Aussicht auf ein Nachwuchsleistungszentrum im Münchner Osten

„Liquiditätslücke schließen“: Kothny erklärt, wie es nach Kivran-Verbleib bei Türkgücü weitergeht

Geschäftsführer Max Kothny
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Hat intensive Wochen hinter sich: Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny.

Türkgücü München kann aufatmen. Investor und Präsident Hasan Kivran bleibt beim Verein. Und auch positive Nachrichten von der Stadt stimmen Geschäftsführer Max Kothny zuversichtlich.

  • Türkgücü München kann auch in Zukunft auf die finanzielle Untersützung von Hasan Kivran bauen
  • Von der Stadt gibt es die Aussicht auf ein Nachwuchsleistungszentrum
  • „Siebenstellige Liquiditätslücke“ muss noch geschlossen werden

München – Das große Zittern ist vorbei, die Katastrophe abgewendet. Türkgücü München teilte am Samstag mit, dass Präsident Hasan Kivran seine Anteile behält und den Verein nicht verlässt. Am 23. Dezember hatte der Investor noch seinen Rückzug verkündet, nun folgt die Rolle rückwärts. „Meine nach wie vor hohe Begeisterung und Leidenschaft für diesen Verein steht außer Frage“, sagt Kivran, der seit 2016 als Dirigent des ersten Migrantenvereins im deutschen Profifußball fungiert. Intensive Gespräche mit der Geschäftsführung sollen den 54-Jährigen von einem Verbleib überzeugt haben.

Ein weiterer Grund ist „eine Nachricht von der Stadt München“: Türkgücü soll von der Stadt die „Aussicht auf ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) bekommen haben.“ „Ohne NLZ kommst du nicht hoch und wir wollen aufsteigen“ sagt Kivran. Aktuell trainiert der Drittliga-Neuling noch an Bezirkssportanlage in der Heinrich-Wieland-Straße. Die Anlage wird mit anderen Vereinen und Schulklassen geteilt, Profibedingungen sind hier Fehlanzeige. „Wir müssen Abstriche machen und jeden Tagen schauen, wie wir den Platz freibekommen, es gibt hier keine Rasenheizung“, sagte Coach Alexander Schmidt.

Geschäftsführer Max Kothny bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass im Südosten Münchens ein neues Areal geschaffen und derzeit die Installation eines NZL geprüft wird: „Wir wollen von der Stadt nichts geschenkt bekommen, sondern wie 1860 und der FC Bayern über eine Erbpacht ein Areal anmieten, um den Fußball nachhaltig zu fördern. Wir führen schon seit längerem intensive Gespräche.“

Eine weitere Baustelle ist der Nachweis der Zahlungsfähigkeit, den Türkgücü bis zum 21. Januar beim DFB erbringen muss. Kivran bestätigte gegenüber „Sport1“ ein „negatives Ergebnis von 1,9 Millionen Euro im vergangen Geschäftsjahr“ und das Minus von rund zwei Millionen Euro in der aktuellen Spielzeit. „Diese negativen Ergebnisse sind gedeckt durch gezeichnetes Eigenkapital beziehungsweise Einlagen in die Kapitalrücklage“, so der Geschäftsmann. Die ausgegliederte GmbH verfüge über 2,2 Millionen Euro Eigenkapital.

Kothny sagte unserer Zeitung, dass noch immer eine „siebenstellige Liquiditätslücke“ bestehe: „Dank Hasan Kivran ist es uns möglich, diese rechtzeitig zu schließen.“

Wenn eine Strategie dahinterstecken würde, wären meine vergangenen drei Wochen deutlich entspannter gewesen.

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny

Türkgücü hat sich in der Winterpause von Tom Boere (jetzt beim SV Meppen), Emre Kurt, Thomas Haas, Marco Holz und Marco Raimondo Metzger getrennt. Das Pikante: Nach einem Bericht der „SZ“, der sich mit Informationen unserer Zeitung deckt, hat Kivran in der Vergangenheit häufiger mit einem möglichen Abzug gedroht. In der Folge verließen dann aber nur Spieler den Verein und auch jetzt verkündete Kivran seinen Verbleib nach den fünf Abgängen. „Es gab im Winter Gespräche von Hasan Kivran mit der Mannschaft. Ein Rücktritt wurde aber nie angedroht. Wenn eine Strategie dahinterstecken würde, wären meine vergangenen drei Wochen deutlich entspannter gewesen“, sagt Kothny.

„Es war klar, dass es im Winter eine Auslese gibt“, sagt auch Schmidt. Der 52-Jährige empfängt heute Abend mit seinem Team den Spitzenreiter Dynamo Dresden. „Nach den Münchner Derbys ist es das Spiel des Jahres für uns“, sagt Schmidt. Die Münchner wollen wieder für Schlagzeilen sorgen – allerdings auf sportlicher Ebene.  

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