Tournee-Experte Martin Schmitt

Die Favoriten im Check

Die Tournee spricht polnisch. Drei der letzten vier Gesamtsiege gelangen dem Nachbarland. Kommt am Mittwoch (16.45 Uhr/ZDF und Eurosport) der nächste Triumph hinzu? Martin Schmitt beurteilt die drei Haupt-Titelanwärter.

Der Komplette: Kamil Stoch greift nach dem 3. Triumph.

Kamil Stoch (Polen/Gesamt-1., 809,9 Punkte): „Natürlich muss auch er in Bischofshofen noch runter. Aber klar spricht jetzt alles für ihn. Er springt gut, nun hat er auch seinen ersten Saisonsieg, der ihm Selbstvertrauen geben wird. Überhaupt kommt der Innsbruck-Sieger meistens in Bischofshofen noch ein bisschen besser in Form. Wie so oft: Kamil ist fast immer da, wenn es wichtig wird. Er hat aber natürlich auch alles dafür. Die Erfahrung – er hat die Vierschanzentournee schon zweimal gewonnen. Er muss nicht mehr gewinnen, aber er ist immer noch hungrig und weiß genau, was er zu tun hat. Das hat ihm sicher auch geholfen, die Ereignisse in Oberstdorf wegzustecken, wo die polnische Mannschaft ja kurzzeitig in Quarantäne musste. Er ist ein kompletter Skispringer, hat die perfekten körperlichen Voraussetzungen, einen guten Absprung und eine ganz stabile Technik. Diese Stabilität hat er übrigens nicht immer gehabt. 2016 hat er eine richtige Schwächephase gehabt.

Dann kam Stefan Horngacher als Trainer und hat die Rotation herausgenommen, die Kamil in seinem Sprung hatte. Das ruft er jetzt seit Jahren ab. Horngacher hat in Polen viel hinterlassen. Man kann das sehen, dass die Polen und die Deutschen jetzt ähnlich arbeiten. Ein bisschen kann man also schon dem „Steff“ ankreiden, was jetzt passiert (lacht). Wobei die Polen natürlich generell gut aufgestellt sind. Sie investieren auch viel ins Material.“

Halvor Egner Granerud(Norwegen/3., 789,3): „Er hat es ja letztlich dem System zu verdanken, dass er überhaupt noch im Rennen ist. Ohne das K.o.-System wäre er wie Karl Geiger gar nicht in den zweiten Durchgang gekommen. So hat er noch das Beste daraus gemacht. Bei ihm war der entscheidende Punkt: Er war extrem langsam. Das ist in Garmisch-Partenkirchen noch nicht so ins Gewicht gefallen. Dort war er in der Anfahrt 0,5 km/h hinter dem Topspeed. Das hat sich nicht allzu sehr ausgewirkt. In Innsbruck aber waren es 1,5 km/h weniger und dann kommst du in einen Bereich, in dem der Sprung einfach nicht mehr greift.

Der Jäger: In Innsbruck fehlte Halvor Granerud Tempo.

Daran muss er in der Zeit bis Bischofshofen arbeiten. Die Anfahrt und die Geschwindigkeit muss er in den Griff bekommen. Wenn er das schafft, ist er in meinen Augen der bessere Skispringer als Dawid Kubacki. Auch wenn er gegenüber dem jetzt natürlich einen psychologischen Nachteil hat. Ob es nach vorne reicht? Es wird sicher schwer, aber in diesem Jahr läuft bei der Tournee ja alles anders als sonst.“

Dawid Kubacki (Polen/2., 794,7): „Dawid hat während dieser Tournee natürlich eine tolle Entwicklung genommen. Erst der Sieg in Garmisch-Partenkirchen, jetzt der dritte Platz in Innsbruck. Und jetzt kommt er auf eine Anlage, auf der er immerhin den Schanzenrekord hält. Und er wird sich in Bischofshofen sicher an das letzte Jahr erinnern. Er hat sich ja schon einmal bewiesen, dass er mit dem Druck dort umgehen kann. Dass er das Ding in Bischofshofen durchbringen kann. Bei ihm hat vielleicht auch eine kleine Rolle gespielt, dass er am Tag des Springens in Oberstdorf Vater geworden ist. Ich kann es selber ja nicht aus eigener Erfahrung sagen, denn ich hatte ja leider schon aufgehört (lacht.). Aber ich denke schon, dass du in so einem Moment merkst, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als den Sport. Dass das Skispringen vielleicht nicht die ganz große Bedeutung hat. So etwas kann dann schon die gewisse Lockerheit bringen, mit der Dawid in Garmisch-Partenkirchen, aber auch in Innsbruck aufgetreten ist. Und auch er hat den Vorteil, dass er in einem Team ist, in dem es momentan einfach richtig gut läuft.“ PATRICK REICHELT

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