1. tz
  2. Sport
  3. Wintersport

Biathlon-Weltmeister Doll kündigt Karriereende an

Erstellt:

Von: Andreas Knobloch

Kommentare

Biathlon Benedikt Doll Karriereende
Benedikt Doll kündigt sein Karriereende an. © IMAGO/Vesa Moilanen

Benedikt Doll, der deutsche Biathlet, hat in einem Interview ernste, aber auch ehrliche Worte zur Entwicklung des Wintersports gefunden.

Ruhpolding - Für die deutschen Biathlon-Fans ist Benedikt Doll natürlich kein Unbekannter. Der Weltmeister von 2017 und zweifache Bronzen-Medaillengewinner bei Olympia ist der erfahrenste Athlet im DSV-Team. Aktuell versucht er Wintersport und seine Rolle als Familienvater unter einen Hut zu bringen. Auch das war Thema bei einem Interview, bei dem er über die Zukunft vom Biathlon sprach, Optionen und Alternativen, aber auch Probleme aufzeigte.

Biathlon im Sommer? Benedikt Doll schlägt wegen Entwicklung Alarm

Biathlon und der Klimawandel, kein geheimes Thema. Bei Eurosport antwortete Doll darauf: „Es spielt mittlerweile, glaube ich, schon eine Rolle, wo die Anlagen sind. Da muss man sich vielleicht die Frage stellen, ob es Sinn macht, gewisse Weltcupstandorte am Leben zu halten. Obwohl man weiß, dass dort in Zukunft wirklich gar nicht mehr mit Naturschnee zu rechnen ist und man nur noch auf Kunstschnee angewiesen sein wird“, so Doll deutlich. Und er fügt eine Alternative an, die er selbst nicht so toll findet, wie auch Merkur.de berichtet.

Mit nachdenklichen, aber ehrlichen Worten sorgt der 32-Jährige sicherlich für Stirnrunzeln bei Winter-Fans: „Das ist schon etwas, worüber man sich Gedanken machen kann, worüber man sich aber nicht unbedingt Gedanken machen will. Weil es einfach so traurig ist. Die Frage, ob Biathlon irgendwann vielleicht mal eine Sommersportart, mit Skirollern, wird, kann man sich aber schon stellen.“

Benedikt Doll würde sich über Biathlon als Wintersportart weiterhin freuen

Ob das so kommt? Für die ARD und das ZDF ist Biathlon das Zugpferd, welches durch den Winter pflügt. Auch das weiß der 32-Jährige nur zu gut, der die Nachteile von Sommer-Biathlon auch gleich bei Eurosport beschreibt: „Aktuell würde ich sagen: Da fehlt dann schon das Flair des Winters. Wenn man mal auf Einschaltquoten und Potenziale schaut, sind die Menschen im Winter einfach daheim. Im Sommer sind sie unterwegs, da wären die Einschaltquoten sicherlich schlechter. Es könnte schon sein, dass Biathlon komplett seinen Reiz verliert. Weil es im Sommer einfach nicht funktioniert. Das kann ja sein.“

Um weiterhin im Winter rennen und schießen zu können nennt Doll auch Beispiele. „Die Trainingsanlage bei uns am Notschrei liegt auf 1200 Meter, das ist die höchstgelegene Biathlonanlage in Deutschland. Vielleicht ist es eine Option, zu sagen: Okay, wir schauen, dass wir Anlagen in einer Höhe bauen, wo für die nächsten 30 Jahre oder so noch eine gewisse Schneesicherheit existiert“, erklärt der gebürtige Schwarzwälder. Nicht jeder beliebter Weltcuport eignet sich demnach. In Antholz gäbe es nicht immer mega Naturschneemengen, in Hochfilzen hingegen Niederschlag und Schnee.

Karrierende für Benedikt Doll? „Diese oder nächste Saison“

Das Klima-Thema ist allgegenwertig. Seien es die klebende Aktivisten, die politische Auseinandersetzung mit der Energiekrise, Nachhaltigkeit bei der Fußball-Weltmeisterschaft oder eben für passionierte Wintersportler in Skigebieten. Auch Dolll geht kritisch mit sich ins Gericht, was seine CO2-Bilanz angeht. Biahtleten müssen viele Reisen auf sich nehmen. „Dafür könnte ich mir im Sommer sagen: Dann reise ich zwischen Frühjahr und Herbst eben nicht dreimal mit Interkontinentalflügen nach Bali, auf die Bahamas oder wohin auch immer. Um dort noch mal Urlaub zu machen – wo ich schon den ganzen Winter über am Herumreisen bin. Das ist das, was ich zum Beispiel mache.“

Und lange macht der Weltmeister von 2017 den Spaß auch nicht mehr mit. „Ich höre nach dieser oder der nächsten Saison auf. Das werde ich Ende dieses Winters entscheiden“, so der Biathlet, der anfügt, dass er „zu 90 Prozent nicht an den Olympischen Spiele 2026 teilnehmen wird“. (ank)

Auch interessant

Kommentare