1. tz
  2. Sport
  3. Türkgücü München

„Sorgfaltspflicht“ - Keeper Vollath fordert vom DFB Unterstützung für Türkgücü-Profis

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Rene Vollath sprach ausführlich über das Aus von Türkgücü München und die Folgen für ihn und seine Kollegen.
Rene Vollath sprach ausführlich über das Aus von Türkgücü München und die Folgen für ihn und seine Kollegen. © Imago Images / Beautiful Sports

Die größten Verlierer sind die Spieler von Türkgücü München. Keeper Rene Vollath spricht über die Arbeitslosigkeit und den Rückzug des Klubs.

München - Für Rene Vollath war es eine Art Deja-vu. Bevor er an der Isar angeheuert hat, war er Profi beim ebenfalls insolventen KFC Uerdingen. Er sei zwar beim Thema Investoren vorgewarnt gewesen, gibt er im Gespräch bei MagentaTV zu, aber „dass ich jetzt am Ende bei einem noch schlimmeren Punkt gelandet bin, war mir im Vorhinein natürlich nicht klar“.  

„Um wirklich ehrlich zu sein, so richtig damit gerechnet hat Anfang Januar keiner von uns.“

Keeper Rene Vollath über die Insolvenz von Türkgücü München.

Bei Türkgücü München* sei vieles anders als in Krefeld gewesen. Bis Anfang 2022 sei der Verein seinen Verpflichtungen nachgekommen und die Spieler hätten immer ihre Gehälter bekommen. Dennoch war der 32-Jährige seit Januar 2021 skeptisch. Damals drohte Geldgeber und Präsident Hasan Kivran zum ersten Mal seinen Ausstieg an: „Es gab ja dann nochmal einen Rückzieher, aber ab diesem Moment ist man dann schon vorsichtig.“

Dennoch kam für die Mannschaft und den Schlussmann das Aus vor wenigen Wochen überraschend. „Es wurde dann noch ein neuer Trainer verpflichtet im Winter, sogar ein neuer Torwarttrainer. Es sollten eventuell sogar noch Spieler dazukommen. Wir waren noch in einem teuren Trainingslager. Um wirklich ehrlich zu sein, so richtig damit gerechnet hat Anfang Januar keiner von uns.“

Aus von Türkgücü München: Torwart Rene Vollath nimmt den DFB in die Pflicht

Was Vollath missfällt, ist die mangelhafte Kommunikation der Verantwortlichen an der Heinrich-Wieland-Straße. „Bevor wir irgendeine Informationen hatten, haben wir die Gerüchte aus der Presse wahrgenommen. Das war übrigens auch letztes Jahr so“, sagt der Ex-Kapitän, der auch die Rolle des DFB* in der Causa Türkgücü kritisch hinterfragt.

„Ich habe leider keinen Einblick ins Lizenzsierungsverfahren. Wenn ich Uerdingen sehe und dieses Jahr Türkgücü München – quasi von heute auf morgen den Stecker gezogen – stellt sich schon die Frage, ob das alles so wasserdicht ist“, findet der gebürtige Amberger und fordert einen früheren Termin für die Nachlizenzierung im Winter. „Bei uns ist es ein Extrembeispiel. Am 24. Januar musste man nachweisen, dass man die Restsaison finanzieren kann“, analysiert er. „Wenn man es nicht tut, hat man doch noch einmal sieben Tage Zeit. Dann ist der 31. Januar, die Spieler können nicht mehr weg und stehen jetzt wie wir alle vor einem dreimonatigen Berufsverbot.“

„Da ist eigentlich der DFB in der Sorgfaltspflicht für die Spieler, dass man zumindest einen Sonderfall schafft.“

Rene Vollath

Vollath selbst hält sich in Unterhaching fit. Sein Torwart-Kollege Michael Wagner am Campus des FC Bayern*. Dennoch ist es keine einfache Situation für ihn und seine ehemaligen Kollegen. „Ich kann nicht wie ein normaler Mensch, der arbeitslos ist, morgen irgendwo hingehen und sagen, ich möchte mich bewerben, sondern ich bin drei Monate arbeitslos. Und da ist eigentlich der DFB in der Sorgfaltspflicht für die Spieler, dass man zumindest einen Sonderfall schafft.“

Während der laufenden Insolvenz haben die Spieler ein Teil des Gehalts bis zur Beitragsbemessungsgrenze bekommen, aber „ab 1. April gibt es eben Arbeitslosengeld“. Besonders bitter sei es für die Spieler, die im Winter die Möglichkeit hatten, den Klub zu wechseln, „aber niemanden im Verein mehr erreicht haben“. Speziell diesen Spielern täte es „schon brutal weh, wenn die Jungs jetzt aufs Arbeitsamt müssen“. (Jörg Bullinger)  *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare