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Kommentar zum Abstieg von Unterhaching: Vorhersehbar wie ein Verwaltungsakt

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Von: Uli Kellner

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Stephan Hain geht nach seiner Auswechslung mit hängendem Kopf in die Hachinger Kabine.
Servus Haching: Bereits drei Spieltage vor dem Saisonende steht die SpVgg als Absteiger aus der 3. Liga fest. © Imago / Sven Leifer

23 Niederlagen in 35 Spielen sprechen Bände: Haching ist hochverdient abgestiegen. Und trotzdem: Vor der Zukunft in der 4. Liga muss der SpVgg nicht bang sein.

Es gibt Abstiege, die wahre Herz-Schmerz-Dramen sind: schluchzende Spieler, fassungslose Funktionäre, Fanfuror, Busblockade. Und es gibt Abstiege wie jenen der SpVgg Unterhaching am Mittwochabend: keine Tränen, keine am Boden zerstörten Profis. Ein paar Spieler stellten sich den Fragen der Fans vor dem Sportpark, und das war’s dann auch schon. Hachings Abstieg 2021 – sachlich wie ein Verwaltungsakt.

Und so vorhersehbar. Mit einem Sieg im Unter-der-Woche-Spiel hätte sich die Spielvereinigung für ein Abstiegskampf-Wochenende der Superlative qualifiziert: Der 17. fordert den 15., der 19. den 16. – und Haching als 20. tritt beim 18. zum direkten Duell an. Aber: So richtig dran geglaubt, den Kopf noch aus der Schlinge ziehen zu können, hat nicht mal der Berufsoptimist Arie van Lent. Die 0:2-Pleite gegen Mannheim war die letzte Bestätigung, dass Haching in dieser Liga nichts verloren hat. 23 Niederlagen sprechen Bände, ebenso die Rückrundentabelle (nur sieben Punkte geholt). Oft haben die Hachinger ansehnlich mitgespielt, aber halt auch viel zu oft naive Gegentore kassiert, zuletzt häufig nach unmittelbar vorangegangenen Anschluss- oder Ausgleichstreffern.

So steigt eine Mannschaft ab, in der die Statik nicht stimmt. Das begabteste Talent verkrampft, wenn es keinen Halt auf dem Rasen findet. Dass die bewährten Hachinger Routiniers erst kurz vor Saisonende zum Team stießen, wirft Fragen auf: War der Glaube an eine schnelle Genesung von Torjäger Hain und Anführer Stahl größer als die Überzeugung, dem Kader noch andere Führungsspieler zuführen zu müssen? Wer verantwortet die unter dem Strich schiefe Kaderplanung? Und noch eine Frage stellt sich: War es klug, einen Trainer aus der NRW-Regionalliga zu holen (van Lent) und den Vorgänger (Claus Schromm) als Überinstanz zu installieren? Passt der smarte Niederländer überhaupt zu einem Verein, der sich so gerne Regionalität auf die Fahne schreibt? Dass Sportchef Schromm im Februar um eine Auszeit bat, lässt auf interne Probleme und Kompetenzgerangel schließen.

Und trotzdem: Vor der Zukunft muss Haching nicht bang sein. Schwabls Verein ist gefestigt genug, um wieder aufzustehen. Seiner im Hintergrund geplanten „regionalen Kampftruppe“ (NLZ-Talente plus Routiniers) ist es zuzutrauen, in der Corona-geschwächten Regionalliga einen Start-Ziel-Sieg hinzulegen. Nur eine Sache darf aus Sicht der SpVgg nicht passieren: ein Abstieg des FC Bayern II, der ein starker Rivale wäre. Der Zufall will es, dass beide am Sonntag aufeinandertreffen. Für Haching ein Dilemma. Aber auch eine letzte Chance, im Sinne des Wettbewerbs Charakter zu zeigen.

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