Haching-Boss Schwabl prangert den DFB an

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Fußball-Fachgespräch oberhalb des Tegernsees: (v.l.) BR-Moderator Markus Othmer, Uli Hoeneß und Haching-Boss Manfred Schwabl. 

Wegen den unzureichenden finanziellen Voraussetzungen in der 3. Liga übt Haching-Boss Manfred Schwabl harsche Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Unterhaching – Thomas Müller ist derzeit in aller Munde. In Top-Form beim FC Bayern München, in der Bundesliga am Samstag Doppel-Torschütze im Spitzenspiel gegen RB Leipzig, Leader auf dem Platz – und nebenbei auch immer wieder Thema, wenn es um die kriselnde Nationalmannschaft geht, aus der der 30-Jährige nach der WM 2018 gestrichen worden war. Auch Manfred Schwabl griff das Thema Thomas Müller jetzt auf. Als Paradebeispiel für einen deutschen Nachwuchskicker, der über die Dritte Liga den Weg zum Weltmeister eingeschlagen hat. Die Nachwuchsförderung und die dafür zu geringe finanzielle Ausstattung der Dritten Liga ist für den Präsidenten der SpVgg Unterhaching ein Lieblingsthema. Auch jetzt, wo es um die Verteilung der Fernseh-Milliarden für die kommenden vier Spielzeiten geht. Für den Unterbau der obersten Profi-Ligen wird wohl wieder nicht viel übrig bleiben.

„Thomas Müller ist ein Kind der Dritten Liga und als Beispiel prädestiniert, wie man nach oben kommen kann“, sagte Schwabl am Sonntag in der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“. Dass aber immer weniger Nachwuchsspieler dort zum Einsatz kommen, sei eine „fatale Entwicklung“. Die Dritte Liga sei inzwischen „eine reine Profi-Liga, die ihren Sinn verfehlt“, schließlich sei sie 2008 „als Ausbildungsliga ins Leben gerufen worden“.

Dass die finanzielle Ausstattung der Drittligisten die Klubs in eine Einbahnstraße Richtung Zweite Liga zwingen, um wirtschaftlich zu überleben, steht dem Einsatz von deutschen Talenten entgegen. Aber Schwabl mahnte – erneut am Thema Thomas Müller – auch mehr Mut an. „Entscheidend bei ihm war auch, dass ihn Louis van Gaal damals in der Bundesliga hat spielen lassen. Man sieht ja, was sich draus entwickeln kann.“

Die Dritte Liga sei für die Wettkampfpraxis junger Spieler ideal, „deswegen gibt es die Dritte Liga ja, das war die Idee dahinter.“ Die Entwicklung ging in eine andere Richtung, was sich für Hachings Präsident nun in der Folge auch in den deutschen U-Nationalmannschaften bemerkbar macht, die der europäischen Konkurrenz hinterherhinken. „Die Einsatzzeiten sind in der Ersten und Zweiten Liga dramatisch niedrig. Andere Länder tun da wahnsinnig viel mehr, wir brauchen uns nicht wundern, dass wir hinterherlaufen.“

Seine klare Forderung, und das bezogen auf die Dritte Liga: „Die Vereine, die junge Spieler auch einsetzen, müssen wirtschaftlich überleben können.“ Dass es dafür kein Geld gibt, kann Schwabl nicht akzeptieren: „Es ist genug Geld da, dass man ein bisschen was runtergibt für den deutschen Nachwuchs.“

Für Unterhaching heißt der Weg eindeutig: Auf den eigenen Nachwuchs setzen. „In Zukunft möchte ich 80 Prozent der ersten Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs sehen“, so Schwabl. Der Anreiz durch die finanzielle Ausstattung sei dafür aber „zu wenig. Den Nachwuchsfördertopf gibt’s ja schon, aber er ist halt nur minimal ausgestattet.“

Zu gering für künftige Müllers – auch bei der SpVgg Unterhaching.

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