Anna Fenninger äußert sich

Schröcksnadels Forderung: "Hochgradig unangemessen"

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München - Die erste Antwort des Österreichischen Skiverbands auf Anna Fenningers E-Mail sagt alles. Präsident Peter Schröcksnadel sei nicht zu sprechen und ab Donnerstag für zehn Tage im Urlaub. Punkt. Mehr nicht. Zur Deeskalation des großen Skialpin-Zoffs trägt diese Haltung nicht bei.

Fenninger – Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin und sportliches Aushängeschild der ÖSV-Damen – hatte den Verband bzw. Alleinherrscher Schröcksnadel (73) zuvor in einer Mail, die an die Öffentlichkeit gelangte, aufgefordert, auf ihre Bedürfnisse einzugehen, und drohte mit ihrem Rücktritt. Als Antwortfrist nannte sie drei Tage. Ein Engagement im Deutschen Skiverband kommt laut tz-Informationen nicht infrage, sollte es zum Äußersten kommen, stellt sie ihre Ski auf dem Höhepunkt ihrer Karriere komplett in die Ecke. Gestern Nachmittag meldete sich der ÖSV doch noch zu Wort und widersprach, wie zu erwarten, Fenningers Darstellung.

Gesamtweltcupsiegerin Anna Fenninger (r. mit Manager Klaus Kärcher) fordert von Peter Schröcksnadel (u.) mehr Unterstützung.

Kernpunkt der heftigen Auseinandersetzungen ist Fenningers schwäbischer Manager Klaus Kärcher, der ÖSV forderte die 25-Jährige auf, sich von ihm zu trennen. Kärcher ist dem Verband ein Dorn im Auge, da er bei der Sponsoren­suche eigene Wege geht und nicht die unzumutbaren ÖSV-Kriterien akzeptiert. „Bevor ich diesem Wunsch entspreche, werde ich meine Karriere beim ÖSV mit sofortiger Wirkung beenden.“ Sie empfinde das Verlangen als „hochgradig unangemessen, um nicht von Nötigung zu sprechen“, so Fenninger. Im Sommer läuft ihr Vertrag mit Kopfsponsor Raika (Raiffeisen Bank), die auch Marcel Hirscher unter Vertrag hat, aus. Kärcher steht deshalb seit Sommer 2014 mit Milka in Kontakt. Angeblich liegt ein neues Raika-Angebot beim Verband, Kärcher hat davon bis heute nichts gesehen. Zwischen Schröcksnadel und Fenninger kam es (auch) deshalb zum offenen Bruch. Unterstützung erhält Fenninger unter anderem von Kilian Albrecht (42), Manager von Konkurretin Mikaela Shiffrin: „Bravo Anna Fenninger. Es gibt nun mal Persönlichkeitsrechte, aber die werden dort ja nur mit Füßen getreten aus persönlichen Befindlichkeiten, Machtgeilheit und Kontrollwahnsinn. Das habe ich alles durchgemacht und persönlich erfahren müssen, wie mit allen Mitteln versucht wird, einen zu zerstören, wenn man nicht auf Linie ist“, schrieb der ehemalige ÖSV-Athlet bei Facebook.

Gegen Ende ihrer Mail unterstrich Fenninger, die aktuell mit ihren Kolleginnen auf Zypern beim Konditionslehrgang schuftet, wie ernst sie es meint: „Seit Jahren lebe ich damit, dass beim ÖSV nach sachfremden Kriterien differenziert wird, die mit sportlichen Leistungen rein gar nichts zu tun haben. (...) Womit ich mich nicht abfinden werde, ist eine Einflussnahme auf meine sportliche Förderung, weil dies letztlich in absehbarer Zeit dazu führt, dass ich hinter meinen Möglichkeiten zurückbleibe. Da ich nicht dafür gemacht bin, halbherzige Dinge zu tun – schon gar nicht im Skisport – werde ich in diesem Fall zu drastischen Maßnahmen greifen.“ Ende der Woche fliegt ÖSV-Pressesprecher Christoph Malzer mit einigen Medienvertretern nach Zypern. Offene Fragen gibt es genug.

Mathias Müller

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