SpVgg Unterhaching: Interview mit Stephan Hain

Hachings Hoffnungsträger Hain: „Fünf, sechs Siege werden wir schon brauchen...“

Stephan Hain hat ein Tor erzielt und wird gefeiert.
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Spielt wieder und trifft wieder: Sturm-Oldie Stephan Hain, von seinen Hachinger Mitspielern gefeiert.

Der Präsident hatte ihn bereits abgeschrieben, doch in diesem Fall irrt sich Manni Schwabl gerne: Neun Monate war Stephan Hain, 32, wegen einer Knieverletzung ausgefallen, nun ist er zurück – und wie! Mit seinem wegweisenden 1:0 gegen Dresden (Endstand 2:0) brachte Hachings Sturm-Oldie die Hoffnung zurück, den Klassenerhalt doch noch schaffen zu können. Unser Interview mit dem rotblauen Erlöser.

Steile These zum Einstieg: Mit einem fitten Stephan Hain wäre Haching nie in Abstiegsnot geraten. Stimmen Sie zu?

Hain: Boah, schwere Frage. Kann sein, muss nicht sein. Jeder verletzte Spieler hat gefehlt, auch Domi Stahl. Ich glaube, einer alleine gewinnt oder verliert keine Spiele. Bringt aber jetzt eh nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Stichwort Kopf. Einen Ball wie beim 1:0 gegen Dresden netzt nicht jeder ein. Ihr Knie scheint auf jeden Fall schon wieder beachtliche Sprünge zuzulassen?

Hain: Wenn man es so sieht, auf jeden Fall (lacht). Den hab ich wirklich gut erwischt. Das war eine super Flanke von Markus (Schwabl) – und ich war froh, dass er rein ist.

Würden Sie sagen, dass Sie schon wieder bei 100 Prozent sind? Oder wird das Knie nie mehr so ganz, wie ja auch Präsident Schwabl vermutete?

Hain: Mei, hin und wieder zwickt ‘s schon noch, aber auf einem Level, wo ich sage: Ist okay, damit kann ich leben. Ich bin ehrlich gesagt einfach froh, wieder auf dem Platz zu stehen.

Der Sieg gegen Dresden war der Grundstein, um überhaupt noch hoffen zu dürfen. Welche Art Wunder muss her, um in sieben ausstehenden Spielen sechs Punkte aufzuholen?

Hain: Ein mittelgroßes, würde ich sagen. Es muss eine Serie her, da brauchen wir nicht drumherum zu reden. Fünf, sechs Siege werden wir schon brauchen. Aber: Es ist noch möglich!

Aktuell belegt Bayern II den ersten Nichtabstiegsplatz. Da gibt es angenehmere Gegner, oder?

Hain: Es stehen ja noch weitere Mannschaften vor uns. Fakt ist, dass wir vier Teams überholen müssen. Wirklich angenehme Gegner gibt es in der Liga eh nicht.

Hachings Problem ist, dass Meppen schon acht Punkte weg ist – und Magdeburg als Tabellen-14. einen Lauf hat . . .

Hain: Stimmt schon. Ein bissl muss man schon schauen, was die Konkurrenz macht. Auch die drei Teams, die unmittelbar vor uns stehen, sollten im Idealfall nicht mehr allzu viele Punkte holen.

Wie kam es aus Ihrer Sicht zum Sensationssieg gegen Dresden. Der Mut der Verzweiflung? Oder hat der Tabellenführer den Tabellenletzten unterschätzt?

Hain: Dass sie uns unterschätzt haben, glaube ich nicht. Es war halt der Klassiker: Erster gegen Letzter, wir können nur gewinnen, die nur verlieren – dann kommt so etwas zustande.

Es war halt der Klassiker: Erster gegen Letzter, wir können nur gewinnen, die nur verlieren – dann kommt so etwas zustande.

Stephan Hain über Hachings Sensationssieg gegen Tabellenführer Dresden.

Wenn Sie nicht alleine der Grund sein wollen, woran sonst könnte die Leistungssteigerung liegen?

Hain: Ich seh’s eigentlich so, dass wir auch davor gute Spiele dabei hatten – da hat oft nur das letzte Quäntchen gefehlt. Wenn ich an das Derby gegen 1860 denke (1:3) . . . oder an das Spiel bei Viktoria Köln (1:1). Sang- und klanglos sind wir nie untergegangen, im Gegenteil: Das waren oft knappe Geschichten – und trotzdem hat es nie für drei Punkte gereicht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Trainer Arie van Lent, den Sie ja erst spät in der Saison richtig kennenlernen?

Hain: Gut, würde ich sagen. Er hat eine kommunikative Art und ist durchaus fordernd. Ich war gerade eine Woche im Training, da hat er mich schon gefragt, ob ich’s mir vorstellen könnte zu spielen.

Weil er als früherer Topstürmer einen Topstürmer herbeigesehnt hat?

Hain: (lacht) Ist doch immer so: Wenn’s nicht läuft, werden die vermisst, die fehlen . . . Wenn wir alle Spiele gewonnen hätten, dann hätte wohl kaum einer nach mir gefragt.

Würden Sie sich wünschen, dass er bleibt, was er ja angeboten hat?

Hain: Wie gesagt, ich persönlich habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Was ich mir aber wünsche, ist doch eher zweitrangig. Erst mal wollen wir die Klasse halten. Alles andere wird sich dann zeigen.

Wie ist es mit Ihnen: Machen Sie sicher weiter?

Hain: Ich kann’s mir vorstellen, auch im Falle des Abstiegs. Mein Vertrag gilt sowieso auch für die Regionalliga.

Ist es vorstellbar für Sie, auch noch mit 36 auf Torejagd zu gehen – wie bei 1860 Ihr früherer Mitspieler Sascha Mölders?

Hain: Vor Sascha ziehe ich den Hut. Freut mich sehr für ihn, dass er im hohen Alter noch so auftrumpft. Respekt! Und wer weiß: Wenn ich weiterhin regelmäßig das Tor treffe, werd’ ich’s auch so machen.

Am Sonntag geht es nach Wehen. Da wäre nach Ihrer Rechnung selbst ein Punkt zu wenig, oder?

Hain: Das stimmt. Ab jetzt bringen uns nur Siege weiter, so ehrlich muss man sein.

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