tz-Interview mit Susanne Riesch

"Ich war völlig verzweifelt"

Susanne Riesch, Slalom
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Susanne Riesch feiert nach langer Verletzungspause ihr Comeback

München - Die Leidenszeit von Skirennläuferin Susanne Riesch neigt sich dem Ende zu. Im tz-Interview über die Verzweiflung während der Verletzungspause und die Hilfe ihrer Schwester Maria.

Die Leidenszeit hat ein ­Ende. Susanne Riesch startet am Samstag in Levi wieder bei einem Weltcuprennen. Nach zweieinhalb Jahren gibt die jüngere der beiden Riesch-Schwestern ihr Comeback im Skizirkus. Im März 2011 katapultierte sie sich zuletzt aus einem Starthaus, die Skiwelt war damals für sie noch in Ordnung. Sie galt als hoffnungsvolles Talent und war auf bestem Weg, ihre Schwester im Slalom zu überflügeln. Im September in Chile stürzte Riesch und verletzte sich am linken Knie, 2005 hatte sie sich dort das Kreuzband gerissen. Diesmal war die Diagnose noch schockierender: Der Schienbeinkopf war gebrochen, der Meniskus und erneut das Kreuzband gerissen. Im Sommer trainierte sie mit Gernot Schweizer im abgelegenen Abtenau, vergangene Woche war sie mit Schwester Maria, Christina Geiger und Lena Dürr in Schweden. Die tz hat mit ihr über das ersehnte Comeback gesprochen.

Frau Riesch, kennen Sie eine Athletin, die nach so einer langen Verletzungspause wieder den Anschluss gefunden hat?

Riesch: Da fällt mir auf Anhieb niemand ein.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Riesch: Auf meine eigene Startnummer, auf das Adrenalin und die Nervosität. Auf das Rennen fahren eben.

Was darf man erwarten?

Riesch: Wenn ich meine Trainingsleistung zu 80 oder 90 Prozent umsetzen kann, sollte es mit dem zweiten Durchgang klappen. Und dann muss man abwarten, was mit einer guten Piste noch möglich ist.

Wie schlimm war es, den anderen beim Gewinnen zuschauen zu müssen?

Riesch: Im ersten Jahr leichter, im zweiten Jahr war es sehr frustrierend. Meinen Tiefpunkt hatte ich im Dezember 2012, da wusste ich nicht genau, wie es weitergeht und ob ich überhaupt zurückkomme.

Was war das Problem?

Riesch: Ich habe mir zu früh zu hohe Ziele gesteckt. Das Kreuzband wurde erst im November operiert, aber der Arzt meinte, dass ich im Mai wieder auf Ski stehen kann. Ich habe im Februar gemerkt, dass das unmöglich ist, ich konnte noch nicht mal normal gehen. Ich war völlig verzweifelt.

War es schwer, das Vertrauen in das Knie wiederzubekommen?

Riesch: Am Anfang ziehst du automatisch zurück, das ist so im Unterbewusstsein verankert. Je mehr man fährt, desto besser wird es. Jetzt denke ich nicht mehr darüber nach. Dass ich mir selbst wieder alles zutraue, das ist das Wichtigste.

Wie viel Anteil daran hat Maria?

Riesch: Wir fahren oft Lift zusammen und es macht Spaß, sich mit ihr zu messen. Wir bauen einander auf, wenn es bei einem mal nicht so gut läuft. Ich bin extrem froh, dass Maria in meinem Comeback-Jahr noch dabei ist.

Wissen Sie, wann Maria ihre Karriere beenden wird?

Riesch: Nein, ich glaube, da hat sie sich selbst noch nicht endgültig entschieden. Wenn es so weit ist, werde ich jedenfalls mein Bestes geben, um den Namen Riesch weiter zu Ehren zu führen.

Interview: Mathias Müller

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