Streit um Startplatz im DFB-Pokal

„Extrem unschön“ - Koch kritisiert Kivran für Rassismus-Vorwurf

Rainer Koch wehrt sich gegen die Vorwürfe im Streit um den Startplatz im DFB-Pokal.
+
Rainer Koch wehrt sich gegen die Vorwürfe im Streit um den Startplatz im DFB-Pokal.

Rainer Koch setzt sich gegen die Vorwürfe in Richtung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) zur Wehr. Er spart nicht mit Kritik an Türkgücü München und dem 1. FC Schweinfurt.

  • Im Streit um die DFB-Pokal-Teilnahme zwischen Türkgücü München und dem 1. FC Schweinfurt verteidigt Rainer Koch die Vorgehensweise des Verbandes.
  • Der BFV-Präsident ist enttäuscht, dass Hasan Kivran angedeutet hat, die Entscheidung könnte rassistisch motiviert sein. 
  • Der 61-Jährige hofft, dass Schalke 04 wegen des Gerichtsstreits „nicht kampflos in die 2. Runde einzieht“. 

München - Gegen wen tritt der FC Schalke 04 in der 1. Runde des DFB-Pokals an? Diese Frage wird frühestens am 28. September beantwortet. Dann wird am Landgericht München der Widerspruch des BFV gegen die einstweilige Verfügung von Türkgücü München verhandelt. Dass es überhaupt so weit gekommen ist und der Drittliga-Aufsteiger gegen das Startrecht der Schweinfurter geklagt hat, setzt Rainer Koch immer noch zu. Der 61-Jährige verteidigt die Vorgehensweise des Verbandes und erneuert seine Kritik an Türkgücü München und dem 1. FC Schweinfurt

Streit um DFB-Pokal-Teilnahme: BFV-Präsident Koch widerspricht Landgericht München

In einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht Koch über die angedachte Idee, Türkgücü München für die 3. Liga und den 1. FC Schweinfurt für den DFB-Pokal zu melden: „Das war kein Deal, wir mussten eine Lösung finden für völlig unterschiedliche Vereinsinteressen“, sagt der BFV-Präsident. Nur Türkgücü für den DFB-Pokal und den Aufstieg zu melden, war demnach keine Option: „Damit hätten wir einen Kriegszustand heraufbeschworen“, glaubt Koch. Er wundert sich über die Begründung des Landgerichts: „Der entscheidende Punkt ist: Das Gericht hat argumentiert, dass Corona in der Angelegenheit keine Rolle spielt. Dabei ist Corona der zentrale Grund dafür, dass wir keinen Meister ausgespielt haben, ja gar nicht konnten.“ 

Koch nimmt Hasan Kivran in die Pflicht und lässt durchblicken, dass er vom Türkgücü-Präsidenten enttäuscht ist. Er macht keinen Hehl daraus, dass der Aufsteiger die mündlichen Absprachen gebrochen und das Chaos um den Startplatz im DFB-Pokal damit möglich gemacht hat: „Ich habe Türkgücü im Lizensierungsprozess an allen Stellen unterstützt, auch bei der Stadt München. Ich bin seit jeher ein Freund von Türkgücü München.“ Die Andeutung von Kivran, die Entscheidung könnte aus rassistischen Motive gefallen sein, trifft den DFB-Vizepräsidenten besonders: „Das ist etwas, das ich extrem unschön finde. Immerhin hat Hasan Kivran mir gegenüber versichert, sein Verhalten habe nicht mit dem BFV oder mir zu tun“, sagt Koch. „Hasan Kivran dürfte gerade selbst merken, wie stark sein Image aktuell leidet. Das ist schade, denn auch er ist ein Teil des Gesamtfußballs in Deutschland.“ 

„So ziemlich das schwerste Foul“ - Koch kritisiert Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny

Geschäftsführer Max Kothny nimmt Koch ebenfalls in die Verantwortung: „Es ist schlichtweg unwahr, wenn Herr Kothny sagt, Schweinfurt hätte gegen Türkgücüs Drittliga-Lizenz geklagt. Schweinfurt hat nicht geklagt und ich sage auch: Sie hätten nie geklagt.“ Die Vorgehensweise des 23-Jährigen, der bei der Einreichung der Lizenzsierungsunterlagen selbst Zweifel geäußert hatte, macht ihn fassungslos: „Kothny sollte sich zu so einem Verfahren am besten gar nicht äußern“, empfiehlt der Jurist, denn man wisse ja, wie der 1. FC Schweinfurt und Türkgücüs Stadionpartner Würzburg zueinanderstehen. „Dass der Eindruck entstand, dass nun ausgerechnet die Kickers Türkgücü mit der Bereitstellung einer Spielstätte dabei helfen würden, anstelle von Schweinfurt in die 3. Liga zu kommen, war so ziemlich das schwerste Foul, das man begehen konnte.“ 

Nach seiner Meinung sind allerdings auch die Unterfranken nicht schuldlos an der Eskalation. Es sei „nicht förderlich“ gewesen, dass sich Schweinfurts Präsident Markus Wolff „an zwei, drei Stellen sehr hart über die Lizenzierung Türkgücüs geäußert hat“. Nach dem Roman Plesche Ende Juli den Anspruch Türkgücüs für die Teilnahme an der 1. Runde im DFB-Pokal noch einmal unterstrichen hat, suchte Koch das direkte Gespräch mit Hasan Kivran Ende Juli. Er habe ihm versichert, „dass er nicht klagen wird. Ich kann das auch belegen. Türkgücü hatte ja zuvor auch eine Beschwerde gegen die Ordnung eingereicht. Daran lässt sich übrigens erkennen, dass Hasan Kivran von Anfang an wusste, wer in den Pokal kommen soll, sonst hätte er sich nicht beschwert“. 

Koch hofft auf ursprünglichen Kompromiss: „Lösung wird ja vielleicht auch noch funktionieren“

Auf die Frage nach einer Begründung, warum der starke Mann des Drittliga-Neulings diesen Weg gegangen ist, sagt Koch: „Meine Erklärung ist tatsächlich, dass er so gehandelt hat, weil er aufgebracht ist und die Äußerungen von Markus Wolf, die er im Juli über die Lizensierung getätigt hat.“ Der BFV-Präsident hat die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben, dass die ursprünglich getroffenen mündlichen Absprachen doch greifen: „Diese Lösung wird ja vielleicht auch noch funktionieren. Ich bin nach wie vor optimistisch“, sagt Koch. „Deshalb kann man jetzt nur hoffen, dass die Gerichte zeitnah zu einer Entscheidung kommen. Dass wir nicht gänzlich ohne bayerischen Teilnehmer dastehen. Nicht, dass Schalke 04 kampflos in die zweite Runde einzieht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare