SpVgg Unterhaching: Präsident Manni Schwabl im Interview

Haching-Boss Schwabl: „Vielleicht hat‘s diese Watschn gebraucht...“

Manni Schwabl gestikuliert.
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Die Lage ist ernst: Haching-Präsident Manni Schwabl.

Für die SpVgg Unterhaching geht es diese Woche um alles. Siege gegen Türkgücü (Mittwoch, 19 Uhr) und in Kaiserslautern (Samstag, 14 Uhr) müssen her, sonst ist der erneute Absturz in die Regionalliga kaum noch zu vermeiden. Wie es dem Boss dabei ergeht und wie er Hachings Zukunft sieht, verrät Manni Schwabl im Interview.

Manni Schwabl, ihr 55. Geburtstag fiel auf einen Sonntag, der zugleich Spieltag war. Eine Party verhinderte Corona, die Punkte der SV Wehen. Ein trauriger Ehrentag?

Schwabl: Mei, 55 ist eine schöne Schnapszahl, bloß wenn man sieht, auf welche Zahl man zusteuert… 35 wäre mir lieber, aber beim Alter ist es wie mit dem Sport: Es ist halt kein Wunschkonzert. Ich habe sehr viel Anrufe bekommen und sehr viel Zuspruch für Haching – nur leider nicht den Sieg, den ich mir gewünscht hatte. Das hab ich auch so deutlich zu den Wehenern gesagt (lacht). Der Dreier wäre die Krönung gewesen, dann wären wir wieder voll bei der Musik dabei gewesen.

Haben Sie wenigstens ein bisschen Hoffnung für den Endspurt mitgenommen?

Schwabl: Ich hab unsere realistischen Chancen schon vor dem Spiel mit unter 50 Prozent beziffert. Bei dieser Einschätzung muss man jetzt weitere Abzüge machen, leider. Aber wer uns Hachinger kennt: Aufgegeben wird nicht.

Der Rückstand ist bei sechs Punkten geblieben, aber die Spiele werden weniger…

Schwabl: Das Problem ist ja, dass wir vier Teams hinter uns lassen müssen. Das wird jetzt schon eine Mammutaufgabe. Mit Schönfärberei oder irgendwelchen Hirngespinsten kommst du da nicht weiter.

Theoretisch ist viel möglich in dieser Englischen Woche. Bei Mittwoch-Gegner Türkgücü ist die Luft raus – und in Kaiserslautern zählen die Punkte gegen einen direkten Konkurrenten doppelt. Die letzte Chance für Haching?

Schwabl: Im Endeffekt sind es jetzt zwei gnadenlose Endspiele. Am Mittwoch musst du sowieso gewinnen – und eigentlich auch in Lautern. Vielleicht würde auch ein Sieg und ein Unentschieden reichen, aber vier Punkte sind das absolute Minimum. Sechs wären natürlich ideal, um auch Druck auf die Konkurrenz aufzubauen. Wenn man’s positiv sehen will: Vielleicht ist es ja ganz gut, dass es jetzt kein links oder rechts mehr gibt. In diesen beiden Spielen zählt’s definitiv!

Als verantwortungsvoller Vereinschef treiben Sie parallel zum Abstiegskampf die Planungen für die Regionalliga voran. Wie weit sind Sie da?

Schwabl: Wir müssen zweigleisig planen, das ist ja ganz klar. Zum Glück ist es nicht so wie 2015, als wir bei Null angefangen haben. Damals mussten wir eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen, diesmal haben viele Spieler gültige Verträge – und im Nachwuchsbereich sind wir sowieso wesentlich weiter. Beim NLZ können wir dankenswerterweise künftig aus dem Vollen schöpfen, das gepaart mit ein paar Ankerspielern – angst und bange wird mir da nicht. Aber: Gedanken über die Endkonsequenz macht man sich natürlich erst, wenn’s rechnerisch nicht mehr möglich ist.

Wer vom aktuellen Gerüst soll und wer will auf jeden Fall bleiben?

