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Türkgücü: Wirbel ums Stadion! Streit bei Besichtigung - Gutachten in Fürstenfeldbruck ungültig?

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Von: Moritz Bletzinger

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Machen sie zu viel Lärm? Die Fans von Türkgücü München.
Machen sie zu viel Lärm? Die Fans von Türkgücü München. © Ulrich Wagner/Imago

Es gibt noch viel Arbeit für Türkgücü München für Spiele in Fürstenfeldbruck. Verhärtete Fronten in der Stadt machen die Situation für den Verein nicht angenehmer.

Fürstenfeldbruck - Am Dienstag war es so weit: Vertreter von Türkgücü München und der Stadt Fürstenfeldbruck trafen sich im städtischen Stadion an der Klosterstraße, um die Voraussetzungen für Regionalligaspiele in der Kreisstadt abzuklären. Auch Vertreter des SC Fürstenfeldbruck waren vor Ort.

Türkgücü-Stadionbesichtigung startet mit Streit: Bürgermeister will Stadträtin nicht dabei haben

Heiter startete der ersehnte Termin aber nicht. Es gab Streit. Streit, für den Türkgücü überhaupt nichts kann. Stadträtin Alexa Zierl war auf Einladung des SCF gekommen. Zum Ärger von Oberbürgermeister Erich Raff. Beteiligte schilderten, er habe die Stadträtin gesehen und sofort kehrt gemacht. Türkgücü-Präsident Taskin Akkay soll den Bürgermeister noch beschwichtigt haben. Raff habe sich dann unter einer Bedingungen bereit erklärt, zu bleiben: Frau Dr. Zierl muss gehen.

Türkgücü-Präsident Taskin Akkay möchte die Vorfälle im Nachhinein weder bestätigen, noch kommentieren. Ihm gehe es einzig und alleine darum, dass sein Verein sieben bis neun Regionalligaspiele in Fürstenfeldbruck austragen könne. Die restliche Besichtigung sei gut und konstruktiv verlaufen.

Im Stadtrat wurde die Situation aber nicht so einfach abgehakt. Bei der Sitzung am darauffolgenden Mittwoch hatte Stadträtin Zierl einige Fragen an Oberbürgermeister Raff, die sie vielsagend einläutete: „Auch das hätte man sich sparen können, wenn Sie mir gestern nicht sozusagen verboten hätten, an der Besprechung teilzunehmen bei Türkgücü.“

Türkgücü: Neue Fragen ums Stadion - Lärmgutachten des SC Fürstenfeldbruck gilt nicht mehr

Der größte Streitpunkt aus Sicht der Stadträtin ist das von der Stadt angeforderte Lärmgutachten für die Regionalligaspiele. „Wozu brauchen wir noch ein Lärmgutachten? Der SC Fürstenfeldbruck hat mal Bayernliga gespielt, das war damals die vierte Liga, wie heute die Regionalliga. Das heißt, sämtliche Lärmgutachten müssten doch eigentlich schon seit 2006 oder 2012 vorliegen? Und es hat sich ja seit damals nichts geändert?“, fragt Zierl.

Raff kontert: „Also, wenn Sie sagen, dass sich in 15 Jahren nichts geändert hat, weiß ich nicht, welche Zeit Sie im Gedächtnis haben.“ Und schiebt ein langes, vorbereitetes Plädoyer nach, das erklärt, wieso die Beziehung zwischen ihm und Zierl so verhärtet ist.

Streit in Fürstenfeldbruck: Türkgücü gerät zwischen Fronten vergangener Tage

Die Stadträtin habe wiederholt unlautere Vorwürfe gegen ihn vorgebracht, die zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geführt hätten, erläutert Raff. Der Streit schwelt seit 2019: Damals platzte ein Benefizspiel zwischen dem SC Fürstenfeldbruck und einer Legendenmannschaft des FC Barcelona. Warum es gescheitert ist, darum streiten sich Stadt und SC Fürstenfeldbruck seither enorm. Gegenseitige Anschuldigungen gibt es unzählige.

Wieso soll Türkgücü unter dem Dauerstreit leiden? „Nun wird befürchtet, so in einer Mail von Frau Dr. Zierl, dass die Verwaltung und der Oberbürgermeister die Prüfungen und Genehmigungen in Zusammenhang mit der Spielgenehmigung des Fußballvereins Türkgücü München ebenfalls solange herauszögern, dass keine Regionalligaspiele im Stadion an der Klosterstraße stattfinden können“, beschreibt Bürgermeister Raff die neuerlichen Vorwürfe.

