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Türkgücü-Keeper Rene Vollath im Interview: Nie wieder „Einzelinvestoren-Club“

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Von: Jacob Alschner

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Hält sich nun in Haching fit: René Vollath.
Hält sich nun in Haching fit: René Vollath. © Imago

Rene Vollath spricht im Interview über das Aus bei Türkgücü München,seine Zukunft als Torwart und den Saisonendspurt in der 3. Liga nach dem Rückzug.

München – Er war stets einer, der sich mit Türkgücü München identifizierte. Nun erlebt René Vollath (32) nach der Havarie seines Ex-Vereins KFC Uerdingen 2020 die zweite Club-Insolvenz seiner Karriere. Im Interview spricht der gebürtige Oberpfälzer über seine Gefühlslage, den Druck bei Türkgücü und seine Zukunft.

Herr Vollath, dass der Spielbetrieb eingestellt wird, haben auch Sie noch nicht erlebt. Was war Ihre erste Reaktion auf das Türkgücü-Aus?

Einerseits war Wehmut da. Andererseits hatten wir ja schon ein bisschen Zeit, uns drauf einzustellen. Wer logisch gedacht hat, dem war eigentlich klar, was passieren musste. Es gab nur dieses eine Ergebnis. Aber obwohl nun Klarheit herrscht, die guttut: Wir sind alle sauer.

„Es ist so, dass es durch diese Hire-and-Fire-Mentalität gar nicht möglich war, eine eingespielte Truppe zu werden.“

Rene Vollath

Wie ist die Mannschaft, die nicht immer den größten Zusammenhalt zu haben schien, untereinander verblieben? Hat die WhatsApp-Gruppe noch Bestand?

Ein paar Jungs sind schon ausgetreten. Es ist so, dass es durch diese Hire-and-Fire-Mentalität gar nicht möglich war, eine eingespielte Truppe zu werden. Von daher verstehe ich jeden, der jetzt sagt: „Ihr könnt mich alle mal, ich hau ab.“ Dieses Problem ist hausgemacht. Aber die Abwicklung der Insolvenz ist ja noch nicht vorbei. Ich bekomme einige Anrufe, was Arbeitslosengeld und so etwas angeht.

Heißt, Sie sind durch Ihre Uerdingen-Erfahrung jetzt der Ansprechpartner, was das angeht?

Ja. Ich stehe da jedem gerne zur Verfügung, das wissen die Jungs auch.

„Egal unter welchem Trainer: Der Druck, oben dran zu bleiben, war über die Saison zu groß.“

Rene Vollath.

Der einzige Trainer, unter dem sich Ihr Team als Einheit präsentiert hat, war Andreas Heraf. Kam er zu spät?

Egal unter welchem Trainer: Der Druck, oben dran zu bleiben, war über die Saison zu groß. Erst nach dem Abzug der elf Punkte waren wir auf einmal der große Held, wenn wir überhaupt nur einen Punkt geholt haben, das war befreiend. Heraf hat das Ganze gut moderiert, das muss man sagen.

Zurück zu Ihnen persönlich: Wie muss man sich Ihren Alltag nun vorstellen?

Ich halte mich bei der SpVgg Unterhaching fit. Wir schauen mal, wie wir danach weitermachen.

„Das Einzige, was ich ausschließe, ist, dass ich noch einmal bei einem Einzelinvestoren-Club anfange.“

Rene Vollath über seine Zukunft.

Das heißt, es könnte sein, dass Sie bald bei Haching im Tor stehen – obwohl viertklassig?

Ich schließe das nicht aus. Aber natürlich habe ich auch Ziele und Ansprüche, habe immerhin über 200 Drittliga-Spiele absolviert. Das Einzige, was ich ausschließe, ist, dass ich noch einmal bei einem Einzelinvestoren-Club anfange. Die Abhängigkeit von einer einzigen Person, die schlechte Infrastruktur – das habe ich fünf Jahre lang mitgemacht. Das reicht mir.

Was glauben und was hoffen Sie, wie die Saison in der 3. Liga nun ausgeht?

Saarbrücken hat es durch unser Aus am härtesten getroffen im Aufstiegskampf, Halle im Keller. Denen drücke ich ein kleines Däumchen mehr. Die haben es verdient.

Herr Vollath, zum Abschluss: Waren Sie bei Türkgücü zu blauäugig?

Ich hätte mir bei aller Liebe nie vorstellen können, dass es möglich ist, die Lizenz zu bekommen, ohne die Saison finanziell gedeckt zu haben. In ganz Deutschland hat kein Mensch damit gerechnet, dass ein Proficlub mitten in der Saison den Spielbetrieb abmelden muss. Und wer doch, der kann mir gerne schon die Lottozahlen für die nächsten Wochen mitteilen. (Interview: Jacob Alschner)

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