Schwabl: Hain und Stahl sowie Welzmüller haben für beide Ligen Verträge. Sie haben ja schon mal mit uns die Kartoffeln aus dem Feuer geholt. Es ist auf jeden Fall ein Gerüst da, auf dem sich aufbauen lässt.

Stephan Hain haben Sie mit Ihrer Aussage im Winter zu früh abgeschrieben. Wohlmeinend könnte man auch sagen: Sie wollten ihn kitzeln…

Neun Monate raus - und auf Anhieb wieder ein Hoffnungsträger: Hachings Nummer 9 Stephan Hain.

Schwabl: Sagen wir’s mal so: Bei der Aussage haben zwei Herzen in meiner Brust geschlagen. Einerseits hab ich gesehen: Es kommt bei ihm ein Rückschlag nach dem anderen – da überwiegt dann bei mir immer der Realismus. Andererseits: Ich hab natürlich gehofft, dass es wieder was wird mit seinem Knie. Umso größer ist jetzt meine Freude. Beim Stephan geht mir total das Herz auf. Wenn ich Haino auf dem Platz sehe, sind wir um was-weiß-ich-wieviel Prozent stärker. Seine Aura, seine Ballsicherheit – die sind für uns nicht zu ersetzen. Wenn ich bei 1860 den Mölders rausnehme, bei Bayern den Lewandowksi oder bei Dortmund den Haaland – dann ändern sich auch die Ergebnisse.

Bleibt Arie van Lent Trainer? Er hat es ja angeboten.

Schwabl: Wir sind permanent im Austausch, aber in der Frage ist noch alles offen. Jetzt schauen wir erst mal, in welcher Liga wir spielen. Danach setzen wir uns hin, schauen uns in die Augen – und treffen eine Entscheidung. Da muss nicht rauskommen, was ich will oder was der Arie will, sondern was für den Verein das Beste ist.

Welche Rolle wird Claus Schromm in Zukunft spielen, der sich Anfang des Jahres eine rätselhafte Auszeit als Gesamt-Sportvorstand genommen hat?

Schwabl: Auch mit ihm ist vereinbart, dass wir uns um Pfingsten herum zusammensetzen. Dann werden wir analysieren: Was ist gut gelaufen, was weniger gut? Ich sag immer: Wir haben in der aktuellen Lage alle unser Packerl drin, ich natürlich an allererster Stelle. Aber auch hier gilt: Der Verein muss im Mittelpunkt stehen, nicht Schromm oder Schwabl oder van Lent. Der Ausgang ist offen, aber wer die Historie kennt, der weiß: Ich würde mir sehr wünschen, dass es mit dem Claus in einer vernünftigen Form weitergeht. Knirschen tut’s in jeder Beziehung mal, aber wir sind ja erwachsene Leute, zumindest meistens (schmunzelt). Dafür haben wir beide schon zu viele Schlachten gemeinsam geschlagen.

Mal Hand aufs Herz: Schromm und sein Nachfolger van Lent als Cheftrainer – das hat nicht zusammengepasst, oder?

Schwabl: (denkt nach) Nächste Frage.

Die Antwort haben Sie von Hansi Flick geklaut.

Schwabl: Der war ja auch mein Zimmernachbar früher (lacht).

Welche Rolle spielt Sandro Wagner in ihren mittelfristigen Planungen?

 Da haben’s uns das nächste Christkindl vor die Tür gelegt.

Manni Schwabl über den neuen U19-Coach Sandro Wagner.

