Türkgücü trifft auf Stadtrivale Unterhaching

Münchner Derby im Olympiastadion: Wem gelingt die Wiedergutmachung?

Beide Mannschaften wollen im Derby den Negativtrend beenden.
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Beide Mannschaften wollen im Derby den Negativtrend beenden.

Peter Grosser schaffte das Kunststück, sowohl mit Unterhaching als Türkgücü aufzusteigen. Jetzt erinnert sich an die abwechslungsreiche Zeit zurück und gibt eine Prognose ab.

  • Die SpVgg Unterhaching und Türkgücü München mussten unter der Woche Niederlagen hinnehmen.
  • Im anstehenden Derby sind dementsprechend beide unter Zugzwang.
  • Peter Grosser trainierte bereits beide Mannschaften und verrät, wen er vorne sieht.

München – Zwei Nachholspiele, zwei Niederlagen – für die SpVgg Unterhaching (0:2 in Halle) und Türkgücü (0:2 in Rostock) wird das Derby am Samstag im Olympiastadion zu einer Art Wiedergutmachungs-Gipfel. Einer, der beide Clubs aus eigener Erfahrung als Trainer kennt, ist Peter Grosser. Der 82-jährige Münchner, 1966 Kapitän der legendären Meisterlöwen, schaffte in den Achtzigerjahren sowohl mit Haching als auch mit Türkgücü den Aufstieg in die drittklassige Bayernliga. „Das waren Pionierleistungen“, sagt er.

Türkgücü: Traum vom Profifußball schon 30 Jahren alt

Bei Türkgücü werden viele sofort an den rasanten Erfolg denken. An einen Verein, der sich quasi aus dem Nichts durch die Finanzkraft von Hasan Kivran von der Landesliga bis ins Olympiastadion gespielt hat. Doch solch ambitionierte Projekte haben bei den Münchnern Tradition. Schon vor gut 30 Jahren lebte der Vorgängerverein, der SV Türk Gücü, denselben Traum wie heute. Den Traum vom dauerhaften Profifußball. Der Dirigent des (kurzfristigen) Erfolgs hieß Peter Grosser. Der Meisterlöwe schaffte mit dem Verein in der Saison 1987/88 als Trainer den Aufstieg von der Landesliga in die Bayernliga – damals die höchste Amateurklasse.

Präsident Ergun Berksoy sorgte mit seiner wirtschaftlichen Unterstützung für den Aufschwung. „Es war vor über 30 Jahren schon so, dass Geld eine große Rolle gespielt hat“, erinnert sich Grosser. „Heutzutage ist es natürlich noch wichtiger, dass du finanziell gut aufgestellt bist, wenn du erfolgreich sein willst. Entweder durch Sponsoren oder eben Präsidenten, die das Geld herbeischaffen.“

Derby gegen 1860 im Grünwalder Stadion

Besonders die Derbys gegen 1860 und Haching haben sich Grosser eingeprägt. „Die Atmosphäre war super“, blickt er zurück. Eigentlich spielte Türkgücü im Dantestadion, für die Lokalduelle wurde jedoch stets ins größere Grünwalder Stadion ausgewichen. Gegen Sechzig kamen über 10 000 Zuschauer.

Mit dem Rücktritt von Berksoy („Er hat im entscheidenden Moment das Handtuch geworfen“) platzte für Türcgücü auch der Traum vom Aufstieg in die Zweite Liga. Grosser: „In dem Moment war schnell klar, dass es mit dem Verein wieder bergab geht.“ Genauso kam es. Doch drei Jahrzehnte und zahlreiche Umstrukturierungen später ist Türkgücü nun zurück in der Drittklassigkeit, steht in der Tabelle bei einem Spiel weniger nur zwei Punkte hinter 1860 – und fünf Zähler vor den schwächelnden Hachingern. „Bislang haben mich beide Teams überrascht“, sagt Grosser. „Türkgücü im positiven Sinne, weil sie eine gute Rolle in der Liga spielen. Haching negativ, weil sie im Tabellenkeller feststecken. Das ist nach den ganzen Veränderungen natürlich sehr enttäuschend.“

Peter Grosser: „Drittligafußball noch spannender“

Wen Grosser am Samstag vorne sieht? „Bei Lokalderbys gewinnt meistens der Verein, der nicht der Favorit ist“, sagt er und lacht. „Türkgücü hat den Münchner Drittligafußball auf jeden Fall noch spannender gemacht.“

In seine Saisonprognose schließt Grosser auch 1860 mit ein: „Das ist ein Lotteriespiel heutzutage in der 3. Liga, in der jeder jeden schlagen kann. Es kommt, gerade in der Corona-Zeit, drauf an, wer den größeren Kader hat und länger auf hohem Niveau spielen kann.“ 

(Nico-Marius Schmitz, Ludwig Krammer)

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