Große Ziele nach wie vor im Fokus

„Das ist für einen Torhüter brutal“: Türkgücü-Keeper Vollath glaubt trotz Klatsche an Hyballa

Gegen Magdeburg zeigte René Vollath (l.) eine starke Leistung, kassierte aber trotzdem vier Treffer.
+
Gegen Magdeburg zeigte René Vollath (l.) eine starke Leistung, kassierte aber trotzdem vier Treffer.

Türkgücü München musste zuletzt zwei derbe Pleiten einstecken. Besonders für Keeper Vollath war die Klatsche in Magdeburg „brutal“. Er baut auf Aufwind unter Hyballa.

München – Erst die 0:4-Klatsche in Magdeburg, dann das Aus im Totopokal. Ist der Effekt des neuen Trainers Peter Hyballa bei Türkgücü München* schon wieder verpufft? Im Interview mit unserer Zeitung spricht René Vollath über das ärgerliche Leben eines Torwarts, den „wilden Fußball“ unter Hyballa und die hohen Ansprüche des Vereins.

Herr Vollath, gegen Aubstadt saßen Sie auf der Bank. Bei der Niederlage in Magdeburg mussten Sie viermal hinter sich greifen, obwohl Sie eine starke Leistung zeigten. Wie ärgerlich ist das?
Das ist für einen Torhüter brutal. Ich möchte nicht so viel über mich selbst reden, aber das war schon ein wirklich gutes Spiel von mir. Am Ende des Tages steht man trotzdem mit vier Gegentoren da. Aber ich kann nur mein Bestes geben und auf den Rest habe ich wenig Einfluss. Fußball ist eben ein Mannschaftssport. Immerhin haben Sie gegen den Tabellenführer gespielt.
Relativiert das die Niederlage ein bisschen?
Absolut. Magdeburg hat es einfach gut gemacht. Ich bin kein Freund davon, bei Niederlagen immer zu sagen, es hätte nur an uns gelegen. Du siehst, wie gut sie über acht Monate hinweg mit ihrem Trainer Christian Titz gearbeitet haben und welche Handschrift sich da zeigt. wenn ich das mit unserem Spiel gegen den FCM im Februar vergleiche, was Titz’ erstes Spiel als Trainer dort war. Da zeigt sich, welchen Vorteil eine Mannschaft hat, wenn sie nicht wie wir erst zehn Tage mit einem Trainer zusammenarbeitet.
Die Zeit vor dem Trainerwechsel betrachtet: Auch aus dem Vereinsumfeld gab es die Vorwürfe, die Mannschaft habe die falsche Einstellung. War das Ihrer Meinung nach der Fall?
Das Fußballgeschäft funktioniert sehr plakativ. Wenn man 0:4 verliert, ist es einfach, zu sagen die Einstellung war nicht da. Wenn man 3:0 gewinnt, heißt es, man hat den Gegner an die Wand gespielt. So einfach ist es aber nicht. Fakt ist: Es kommt in der 3. Liga auf die Intensität an. Wenn man die über 90 Minuten bringen kann, wirst du in der Regel als Sieger vom Platz gehen. Das war nicht da. Und deswegen haben wir uns das angekreidet und gesehen, dass wir das verbessern müssen.
Seit etwa zwei Wochen ist Peter Hyballa Ihr neuer Coach. Wie ist ihr Zwischenfazit nach der ersten Zeit?
Sehr gut. Er ist sehr offen, direkt und ehrlich. Er spricht Dinge an, die ihm nicht passen. Mit der Zeit wird das Früchte tragen. Dass er ein ganz anderer Typ ist als sein Vorgänger Ruman, weniger ruhig, ist kein Geheimnis.
Welche Art von Trainer gefällt Ihnen besser?
Da möchte ich gar nichts bewerten. Was mir an unserem aktuellen Trainer sehr gut gefällt, ist die ehrliche Art. Er schreckt nicht vor Institutionen zurück, sondern geht seinen Weg und gibt klare Vorgaben, an die sich jeder zu halten hat. Wer das nicht tut, spielt nicht. So einfach ist das.
Was macht er, das Sportliche betrachtet, anders?
Peter Hyballa steht für Gegenpressing, brutales Anlaufen und einfach einen geilen, wilden Fußball. Gerade in der 3. Liga geht es um Intensität, darüber kann man viele Dinge ausgleichen. Und daran arbeiten wir.
Im Vergleich zum letzten Jahr stehen Sie in der Tabelle sechs Plätze weiter unten. Hat sich die Mannschaft zurückentwickelt?
Nein. Das spielt gar keine Rolle. An Rostock und Saarbrücken in der letzten Saison hat man gesehen, dass es auf Kontinuität und die Platzierung am Ende der Saison ankommt. Es würde uns nichts bringen, wenn wir jetzt drei Wochen auf Platz eins stehen und dann einbrechen.
Aber Türkgücüs Kader gehört zu den besten der Liga. Da müssen Sie doch höhere Ambitionen haben…
Ja, die Ziele des Vereins sind kein Geheimnis. Wir wissen um die und haben dieselben. Fakt ist: Es ist noch nicht einmal ein Drittel der Saison gespielt. Mit einem Sieg in Magdeburg wären wir punktgleich mit dem Tabellendritten gewesen und nicht auf Platz 11. Dieses Jahr ist die Liga unfassbar eng beieinander. Solange man in Schlagdistanz bleibt, kann man mit einer guten Serie direkt acht, neun Plätze in der Tabelle gut machen. Von daher gebe ich aufs Tabellenbild momentan gar nichts.

Das Interview führte Jacob Alschner. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare