Abgehoben, abgestürzt

Wie dieser Hachinger um Olympia gebracht wurde

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Bene Mayr fährt für den TSV Unterhaching

München - Bene Mayr (24) ist das Gesicht der deutschen Freeskier. Er war heiß auf seinen Olympiaauftritt im Slopestyle. Nun ist er doch nicht dabei.

Bene Mayr (24) ist das Gesicht der deutschen Freeskier – im aktuellen Sportstudio, bei der Einkleidung, wo er die Nationalfahne trug. Er war heiß auf seinen Olympiaauftritt im Slopestyle. Nun ist er doch nicht dabei.

Herr Mayr, wie ist das ­passiert?

Mayr: Das ist alles sehr deprimierend. Beim letzten Weltcup in Gstaad wurde ich von den Judges (Kampfrichter, Anm. d. Red.) so schlecht bewertet, dass ich nur 36. geworden bin und international aus den Top 30 gefallen bin. Das hat mich meine Olympiateilnahme gekostet.

Bewertungen sind subjektiv...

Mayr: Ein anderer Fahrer, der die gleichen Tricks in gleicher Ausführung gezeigt hat, ist Fünfter geworden – mit 20 Punkten mehr! Eine Menge Fahrer haben sich danach bei mir erkundigt, wieso meine Bewertung so niedrig war. Und unser Nationaltrainer Thomas Hlawitschka hat zwei Stunden mit den Judges diskutiert, am Ende haben sie ihren Fehler zugegeben, konnten das Ergebnis aber nicht mehr ändern.

Gibt es solche Probleme öfter?

Mayr: Nein, aber die Kampfrichter in Gstaad hatte ich noch nie gesehen. Ich würde mir wünschen, dass wir Kampfrichter haben, die über unsere Sportart Bescheid wissen und mehr als 60 Prozent unserer Tricks kennen. Aber Slopestyle steckt, speziell in Europa, noch in den Kinderschuhen.

Wo ist der Unterschied zu den USA oder Kanada?

Mayr: Freeski hat dort viel mehr TV-Zeiten, es gibt eigene Schulen, und die Qualität der Trainingsstätten und Wettkämpfe ist höher. Ich will keinem ans Bein pinkeln, aber in Europa ist das noch eine Katastrophe. Beim Weltcup in Sierra Nevada haben die besten 30 beschlossen, nicht zu fahren, weil der Kurs so schlecht war. Ausgetragen wurde der Wettkampf trotzdem.

In Freestyle-Kreisen gab es immer kritische Stimmen bezüglich der FIS.

Mayr:  Das hat sich teilweise leider bestätigt. Ich hoffe, Olympia hilft, das war auch meine Motivation, ich will den Sport voranbringen. Vor fünf Jahren hatten wir noch einen tollen Funpark auf der Zugspitze, heute haben wir in ganz Deutschland keinen Park mehr. Dabei ist es ja nicht so, dass wir keine Berge hätten.

Ist das auch eine Kritik am Deutschen Skiverband?

Mayr: In Deutschland hat man zu spät begonnen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Aber: Besser spät als nie. Das was der DSV jetzt macht, das ist gut. Sie haben sich auch bei meiner Nominierung reingehängt, aber die Entscheidung war nicht mehr zu kippen.

Haben Sie schon einen Ersatzplan für Sotschi?

Mayr: Sotschi wäre schön gewesen, aber für mich ist das Thema jetzt abgehakt, alles im Leben passiert aus einem Grund. Stattdessen gehe ich filmen, Freeski ist zum Glück mehr als Olympia. Außerdem bin ich noch jung, ich kann 2018 wieder angreifen.

Interview: M. Müller

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