Interview mit Biathletin Franziska Preuß

„Corona hat mir in die Karten gespielt“

Franziska Preuss legt bei einem Biathlon-Einzelrennen das Gewehr an.
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Deutsche WM-Hoffnung: Biathletin Franziska Preuß.

Biathletin Franziska Preuß ist endlich beschwerdefrei – und so konstant stark wie nie zuvor.

Welche Fähigkeiten in ihr stecken, hat Franziska Preuß, 26, schon früh gezeigt. Bei der WM 2015 holte sie Gold (Staffel) und Silber (Massenstart). Danach wurde die Biathletin vom SC Haag immer wieder von Krankheiten und Verletzungen gebremst. In dieser Saison aber ist die junge Frau aus Albaching endlich beschwerdefrei, liefert konstant gute Leistungen ab und ist die größte deutsche Hoffnung bei der heute in Pokljuka beginnenden Biathlon-WM.

Franziska Preuß, als Sechste im Gesamt-Weltcup sind Sie in diesem Winter die deutsche Parade-Biathletin. Auch bei den Männern gibt es niemand, der besser platziert wäre. Wie erklärt sich diese Konstanz, nachdem es in der Vergangenheit öfter auf und ab mit Ihnen ging?

Preuß: Ich bin im Sommertraining meinen eigenen Weg gegangen und bin zu Stützpunkttrainer Tobi Reiter (früherer Bundestrainer/Anm. d. Red.) zurückgekehrt. Das hat super funktioniert. Der Tobi hat seine eigene Trainingsphilosophie. Das war ein cooles Trainingsjahr, in dem alles rund gelaufen ist.

Was hat Tobi Reiter anders gemacht?

Preuß: Er hat mich sehr gefordert, mich aus meiner Wohlfühlzone herausgeholt – auch mental. Tobi wollte unbedingt, dass ich mich nicht verstecke, dass ich mehr an mich glaube und mit breiter Brust an den Start gehe. Ich habe auch an Kraft zugelegt. Man sieht, dass das gefruchtet hat. Die Erfolge sind da, ich bringe konstante Leistungen.

Dabei war diese Saison unter Corona-Vorzeichen ja eine sehr komplizierte.

Gut drauf: Franziska Preuss ist pünktlich zur WM in Topform.

Preuß: Mir haben die Corona-Maßnahmen mehr in die Karten gespielt. Mein Problem waren ja oft Infekte, ich bin immer wieder krank geworden. Davon blieb ich in diesem Winter komplett verschont. Ich habe da sicher von den Hygiene-Maßnahmen profitiert: Maske, Abstand, wenig Kontakte. Man sieht im Athletenlager auch so gut wie niemanden mit Schnupfennase rumlaufen. Für mich als Sportlerin war das alles ein Vorteil.

Rein von den Ergebnissen dieses Winters her sind Sie die aktuelle Frontfrau Ihres Teams. Sie hören das aber bekanntlich nicht so gern...

Preuß: Ja, das stimmt. Das mit der Frontfrau ist mehr so ein Mediending. Ich bin dagegen der Meinung: Wir gehören zusammen, wir funktionieren als Mannschaft, da ist jede von uns wichtig. Ich bin ohnehin nicht der Typ, den es ins Rampenlicht drängt. Klar, wenn es von mir gefordert wird, dann nehme ich diese Rolle an – erpicht bin ich aber nicht darauf.

Zuletzt haben Sie auch als Schlussläuferin der Staffel geglänzt und wesentlich dazu beigetragen, dass das deutsche Quartett in Oberhof gewann und beim Antholz-Weltcup Zweiter wurde. In dieser Disziplin zählt Ihr Team nun zu den Medaillenkandidaten.

Preuß: Auch wir müssen bei jedem Rennen wieder bei null anfangen. Da gibt es viele Nationen, die vorne anklopfen. Wir dürfen uns auf keinen Fall ausruhen, die WM in Pokljuka wird mit Sicherheit kein Selbstläufer. Auch wenn die jüngsten Podestplätze natürlich gut fürs Selbstvertrauen waren.

Sie selbst haben es in Einzelrennen zwei Mal aufs Siegertreppchen geschafft, mehrfach waren Sie nahe dran. 2015 haben Sie mit Massenstart-Silber Ihre erste WM-Medaille in einem Einzelrennen gewonnen – folgt nun in Slowenien die zweite?

Nach dem Weltcup vor drei Wochen in Antholz war ich zwar kaputt. 

Franziska Preuß.

Preuß: Ich würde mich in jedem Fall sehr darüber freuen. Meine Basis ist ja nicht verkehrt. Es ist immer gut zu wissen, dass es in dieser Saison schon geklappt hat. Ich bin jedenfalls voll motiviert. Nach dem Weltcup vor drei Wochen in Antholz war ich zwar kaputt. Danach bin ich nach Ruhpolding zur Regeneration, nach unserem Trainingslager in Obertilliach bin ich wieder gut drauf.

Hat es denn Ihre WM-Vorbereitung beeinflusst, dass während dieser Wettkampfpause Ihr Partner Simon Schempp seinen Rücktritt vom Biathlon erklärte. Da war sicher auch Ihr Zuspruch gefordert.

Preuß: Ich musste Simon nicht trösten. Ich glaube, er hat das genau zur richtigen Zeit gemacht. Für uns war das eine spannende Situation, eine neue Erfahrung, wenn sich einer von uns beiden von seinem Sport, den er viele Jahre mit großer Freude ausgeübt hat, verabschiedet. Ich habe Simon natürlich voll unterstützt. Und er ist jetzt auch zufrieden damit – und sicher nicht am Boden zerstört.

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