SpVgg Unterhaching: Kommentar von Uli Kellner

Sandro Wagner in Haching:
Der Star ist der Trainer

Sandro Wagner, der neue Trainer der SpVgg Unterhaching, gestikuliert.
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Führt er Haching zurück in die 3. Liga? Trainerneuling Sandro Wagner, 33.

Drei Jahre nach dem Aufstieg des TSV 1860 hat die Regionalliga eine neue Attraktion: die SpVgg Unterhaching mit Promi-Trainer Sandro Wagner. Ein Kommentar.

Vier Kamerateams, etliche Fotografen und insgesamt 20 anwesende Reporter. Zwei Tage vor dem Start der Regionalliga Bayern zeigte sich, dass die SpVgg Unterhaching auch nach dem Abstieg aus der 3. Liga eine gewisse Strahlkraft hat. Besser gesagt: Der Mann an der Seitenlinie hat sie, denn die meisten waren natürlich wegen ihm gekommen: wegen Sandro Wagner, dem prominenten Trainerneuling, der den Vorstädtern durch glückliche Umstände zugelaufen ist (Wohnort, Sohn kickt bei der SpVgg). Die Liga freut sich auf das neue Zugpferd. Sämtliche 1000 Tickets für das Eröffnungsspiel im 700-Seelen-Dorf Aubstadt waren im Nu vergriffen. Ein ehemaliger Bayern-Star im Schulstadion – ein Segen für den BFV, dessen Kooperationspartner sporttotal.tv einen Livestream anbietet.

Ein bisschen surreal ist es schon, dass sich ein börsennotierter Verein mit einem gefeierten TV-Experten unter Amateurclubs wie Aubstadt, Rain am Lech und Eltersdorf mischt. Haching wirkt in der 4. Liga ähnlich deplatziert wie die Löwen nach ihrem historischen Doppelabstieg 2017. Mit einer grottenschlechten Saison hat sich die Spielvereinigung dieses Schicksal selbst eingebrockt. Aber wie das so ist beim Verein von Tausendsassa Manni Schwabl: Es wird nicht lange gejammert, sondern angepackt. Und mit dem A-Promi Wagner an der Seitenlinie ist Schwabl nicht nur ein PR-Coup gelungen, sondern womöglich sogar ein Glücksgriff.

Ab nach Aubstadt - vor 1000 Zuschauern

Der Ex-Stürmer machte bei seiner Antritts-PK deutlich, dass er Haching das „Sandro-Wagner-Gen“ einimpfen will. Mit anderen Worten: Der ehemalige Bayern-Profi möchte den Rot-Blauen wieder das vermitteln, was ihn selbst als Spieler auszeichnete: Selbstbewusstsein, Siegermentalität – und Kaltschnäuzigkeit. Ein viel versprechender Deal: Wagner zieht die Aufmerksamkeit auf sich (womit er kein Problem hat), dafür können unter seiner Obhut weiter Talente made in Haching reifen, angeführt von ein paar Altstars, die noch Unterstützung von drei weiteren „Ankerspielern“ bekommen.

Natürlich kann so ein Projekt auch krachend scheitern. Ein Ex-Nationalspieler in der Vorstadt, noch dazu ohne nennenswerte Trainererfahrung – eine gewisse Fallhöhe ist gegeben, Aufstiegsdruck von Anfang an da. Und trotzdem: Es besteht Hoffnung, dass Schwabl nach dem Fehlgriff Arie van Lent sein Händchen für passendes Personal wiedergefunden hat. Auch andere, die der SpVgg zugeneigt sind, scheinen an das Projekt zu glauben. Ein Indikator dafür ist Hachings Aktienkurs. Nach dem Abstieg stürzte er auf 3,50 ab. In den letzten Wochen zog er dann wieder kräftig an (gestern: 5:80). Hausse in Haching. Für Wagners Kicker zur Nachahmung empfohlen.

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