Haching zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang

Mit seinem unbändigen Kampfgeist geht Markus Schwabl in dieser Saison stets voran. Foto: Robert rouczek

Die SpVgg Unterhaching befindet sich seit Jahresbeginn in der Dritten Liga im freien Fall. Die aktuelle Realität nach 24 von 38 Spieltagen heißt Abstiegsplatz und schlechte Karten im Vergleich zur Konkurrenz im Tabellenkeller, die noch Nachholspiele zu absolvieren hat und vorbeiziehen kann. Drei Punkte beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer schon jetzt, es könnten bald noch mehr sein. Eine Situation, die auch an den Spielern nagt, allen voran an Kapitän Markus Schwabl.

Unterhaching -  Dessen Stimmungslage ist nach den regelmäßig erfolglos verlaufenden Spielen deutlich zu sehen. Mal wütet er – für Unterhachinger Verhältnisse – am TV-Mikrofon, mal steht er enttäuscht und einsam am Zaun, mal schüttelt er nur mit dem Kopf. Für den 30-jährigen Rechtsverteidiger, der in Sachen Einsatz zweifellos vorangeht und in dieser Saison auch in der Offensive mit seinen zahlreichen Vorlagen einer der Protagonisten des Hachinger Spiels ist, eine rundum frustrierende Situation. „Wer jetzt nicht hundert Prozent gibt, kann sich gleich seinen Pass abholen“, motzte er schon vor zwei Wochen. Gestern wiederholte er diese Aussage.

Gerade im Hinblick auf das Kellerduell beim MSV Duisburg am Samstag steht nun richtig viel auf dem Spiel. „Es ist mir absolut bewusst, worum es in Duisburg geht“, sagte Schwabl gestern, „für mich hat dieses Spiel schon eine große Tragweite, wie die Saison weiterlaufen wird. Wenn du gewinnst, bist du wieder voll dabei. Sonst wird’s eng. Ich weiß, was auf dem Spiel steht.“

Schwabl sprach gestern in der Ich-Form – offen, ob er damit auch Kritik an Teamkollegen üben wollte. Ausgenommen die ganz jungen Mitstreiter, die mit 17 oder 18 Jahren gerade die erste Brise Profiluft schnuppern, sieht der Kapitän der SpVgg nämlich kein Argument darin, dass die Mannschaft zu jung ist für die Dritte Liga. „Das ist keine Ausrede, so jung ist unser Durchschnittsalter gar nicht gewesen“, mahnt er und fügt in aller Deutlichkeit hinzu: „Es gibt für niemanden einen Grund zu sagen, man kann mit dem Druck nicht umgehen. Wer nicht kapiert, worum es geht, der hat vielleicht leider den falschen Beruf.“

Dass etliche erfahrene Spieler nicht zur Verfügung stehen, einer wie Marc Endres nun gar nicht mehr zurückkehren wird und Dominik Stahl in dieser Spielzeit keine Hauptfigur mehr werden wird, macht die Sache natürlich schwierig. „Es würde uns gut tun, ein paar erfahrene Spieler mehr zu haben“, so Schwabl, „ich stimme zu, dass man in einer Phase wie jetzt drei, vier, fünf Spieler brauchen könnte, die Verantwortung übernehmen. Aber die haben wir aktuell halt nicht.“ Dass die SpVgg junge Leute einbauen will, „hat nicht so funktioniert“, sagt er, „aber wir können uns keine anderen aus dem Hut zaubern. Der Prozess tut gerade ein bisschen weh.“

Dass der Trainer trotz allem fest im Sattel sitzt, findet Schwabl im übrigen angenehm positiv: „Wenn der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreichen würde, wäre das fahrlässig. Dann reitest du in den Sonnenuntergang und keiner greift ein, aber so ist es nicht. Bei den Toren, die wir aktuell fressen, was soll der Trainer da machen?“

Ob der MSV Duisburg am morgigen Samstag die nächste Etappe Richtung Sonnenuntergang ist oder mit dem ersten Sieg 2021 ein Licht am Horizont auftaucht, wird spannend.

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