„Dazu ist kurz anzumerken“, schiebt er ein, „dass die ersten Gespräche zwischen SCF und Türkgücü bereits Mitte April stattgefunden haben und auch eine Begehung des Stadions mit einem Vertreter des Bayerischen Fußballverbands stattgefunden hat. Aber ohne Beteiligung der Stadt, der Polizei oder des Rettungsdienstes. Mit fünfwöchiger Verzögerung hat gestern eine Begehung mit allen Beteiligten, wie vom BFV gefordert, stattgefunden. Der Verein Türkgücü München weiß aufgrund der Anforderung seitens des BFV, welche Unterlagen mit welchen Unterschriften er vorlegen muss.“

„Weder der BFV noch die Stadt werden etwas durchwinken, was bei möglichen Problemen im Rahmen eines Fußballspiels beiden nachträglich angelastet werden kann.“

Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff über Sicherheitsfragen rund um Regionalligaspiele im Klosterstadion.

Wichtig ist ihm: „Weder der BFV noch die Stadt werden etwas durchwinken, was bei möglichen Problemen im Rahmen eines Fußballspiels beiden nachträglich angelastet werden kann. Wenn alle Voraussetzungen seitens Türkgücü München erfüllt sind, wird es einen Nutzungsvertrag zwischen Türkgücü und der Stadt Fürstenfeldbruck geben, der dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird.“

Türkgücü: Gutachten veraltet - aber Stadt Fürstenfeldbruck und Verein arbeiten am Regionalligaplan

Der Zank um die Notwendigkeit eines neuen Lärmgutachtens ist damit aber nicht beantwortet. Stadträtin Zierl hakt noch einmal nach. Und Bürgermeister Raff kontert: „Warum dieses Gutachten von 2006 keine Gültigkeit mehr hat? Weil das 16 Jahre her ist und sich hier im Umfeld einiges verändert hat. Und deswegen hier zu sagen, Türkgücü könne das Gutachten hernehmen und hier Fußballspielen geht nicht. Es ist nicht nur das Lärmgutachten, es sind viele, viele andere Punkte auch noch mit dazu. Und das weiß Herr Akkay als Präsident des Fußballvereins und das haben wir gestern besprochen und wir sind auf einem guten Weg, dass das eventuell geklärt werden kann.“

Ähnlich schildert auch Taskin Akkay selbst die aktuelle Situation. Am Dienstag hätten gute Gespräche stattgefunden. Es sei zwar sicherlich noch einiges zu tun, aber der Türkgücü-Präsident ist sicher, dass das zeitlich gelingen wird. Dass ein neues Lärmgutachten notwendig sei, hätte beim gemeinsamen Termin auch kein Stadtvertreter angemerkt. Man wolle auf das alte Gutachten aufbauen und die Lärmemissionen gegebenenfalls mit einer Zuschauer-Obergrenze regeln.

Streit um Sicherheit bei Türkgücü-Spielen: Müssen Wellenbrecher nachgerüstet werden?

Das Gutachten ist aber nicht der einzige neue Punkt, der auf der Regionalliga-Agenda steht. Neue Wellenbrecher müssten im Stadion auch angebracht werden, heißt es in Fürstenfeldbruck. Aber: „Wozu braucht es die Wellenbrecher? Warum hat es sie in der Bayernliga nicht gebraucht?“, fragt Stadträtin Zierl.

„Die Wellenbrecher sind eine Auflage und die ist damals nicht umgesetzt worden. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, bleibt Raff hier knapp. Was Zierl nicht verstehen kann. Die Wellenbrecher seien erst ab einer Kapazität von 5.000 Zuschauern verpflichtend, wendet sie ein.

„Wer sagt denn das? Das sind Behauptungen von Ihnen, dass es nur aufgrund der jetzigen, großen Maßnahmen drin ist“, wehrt sich Raff: „Die Auflage ist in der Baugenehmigung von damals mit drin. Warum es nicht gemacht worden ist, da könnten wir jetzt zurückgehen, als das Fußballstadion gemacht worden ist.“ Fest steht: Der Bayerische Fußballverband fordert keine Wellenbrecher in Stadien. Für die Sicherheit auf der Tribüne ist der Inhaber verantwortlich. Das Fürstenfeldbrucker Bauamt prüfe nun, ob sie für Spiele von Türkgücü notwendig sind. Große Massen von Zuschauern werden nicht erwartet.

Fürstenfeldbruck: Fragen rund um Türkgücü München werden wohl am 28. Juni geklärt

„Wenn Türkgücü die Unterlagen liefert, dann werden die geprüft und wir werden das in der Stadtratssitzung am 28. Juni behandeln. Vorher wird es nicht mehr gehen“, schließt Oberbürgermeister Erich Raff die Frage ab. Und macht damit gewissermaßen auch Türkgücüs neue Deadline im Wettlauf um die Regionalliga publik. (moe)

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