Schwabl: Beim Sandro sehe ich es wie nach dem letzten Abstieg bei Hain und bei Stahl. Salopp würde ich sagen: Da haben’s uns das nächste Christkindl vor die Tür gelegt. Das hat sich ja aus dem Nichts ergeben. Als klar war, dass er ernst macht mit seiner Trainerlaufbahn, hat er bei uns angefragt. Im Gespräch haben wir dann beide festgestellt, dass das super zusammenpasst. Jetzt übernimmt er erstmal für zwei Jahre die U19, danach ist alles offen. Vom Charakter und seiner ganzen DNA her ist er wie gemacht für uns: Er ist bodenständig, ehrgeizig – und ein Mann der klaren Worte. Wir kennen uns ja schon länger, weil er in Haching wohnt und seine Kinder bei uns im Kids Club waren. Mir gefällt auch seine Ansage, dass er mal Bundesliga-Trainer werden möchte, weil dann weiß ich: Der schmeißt alles rein. Ganz nebenbei wäre es auch für unser Renommee nicht schlecht, wenn wir einem weiteren Trainer zum Durchbruch verhelfen - nach Manuel Baum und Heiko Herrlich.

Anderes Thema: Wer Geld hat, hat zurzeit ein Anlageproblem. Was würden Sie eher empfehlen: Haching-Aktien oder Bitcoins? Beide Kurse sind zuletzt heftig eingebrochen…

Schwabl: Definitiv Haching-Aktien. Ganz einfach deshalb, weil ein wahnsinniges Wachstumspotenzial vorhanden ist – auch wenn es für uns runter in die Regionalliga gehen sollte. Bei Bitcoin wäre ich eher vorsichtig  – da ist der Kurs aus meiner Sicht schon zu weit oben.

Sollte natürlich die Überleitung zum Thema Finanzen gewesen sein. Wie schaut‘s denn aus: Verkraftet die SpVgg wirtschaftlich einen Abstieg?

Schwabl: Ob Regionalliga oder 3. Liga – das macht keinen Unterschied. Bei allem, was unterhalb der DFL ist, zahlst du eh drauf. Sportlich könnte man meinen, dass Toptalente kalte Füße kriegen, wenn wir in die 4. Liga müssen. Das Gegenteil ist aber der Fall, wie ich aktuell in Gesprächen gemerkt habe: Die sehen jetzt sogar die hundertprozentige Chance, direkt in die erste Mannschaft zu kommen. Wenn’s uns trifft, werden wir eine regionale Kampftruppe aufbauen, die mit 80 Prozent Spielern aus dem eigenen NLZ für Furore sorgen kann. So was hat’s ja schon bei vielen Vereinen gegeben, ich erinnere an den 1. FC Nürnberg, allerdings vor meiner Zeit. Der Abstieg kann auch eine Riesenchance für uns alle sein.

Die Chance zur Erneuerung?

Schwabl: Ich hab nie einen Hehl daraus gemacht, dass auch wir dem großen Geldtopf hinterher hecheln wollten. Das sind einfach perverse Unterschiede zwischen der 3. Liga und den DFL-Ligen – die verleiten schon auch dazu, ein bisschen Harakiri zu spielen. Das wird mir aber garantiert nicht wieder passieren. Ich sag: Schuster, bleib bei deinem Leisten – bau‘ auf die Leute, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind. Dann wird auch der Erfolg kommen, davon bin ich felsenfest überzeugt. Vielleicht braucht’s ja genau diese Watsch, damit wir uns wieder auf unsere ureigenen Stärken besinnen.

Abschließend noch eine Frage zu Ihrem anderen Ex-Club, dem TSV 1860. Gibt es für die Löwen ein Happy End im Aufstiegskampf?

Schwabl: The trend is your friend, würde ich sagen. Ich denke, mit dem Mölders in der aktuellen Form sind sie nicht aufzuhalten. Vom Gefühl her ist der Aufstieg heuer aufgelegt.

Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie Sascha Mölders nicht festgebunden haben, als er im Sommer 2020 mit Ihnen im Sportpark-Biergarten saß? Seine 20 Tore hätte Haching gut gebrauchen können.

Schwabl: Tore kann man immer brauchen, das haben wir heuer leider bitter erfahren müssen. Trotzdem bleibe ich dabei: Wir haben uns rein zufällig getroffen, weil auch er weiß, dass man bei uns im Wirtshaus super essen kann. Also alles ganz ohne Hintergedanken.

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