochen, den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Wie motivieren Sie sich für den Neuaufbau in der Regionalliga?

Mich motiviert die Liebe zum Fußball, die ich nach wie vor habe. Ich hab richtig Bock drauf wieder zu spielen.

Dominik Stahl, nach seiner Verletzung wieder voller Tatendrang.

Stahl: Das ist nicht schwer. Mich motiviert die Liebe zum Fußball, die ich nach wie vor habe. Ich hab richtig Bock drauf wieder zu spielen. Klar ist es schade, dass es wahrscheinlich runter geht – wir haben schließlich einiges investiert, um in der 3. Liga zu sein. Aber: Ist jetzt halt so. Man kann wieder aufstehen – und wir werden wieder aufstehen. Wobei das natürlich kein Selbstläufer wird. Eine Truppe wie damals werden wir nächstes Jahr wahrscheinlich nicht haben.

Präsident Manni Schwabl klingt eigentlich recht zuversichtlich, was die von ihm geplante „regionale Kampftruppe“ angeht.

Stahl: Absolut. Ich glaube auch, dass gute Jungs aus dem NLZ dazustoßen. Ich meinte auch eher unser damaliges Team. Das war, wenn man ehrlich ist, keine Regionalliga-Mannschaft. Da musste schon sehr viel passieren, dass wir mal unentschieden spielen. Der Aufstieg war damals fast ein Selbstläufer, auch dann in der Relegation gegen Elversberg (3:0 und 2:2/Red.). In einer ganz neuen, jungen Mannschaften stecken einfach viel mehr Fragezeichen, das ist ganz normal.

Kommt Ihnen die 4. Liga sogar entgegen im Herbst der Karriere und mit der jüngsten Verletzungsgeschichte?

Stahl: Danke, dass Sie mich noch im Herbst verorten und nicht schon im Winter (lacht). Aber wenn Sie das meinen: Runter vom Gas – das kann ich nicht. Ich spiele wie ich spiele, egal in welcher Liga. Ich hätte mir sicher auch noch die 3. Liga zugetraut, aber hilft ja nichts: Die ist jetzt ziemlich sicher weg – jetzt greife ich eben in der Regionalliga neu an.

Kapitän Markus Schwabl soll auch bleiben, er deutete in mehreren Interviews an, dass es womöglich auch ein Einstellungsproblem gegeben hat. Können Sie das bestätigen?

Stahl: Bestätigen kann ich’s nicht – dazu fehlen mir die umfassenden Einblicke, die der Markus übers Jahr hinweg hatte. Und generell: Eine schlechte Leistung muss ja nicht immer an der Einstellung liegen, es gibt auch andere hemmende Faktoren: Angst, Unsicherheit. Vieles ist sicher auch aus der Emotion heraus gesagt worden. Aber: Ich kenne die Jungs und schätze die meisten so ein, dass Sie mit der Einstellung kein Problem haben.

Wagen wir zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft, in Ihre und in die der Spielvereinigung . . .

Stahl: Kleinen Moment, ich schau’ mal, ob hier irgendwo eine Glaskugel rumliegt (lacht). Nee, im Ernst: Perspektivisch glaube ich, dass Haching auf jeden Fall wieder die 3. Liga anstrebt, vielleicht sogar mehr. Dafür müssen wir jetzt ein neues Grundgerüst legen. Das, was wir vor Jahren gelegt haben, besteht so nicht mehr. Ja, und ich selber sehe mich als Teil dieser neuen Mannschaft. Ich hoffe, dass mein Knie hält, und dann freue ich mich drauf.

Interview: Uli Kellner

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