Raus aus der Komfortzone

+
Im recht leeren Münchner Hauptbahnhof ist der Abstand kein Problem: Fynn Seidel auf dem Weg zum Zug.

Die SpVgg Unterhaching fährt mit dem Zug nach Meppen. Motto:  Raus aus der Komfortzone.

Unterhaching – „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, befand der deutsche Dichter Matthias Claudius schon vor über 200 Jahren. Im Falle der SpVgg Unterhaching in dieser Drittliga-Saison bislang nichts Gutes, möchte man anfügen. Die Reisen zu den Auswärtsspielen waren eher eine ernüchternde Angelegenheit.

Von möglichen 30 Punkten brachten die Hachinger gerade einmal sieben mit zurück in den Sportpark, im Jahr 2021 war es ein Punkt aus drei Spielen. Daraus folgt der letzte Platz in der Auswärtstabelle und ist ein Grund, warum die SpVgg in akute Abstiegsnot geraten ist. Von der Reise nach Meppen werden die Hachinger definitiv etwas erzählen können. Ob’s sportliche Erfolge sind, weiß man am Samstag Nachmittag. Diesmal ist die Reiseform schon ein Erlebnis. Denn erstmals reiste die Mannschaft gestern per Zug – und das auf einer der längsten Routen in der Liga.

Raus aus der Komfortzone, könnte das Motto für die schon zu lange erfolglosen Kicker aus dem Sportpark heißen. Die Nahdistanzen mit dem Bus sind ohnehin alternativlos und durch kurze Wege ebenso bequem wie die Charterflüge, mit denen die Spieler bisher längere Anreise- und Rückreisewege zurücklegen durften. Auch bei Spielen in Rostock oder Lübeck konnte man da in Ruhe zu Hause frühstücken und war für einen späten Abend-Snack schon wieder daheim. Gestern stieg die Mannschaft mittags in den ICE Richtung Hannover, muss einmal umsteigen und ist erst abends um sieben am Ziel. Nach dem Spiel am Samstag (14 Uhr) beim SV Meppen geht’s wieder auf der Schiene zurück, Ankunft zu Hause gegen Mitternacht. Macht zusammen also rund 36 Stunden Dienstreise, wenn auch entspannt im ICE-Abteil, so doch zeitaufwändig. Und Zeit zum Nachdenken kann seine Mannschaft auch gebrauchen, findet Trainer Arie van Lent: „Wir tun alles, um die Abläufe zu verändern.“ Bisher brachte der Reise-Komfort schlicht zu wenig Ertrag auf dem Punktekonto.

Das ist inzwischen alarmierend dürftig, Abstiegskampf zum vorherrschenden Thema dieser Saison geworden. Beim Tabellen-15. SV Meppen, der rund 800 Kilometer entfernt im Emsland an der holländischen Grenze ebenfalls um den Klassenerhalt kämpft, steht wieder einmal ein Sechs-Punkte-Spiel an. Auch wenn man diese Vokabel nun nicht mehr benutzt, weil auch sie offensichtlich nicht zählbar die Sinne schärfte. Zwei Punkte mehr haben die Meppener auf ihrem Konto, mit einem Sieg würde Unterhaching an einem Konkurrenten vorübergehend mal vorbeiziehen. Wie die Lage sich bei einer weiteren Niederlage darstellt, möchte man sich als Sympathisant der SpVgg gar nicht ausmalen.

„Fakt ist, wir haben zu wenig Punkte und zu wenig Tore, da will ich nichts schönreden“, sagt van Lent und warnt trotz der zuletzt beim 0:1 gegen Ingolstadt nicht entmutigenden Vorstellung: „Es ist schön und gut zu sagen, wir spielen gut. Aber wir haben wieder kein Tor gemacht. Und wir müssen diese kleinen Fehler abstellen. Wir brauchen das Gefühl, mal wieder zu gewinnen. Es wäre schon gut, wenn wir langsam mal anfangen zu punkten.“

Erstmals 2021 ohne Englische Woche konnten die Hachinger immerhin eine normale Trainingswoche absolvieren, das fand van Lent „sehr angenehm. Das hat gutgetan, weil wir ein paar Punkte hatten, die wir der Mannschaft zeigen wollten“. Weniger angenehm ist, dass im jetzigen Stadium der Saison sich ganz logisch die Gelbsperren häufen. Am Samstag in Meppen haben Kapitän Markus Schwabl und Niclas Stierlin Zwangspause, Christoph Greger und Moritz Heinrich sind von einer Sperre bedroht. Zudem fehlt weiterhin Stürmer Patrick Hasenhüttl angeschlagen.

SpVgg: Coppens – Dombrowka, R. Müller, Göttlicher, Turtschan – Grauschopf, Fuchs – Heinrich, Anspach (Hufnagel), Marseiler – Stroh-Engel.

Auch interessant

Kommentare