"Halbe Sachen taugen mir nicht"

Ein Ski und zwei Welten

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Anna Schaffelhuber

München - Sie eilt von Sieg zu Sieg: Anna Schaffelhuber (20) steht Tina Maze in nichts nach, der einzige feine Unterschied: Sie sitzt im Rollstuhl.

Die deutsche Tina Maze! Im dritten Jahr in Folge Siegerin der Gesamtwertung im Welt- und Europacup, Gewinnerin der Slalom- und Speed-Weltcupkugel und fünfache Medaillengewinnerin bei der Weltmeisterschaft in Molina. Anna Schaffelhuber (20) steht Tina Maze in nichts nach, der einzige feine Unterschied: Sie sitzt im Rollstuhl, sie kam bereits mit einer inkompletten Querschnittslähmung auf die Welt.

Bei der WM gewann Anna fünf Medaillen

Der Rollstuhl, ihr ständiger Begleiter, steht in der Ecke. Schaffelhuber sitzt am Tisch und berichtet fröhlich von Molina: Bronze in der Abfahrt. Silber im Super-G. Gold im Slalom. Silber im Riesenslalom. Und Bronze in der Kombination. „Ich habe mich selbst gewundert, dass es so gut gelaufen ist“, sagt Schaffelhuber, „aber in den letzten beiden Rennen wäre mehr drin gewesen.“ In den vergangenen fünf Jahren hat die 20-Jährige fast alles erreicht und zahlreiche Preise (u.a. Silbernes Lorbeerblatt, Behindertensportlerin des Jahres) gewonnen. Ein Wunsch ist aber noch offen: Olympia-Gold.

2014 finden die Spiele in Russland statt, kurioserweise am Meer, in Sotschi. Schaffelhuber war vor zwei Wochen dort beim Weltcup und gewann drei Rennen. Warm sei es gewesen, winterliches Flair suche man vergebens. „Es war wie im Frühling, wir sind bei 12 Grad im T-Shirt am Start gesessen“, erzählt Schaffelhuber. Ihre Vorfreude ist trotzdem ungebrochen. Es sollen ihre Spiele werden, ihre goldenen Spiele. Dass es enorm viele Sicherheitskontrollen gibt und an jeder Ecke ein Uniformierter mit einer Kalaschnikow steht, nimmt sie in Kauf. Das olympische Dorf wird gerade gebaut, mitten in den Berg hinein. Egal, wo man hin will, es geht immer rauf oder runter.

Auch in München muss Anna einige Barrieren überwinden. Der Weg zur Toilette im Café führt nur über die Treppe, sie müsste sich theoretisch tragen lassen. Mehr Dialog zwischen der Gesellschaft und den Behinderten würde helfen. Schaffelhuber will darauf hinweisen, was verbessert werden müsste.

Auch bei ihr gibt es sie, diese Tage, da würde sie gerne laufen können. Aber sie sind selten. „Ich bin genauso glücklich wie alle anderen“, sagt Schaffelhuber. Sie mache die gleichen Dinge, nur manchmal ein wenig anders. So kam sie mit fünf Jahren auch zum Skifahren, sie eiferte ihren beiden Brüdern nach. Fünfzehn Jahre später eifern viele ihr nach, sie ist ein Vorbild für den Behindertensport. Auch weil die 20-Jährige neben dem Sport erfolgreich ist. Sie wohnt in München, studiert im vierten Semester Jura und will später im Sportrecht arbeiten. Im Moment pendelt sie zwischen „zwei Welten“, zwischen Sport und Studium. Aber sie bringt beides unter einen Hut, auch wenn das nicht immer einfach ist. „Wenn ich etwas mache, dann gescheit. Ich mache nichts Halbes, das taugt mir nicht“, sagt Schaffelhuber. Anders wären die vielen Erfolge wohl auch nicht möglich.

Mathias Müller

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