Comeback-Interview mit Hachings Torjäger

Hain: „Es wird sauschwer – aber die Zuversicht ist zurück“

„Eine Serie muss her“: Stephan Hain, der nach neun Monaten Zwangspause sein Comeback gab.
+
„Eine Serie muss her“: Stephan Hain, der nach neun Monaten Zwangspause sein Comeback gab.

Den Negativlauf haben die Hachinger gestoppt, trotzdem steht die SpVgg auf dem vorletzten Platz. Stephan Hain spricht im Interview über sein Comeback und den Abstiegskampf.

München– Es war der vielleicht emotionalste Moment an diesem Sonntagnachmittag im Hachinger Sportpark: die Einwechslung von Stephan Hain, 32, in der 76. Minute für Dominik Stroh-Engel. Neun Monate und fünf Tage nach seinem letzten Einsatz im Juni 2020 gab der Stürmer sein Comeback für die Spielvereinigung. Und konnte sich am Ende über einen 3:0-Sieg gegen den Halleschen FC freuen, mit dem die Unterhachinger ihre epische Durststrecke von zwölf sieglosen Spielen beendeten. Das Willkommen-zurück-Interview mit unserer Zeitung.

Stephan Hain, was war das für ein Gefühl, als Sie von Trainer Arie van Lent am Sonntag kurz nach halb drei zur Einwechslung beordert wurden?

Eine nervöse Freude, würde ich sagen. Oder eine freudige Nervosität? (lacht). In jedem Fall war es ein sehr gutes Gefühl, nach so langer Zeit wieder spielen zu können. Auf dem Weg zum Stadion hab ich schon überlegen müssen, ob ich auch die Schienbeinschoner eingepackt hatte. Zum Glück war alles da.

Stephan Hain: Drei Einheiten mit der Mannschaft vor Comeback für die SpVgg Unterhaching

Wie ging’s Ihnen nach dem Schlusspfiff?

Ganz ehrlich: Ich hab ganz schön pumpen müssen. Training und Spiel sind einfach zwei Paar Stiefel. Und ich hab davor ja auch erst drei volle Einheiten mit der Mannschaft trainiert, von daher muss ich jetzt schauen, dass ich peu à peu meine Form aufbaue. Der Sieg war natürlich eine Riesen-Erleichterung für uns alle. Das Gefühl, dass du doch noch gewinnen kannst, das ist durch nichts zu ersetzen.

Wie groß waren Ihre Befürchtungen, dass es nichts mehr wird mit dem Comeback? Präsident Manfred Schwabl hatte im Januar wörtlich gesagt: „Ich weiß nicht, ob er’s noch mal packt.“

Das ist mir zugetragen worden, ja, aber es hat mich nicht beunruhigt. Ich wusste ja, wie’s mir geht, dass es noch nicht vorbei ist. Vielleicht wollte der Präsident auch nur den Druck ein bissl rausnehmen, weil immer wieder nach mir gefragt worden ist.

Stephan Hain: Das Knie ist „nicht mehr perfekt, sondern halt nur okay“

Hatten Sie nie ernsthafte Bedenken?

Dass es nicht mehr weitergeht? Nein. Durch meine früheren Verletzungen habe ich gelernt, mich an kleinen Fortschritten hochzuziehen. Das Blöde dieses Mal war, dass es keine genaue Diagnose gab. Bei so einer Knorpelgeschichte im Knie ist es ein ständiges Auf und Ab. Der stechende Schmerz ist immer wieder gekommen. Ich hab mir im Januar dann Hyaluron ins Knie spritzen lassen zum Knorpelaufbau, von da an hat es sich langsam stabilisiert. Entscheidend für den Kopf ist, dass du irgendwann akzeptierst, dass es nicht mehr perfekt wird, sondern halt nur okay. Damit ist viel gewonnen.

Die Ergebnisse der Mannschaft dürften nicht viel zur Besserung beigetragen haben...

Es ist ja schon letzte Saison losgegangen. Wenn du siehst, dass alles versucht wird und trotzdem am Schluss immer ein Tor zum Erfolg fehlt, dann ist das schon zermürbend. Aber vielleicht war dieses Spiel gegen Halle der Moment, von dem wir in ein paar Monaten sagen werden: Da haben wir’s rumgerissen.

SpVgg Unterhaching: Torjäger Stephan Hain fordert eine Serie

Am Samstag geht’s nach Verl. Da dürften vom Hinspiel auch noch ein paar Momente präsent sein.

Oh mei... Ich war damals auf der Tribüne im Stadion und hab’s nicht fassen können. Kurz vor Schluss noch 3:1 vorn, und dann verlierst du 3:4. Ich bin kein Psychologe, aber das war sicher noch eine zeitlang drin in den Köpfen.

Eine Zusatzmotivation für Samstag?

Wiedergutmachung hin oder her, es geht um drei Punkte, die wir holen wollen. Jeder kann die Tabelle lesen, jeder weiß, dass wir 40 Punkte plus brauchen, um drinzubleiben. Es wird sauschwer, eine Serie muss her. Aber die Zuversicht ist zurück, die dürfen wir uns jetzt nicht gleich wieder nehmen lassen.

(Interview: Ludwig Krammer)

Auch interessant

Kommentare