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Ex-Türkgücü-Präsident Hasan Kivran: „Ich bin kein Alleinherscher. Im Gegenteil“

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Hasan Kivran hat nach seinem Rückzug sein Schweigen gebrochen.
Hasan Kivran hat nach seinem Rückzug sein Schweigen gebrochen. © Imago Images / foto2press

Der Rückzug von Türkgücü München aus der 3. Liga hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt hat sich Ex-Präsident Hasan Kivran nach dem Aus zu Wort gemeldet.

München - An der Heinrich-Wieland-Straße wird gerade der Scherbenhaufen zusammengekehrt. Türkgücü München will nach der Insolvenz in der Regionalliga Bayern neu angreifen. Hasan Kivran, ehemaliger Geldgeber und Präsident, der den Klub von einem Abstiegsplatz in der Landesliga bis in die 3. Liga gebracht hat, zog Ende Januar die Notbremse. Er wollte nicht weiter investieren und stürzte den Klub und die 3. Liga ins Chaos.

Nach fast genau drei Monaten hat Kivran sein Schweigen gebrochen und ist sich offenbar nach wie vor keiner Schuld bewusst. Zehn Millionen Euro hat er nach eigenen Angaben als Mäzen bis Ende 2021 in den Klub gesteckt. Um die Saison zu Ende zu spielen, wären demnach weitere 2,5 Millionen fällig geworden. „Ich denke, dass es wirtschaftlich nicht intelligent gewesen wäre. Ich habe sechs Jahre Herzblut in den Klub gesteckt. Nicht mehr in Türkgücü zu investieren, war eine Entscheidung, die mir schwergefallen ist. Aber ich musste sie treffen“, sagt Kivran im Interview mit der Bild-Zeitung.

„Ich gehe im Guten, werde den e.V. schuldenfrei übergeben und den Klub weiter unterstützen.“

Hasan Kivran.

„Die Annahme, dass sich sportlich etwas Großes entwickeln kann, war eine Fehleinschätzung“, räumt Kivran einen eigenen Fehler ein. Ansonsten hat sich der 56-Jährige aber offenbar nichts vorzuwerfen. „Ich gehe im Guten, werde den e.V. schuldenfrei übergeben und den Klub weiter unterstützen.“ Der Durchmarsch von der Landesliga bis in den Profifußball empfindet er als gar nicht so schlechte Entwicklung.

Die Entscheidung, nicht mehr in Türkgücü zu investieren, sei ihm schwergefallen. Dass es es Ende Januar zum großen Knall an der Heinrich-Wieland-Straße kam, sei vor allem die Schuld der Stadt München. „Ohne vernünftige Nachwuchsarbeit kann man keinen Profiklub etablieren. Auf einer Bezirkssportanlage ist das nicht möglich“, sagt Kivran. „Hinsichtlich eines eigenen Trainingsgeländes wurden wir immer nur bei Laune gehalten. Effektiv ist nichts passiert, ein Gelände wurde uns verwehrt. Das war ein wichtiger Punkt und ist enttäuschend, denn wir sind das Thema bereits vor fünf Jahren angegangen.“

„Das Gerede darum ist Schmarrn.“

Hasan Kivran über die Aussagen, er habe sich in die Aufstellung eingemischt.

Warum die Stadt München die Hausaufgaben des Klubs erledigen sollte, bleibt der Unternehmer schuldig. Auch die Kritik des DFB-Vizepräsidenten Peter Frymuth, Türkgücü habe unseriös gewirtschaftet, prallt an ihm ab. „Kaiserslautern hat damals eine Planinsolvenz mit über 20 Millionen Euro Schulden angemeldet, solch ein Betrag baut sich nicht über Nacht auf. Aber über den FCK habe ich keine solche Kommentare von Herr Frymuth gehört.“ Eine Entschuldigung an die anderen Klubs der Liga, hält er nicht für notwendig, denn „am Ende hatte es relativ wenig Auswirkungen auf die Tabelle.“

Auch die Kritik an seinem Führungsstil will Kivran nicht gelten lassen. Dass er - wie beispielsweise von Ex-Coach Serdar Dayat bestätigt - die Aufstellung mitbestimmen wollte, kanzelt der Ex-Präsident als Lüge ab. „Ich wäre kein guter Unternehmer, wenn ich dem Trainer die Aufstellung diktieren würde. Ich bezahle ihn ja, damit er Entscheidungen trifft. Das Gerede darum ist Schmarrn. Wir haben uns mit der sportlichen Leitung einmal pro Woche zusammengesetzt. Jeder durfte seine Meinung sagen.“ Vielmehr sieht sich Kivran als Teamplayer: „Ich bin kein Alleinherrscher. Im Gegenteil: Ich habe Spaß an der Arbeit im Team und arbeite gern mit jungen Menschen.“ (Jörg Bullinger)

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