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Anni hebt ab! Das tz-Interview

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Anni Friesinger-Postma beim Tanken. Sie macht derzeit ihren Flugschein © kk

Salzburg - "Mir blutet bis heute das Herz", sagt Anni Friesinger-Postma nach ihrem Karriere-Ende. Die tz sprach mit der 33-Jährigen in ihrem Wohnort Salzburg.

"Es tut immer noch weh!“ Unsere Eisqueen Anni Friesinger-Postma musste im Sommer Knall auf Fall ihre Karriere beenden. So ganz verarbeitet hat sie das vorzeitige Karriereende noch nicht, schließlich wäre sie lieber nach der Heim-WM in Inzell in diesem Sommer abgetreten. Das lädierte, mehrfach operierte rechte Knie zwang die Olympiasiegerin und zwölfmalige Weltmeisterin zum Aufgeben. Wir sprachen mit der 33-Jährigen in ihrem Wohnort Salzburg.

Wie beschäftigen Sie sich jetzt den ganzen Tag ohne Eisschnelllauf-Training?

Anni Friesinger-Postma: Langeweile ist bei mir bis jetzt noch nicht aufgekommen. Zweimal in der Woche mache ich Ausdauertraining, zweimal in der Woche Gymnastik. Dann gehe ich regelmäßig zur Physiotherapie. Da ich mein Knie noch nicht voll belasten kann, fahre ich viel Rad und habe außerdem das Walken entdeckt. Ich wandere viel. Wenn man so will, betreibe ich mit meinem Körper eine Instandhaltung. Außerdem arbeite ich bei der Unterwäsche-Firma Medima als Designerin richtig mit. Wir bringen demnächst eine Sportkollektion heraus.

Wie weit sind Sie denn mit Ihrem Flugschein?

Friesinger: Ich habe die ersten vier Stunden Alleinflug hinter mir. Dafür muss man die Pilotensprache in Deutsch und Englisch beherrschen und fit für Sichtflüge sein. Es war schon ein bisschen kribblig, als ich in Salzburg zwischen einem Airbus A200 und einer Boeing 737 die Startfreigabe erhalten habe.

Werden Sie demnächst von Salzburg nach Holland zu Ihrem Ehemann Ids Postma mit dem Privat-Jet düsen?

Friesinger: Mit dem Privat-Jet nicht. Aber bei uns im Verein können wir Leichtflugzeuge wie die Cessna ausleihen. Mit so einem Flugzeug werde ich, wenn ich bald meinen Pilotenschein habe, nach Holland fliegen. Drachten und Groningen sind zwei Flugplätze in der Nähe unseres Gehöfts.

Gehöft – das ist ein Stichwort. Finden Sie sich in der Landwirtschaft schon zurecht?

Friesinger: Wenn Not am Mann ist, helfe ich im Büro aus oder füttere die Kälbchen. Eine richtige Bäuerin werde ich aber nicht.

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Sie haben im Sommer kirchlich geheiratet. Wie war die Feier?

Friesinger: Es war eine wunderschöne Hochzeit. Ids und ich hatten Gäste aus der ganzen Welt. Der ökumenische Gottesdienst war feierlich und beeindruckend. Für mich war extra unser katholischer Pfarrer Hans Krämmer aus Inzell angereist. Er hatte mir immer versprochen: „Wenn es einmal so weit ist, traue ich dich.“ Er hat Wort gehalten.

Wie hoch kreist nach der Trauung der Klapperstorch über Ihrem Haus?

Friesinger: Er ist noch nicht zu sehen. Holland ist ein ziemlich flaches Land, da kann man ganz schön weit gucken. Ich muss meinem Körper eine Auszeit geben. Aber wenn Dinge geschehen, wie sie geschehen, muss man das akzeptieren.

Wo werden wir Sie im Winter sehen?

Friesinger: Ganz bestimmt bei der WM in Inzell. Über die neue Halle bin ich schon mit dem Flugzeug geflogen. Sie sieht von oben wunderbar aus. Bei dem Geschick unserer Eismeister und der Höhenlage von 700 m bin ich überzeugt: Es wird eine Halle mit sehr schnellem Eis. Ich bin stolz, dass wir nach Berlin und Erfurt jetzt in Inzell auch eine schöne Halle haben.

Wie denken Sie über die Münchner Olympiabewerbung?

Friesinger: Das finde ich ganz super. Wo ich kann, trete ich als Botschafterin auf und werbe für München 2018. Schon in Vancouver habe ich keine Chance verstreichen lassen, wenn ich über unsere Olympiabewerbung sprechen konnte.

Wie eng bleiben Sie mit dem Eisschnelllaufen verbunden?

Friesinger: Mein Abschied war nicht freiwillig. Mir blutet bis heute das Herz. Ich werde nur Zuschauer sein und auch als Co-Kommentatorin auftreten.

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