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Türkgücü hat kein grünes Licht: Stadt Fürstenfeldbruck grätscht dazwischen - Plan droht zu platzen

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Von: Moritz Bletzinger

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Heimspiele in Fürstenfeldbruck? Die Fans von Türkgücü München müssen um die Regionalliga bangen.
Heimspiele in Fürstenfeldbruck? Die Fans von Türkgücü München müssen um die Regionalliga bangen. © Martin Hangen/Imago

Helle Aufregung bei Türkgücü München und SC Fürstenfeldbruck: Die Stadt reagiert auf die Regionalliga-Pläne der Klubs. Steht jetzt alles auf der Kippe?

Fürstenfeldbruck - Türkgücü München sah sich auf der Zielgeraden: Der neue Vorstand steht, Spieler werden geholt und die Regionalliga kann kommen. Ist alles wirklich so einfach? Die zuletzt so guten Nachrichten aus der Heinrich-Wieland-Straße könnten am Ende doch umsonst gewesen sein.

Denn: Das Stadion wackelt. Türkgücü will in Fürstenfeldbruck spielen. In Absprache mit dem SC Fürstenfeldbruck schien dafür auch alles zu passen. Der Kreisligaverein nimmt die Neuperlacher gerne auf, hat die notwendigen Pläne für den Stadionausbau parat und hätte sogar die Kosten tragen können. Nun meldet sich die Stadt Fürstenfeldbruck und es wird deutlich: Türkgücü hat ein Problem.

Türkgücü München: Keine Einwilligung der Stadt - Stadion in Fürstenfeldbruck droht wegzubrechen

Aber Moment, grätscht die Stadt Fürstenfeldbruck ein: Wir wurden nie gefragt. Und ohne grünes Licht aus dem Stadtrat gehe es nicht. Für SCF-Präsident Jakob Ettner ein Schlag ins Gesicht: „Wir befürchten, dass Oberbürgermeister Raff Türkgücü aus Hass gegen den SC Fürstenfeldbruck über die Klinge springen lässt“, beklagt er.

Die Stadt könne sich nicht gegen die Pläne der Klubs stemmen, sagt Ettner und sieht den Nutzungsvertrag auf seiner Seite: „Der SCF darf tun, was dem Verein zuträglich ist. Und dazu muss gehören, dass anderen Vereinen geholfen werden kann.“ Er bezieht sich auf eine Passage im Nutzungsvertrag des Stadions, die die Stadt offenbar grundsätzlich anders auslegt als er.

Der Verein dürfe das Stadion an der Klosterstraße „nur für sportliche Zwecke im Rahmen seiner Vereinsarbeit“ nutzen, zitiert Oberbürgermeister Raff aus dem Vertrag und betont: „Das Stadion andere Vereine nutzen zu lassen, gehört mit Sicherheit nicht zur Vereinsarbeit.“

Kein Alleingang in Fürstenfeldbruck: Türkgücü braucht Erlaubnis der Stadt - Präsident Akkay appelliert

Die Stadt Fürstenfeldbruck will die Klubs nicht einfach machen lassen und verweist darauf, dass auch der Bayerische Fußballverband die Einwilligung des Stadioninhabers verlange. Grundsätzlich habe er nichts dagegen, Türkgücü aufzunehmen, sagt Raff, aber ohne Beteiligung der Stadt gehe es nun mal nicht.

Türkgücü-Präsident Taskin Akkay betrachtet die Entwicklungen in Fürstenfeldbruck mit Sorge. „Es geht um den Sport“, appelliert er, „wir sollten nicht wegen einer Diskrepanz zwischen Stadt und SC Fürstenfeldbruck zu den Verlierern werden. Der Region würde es gut tun, wenn ein Regionalliga-Verein kommt. Das belebt den Sport und für die türkische Community in Fürstenfeldbruck wäre es schön.“

Türkgücü wegen Streitereien benachteiligt? Oberbürgermeister widerspricht: „Hat mit dem SCF nichts zu tun“

„Ich weiß nicht, woher die Befürchtung kommt, dass die Stadt etwas dagegen macht“, wendet Oberbürgermeister Raff ein. Und verspricht, Streitigkeiten mit dem SC Fürstenfeldbruck komplett beiseite zu legen: „Wenn, dann würde ich ja Türkgücü treffen, wenn ich mich querstelle. Sie wollen ja Fußball spielen. Mit dem SCF hat die Anfrage im Endeffekt nichts zu tun.“ Die Vorwürfe von Jakob Ettner weist er außerdem entschieden ab: „Das ist Humbug. Ich möchte Herrn Ettner keinen reinwürgen“, stellt Raff klar.

Türkgücü unter Zeitdruck: Lizenz-Deadline nun unerreichbar? Regionalliga-Plan wackelt bedenklich

Das große Problem für Türkgücü bleibt: Die Stadt besteht darauf, mitzusprechen. Und das dürfte alles zumindest zeitlich deutlich schwieriger machen. Der nächste Sportausschuss ist für den 19. Juli angesetzt, da ist es für Türkgücü München schon viel zu spät. Der Auflagenbescheid des Verbands wird kommende Woche eintreffen und muss bis Ende Juni erfüllt werden. Sonst gibt es keine Lizenz für die Regionalliga.

Alles in allem sieht es plötzlich schlecht aus für Türkgücü München. Ein Rechtsstreit über den Nutzungsvertrag würde zu lange dauern, die Diskussionen im Stadtrat aber vermutlich auch. Außerdem ist aus dem Umfeld des Stadtrats zu vernehmen, dass nicht unbedingt jeder dafür ist, den Münchner Klub im Klosterstadion spielen zu lassen. Einige Anwohner haben sich bereits unglücklich gezeigt.

„Haben die Vereine zu verantworten“: Fürstenfeldbrucks OB bemängelt fehlende Kommunikation

„Das zeitliche Problem haben die Vereine zu verantworten“, wendet Raff ein, die Stadt Fürstenfeldbruck wolle sich jetzt nicht unter Druck setzen lassen. „Warum sprechen sie nicht schon vor vier Wochen mit mir?“, fragt der Oberbürgermeister und bemängelt: „Außer einer Mail hatte ich überhaupt noch keinen persönlichen Kontakt mit Verantwortlichen von Türkgücü.“

SCF-Präsident Ettner protestiert: „Ich habe bereits am 19. April Gespräche mit dem zuständigen Amt 5 geführt. Dies hat Herr Bürgermeister Raff in der letzten Stadtratssitzung bestätigt, das war am selben Tag, an dem er auch das Schreiben von Türkgücü erhalten hat.“

„Es kommt jetzt darauf an, was genau im Stadion gemacht werden muss und ob die baulichen Maßnahmen so groß sind, dass der Stadtrat das absegnen muss“, fasst Raff zusammen. Türkgücüs Regionalliga-Plan steht mehr denn ja auf der Kippe. (moe)

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