Ex-Trainer des TSV Murnau will bei der SpVgg bleiben

Steffen Galm: Bei Haching ist Fußball, „wie man ihn von früher kennt“

2015 tat er Selbiges beim TSV Murnau. Als Coach gelang ihm das, woran vorher viele gescheitert waren: Er formte eine Gemeinschaft. 
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2015 tat er Selbiges beim TSV Murnau. Als Coach gelang ihm das, woran vorher viele gescheitert waren: Er formte eine Gemeinschaft. 

Steffen Galm hat den TSV Murnau nur für ein paar Monate trainiert. Das war im Jahr 2015. Üblicherweise verschwinden solche Namen auf irgendwelchen Internetseiten.

Unterhaching – Bis irgendwer einmal auf sie klickt und fragt: Wer war denn gleich der noch mal? Dieses Schicksal hätte auch Galm ereilen können, zumal doch kein Verein im Landkreis zuletzt mehr Trainer angestellt hat als der TSV, das Jugendzentrum Oberland, wie ihn die Konkurrenz mittlerweile halb verächtlich, halb ehrfürchtig nennt.

Aber in Murnau haben sie Galm nicht vergessen. Man muss nur Spartenchef Michael Adelwart fragen, und er wird erzählen vom „Magier von Murnau“, wie sie ihn damals tauften, weil er geschafft hat, woran alle davor verzweifelten: Er betreute das Team, das als „die untrainierbare Truppe“ verschrieen war, so erzählt es Galm am Telefon, sechs Jahre danach. Er hielt sie viel mehr für „eine Truppe von Weltklasse-Typen“. Über Monate verloren sie zusammen kein Spiel in der Kreisliga.

Was von dieser kurzen Liebschaft geblieben ist? Ziemlich viel für das schnelllebige Geschäft namens Fußball. Freundschaften zu Stefan Schwinghammer, dem „Speedy“, und zu Michael Adelwart, dem „Adel“, den er kürzlich erst wieder am Telefon hatte. „Murnau ist mir ans Herz gewachsen, so ein netter Verein, so nette Menschen“, sagt Galm. Und er hat am Staffelsee wieder entdeckt, was er an diesem Sport so schätzt: den Zusammenhalt eines Teams, das etwas erreichen möchte. „Das waren die Basics, die heute immer mehr verloren gehen.“

Steffen Galm: „Fußball ist auch, aus Schwierigkeiten das Beste zu machen“

Steffen Galm, 49 Jahre, A-Lizenz-Coach, arbeitet seit 2016 wieder im Profi-Geschäft, bei der SpVgg Unterhaching. Er hat bemerkt, wie aus einem Spiel für elf Mann ein Sport für Individualisten geworden ist, die einem Karriereplan folgen. Einer dieser Modebegriffe, die der Fußball-Kosmos erschaffen hat. In Unterhaching „probieren wir, einiges aus dem Fußballsport hinüber zu retten, wie man ihn von früher kennt“, erklärt Galm, verantwortlich für „Entwicklung und Kaderplanung“ beim Drittligisten, so heißt’s offiziell. Zuvorderst geht es um eine gute Gemeinschaft, um eine Aura des Zusammenhaltens, von der alle zehren. „Wir versuchen es vorzuleben“, sagt er – zweifellos auch ein Hinweis auf die aktuelle Lage. Es gelingt nicht immer. Dieser Gemeinsinn hat etwa nicht verhindern können, dass die SpVgg erst ihre Spieler (Stichpunkt: Verletzungen) und dann viele Partien (19 von 30) verlor. Jetzt steht sie auf dem letzten Platz, die Falltür in die Regionalliga. Aber Galm hat auch für diese Lage einen schönen Satz parat: „Wenn die Sonne scheint, ist alles leicht.“ Fußball spielt man nun einmal nicht nur in der Sonne. Tatsächlich hält Galm den Sport auch für ein nie enden wollendes Gefecht. Gegen Gegner, die „immer was schlechtes für dich wollen“, gegen das Wetter, gegen Verletzungen, gegen allerlei Widrigkeiten. „Fußball ist auch, aus Schwierigkeiten das Beste zu machen.“ Dieser Satz könnte so in einem Lehrbuch für Trainer stehen.

Steffen Galm will auch in der Regionalliga bei der SpVgg Unterhaching bleiben

Und so wird der Heilpraktiker höchstwahrscheinlich in Unterhaching weiterarbeiten. Ganz egal, ob dritte oder vierte Klasse. „Ich mache meine Arbeit in Haching nicht von einer Ligenzugehörigkeit abhängig. Es ist nicht unter meiner Würde, in der Regionalliga weiter zu machen.“ Nur zur Rückbesinnung: Der Mann war sich auch nicht zu eitel, einen Kreisligisten zu coachen, an dem praktisch jeder andere verzweifelt war. Die Frage wird nur sein, ob er nächste Saison noch den Kader plant, die Jugend fördert, die Gegner und die Neuzugänge scoutet, wie er das bislang tut. Bei der SpVgg „macht man das, was anfällt.“ Die Hierarchie im Klub ist nicht starr, die Macht nicht einseitig verteilt. „Ich helfe da, wo ich kann.“ Vielleicht sitzt er bald wieder als Assistent auf der Bank. Wer weiß?

Es ist in diesen Pandemie-Tagen, in denen „ein Mantel der Schwere“ über allem liegt, nicht alles schlecht bei den Hachingern. Torwart-Talent Nico Mantl brachten sie in Salzburg unter. Die A-Jugend mit dem Murnauer Lucas Stegemann steht vor der Rückkehr in die Bundesliga. Dann wären wieder sämtliche Jugendteams in der höchsten Klasse angekommen. Ein bisschen Sonne scheint doch über dem Hachinger Sportpark.

Außerdem entwickelt sich einiges in und vor allem um München herum. Mit Deisenhofen, Geretsried und zuletzt Murnau entstanden praktisch kleine Jugendfabriken – die Vorstufe für die Nachwuchsleistungszentren, die NLZs wie sie in der Szene heißen. Galm sieht sie trotz regionaler Nähe als „null Konkurrenz“ an, sondern freut sich über „deren hervorragende Arbeit“. „So lange die Jungs gut ausgebildet werden und Spaß haben, werden die ihren Weg gehen. Wenn einer zu uns passt, wird er bei uns landen.“ So einer war und ist auch er selbst. Galm wechselte bereits 2002 aus der Heimat Schweinfurt nach Unterhaching, als Therapeut und Individualcoach. Mittlerweile, das hat er dem Portal „In und um Schweinfurt“ bereits nach seiner Rückkehr aus Murnau gesagt, nennt er Haching auch seine „oberbayerische Heimat“.

(Andreas Mayr)

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