tz-Expertin bei der Biathlon-WM

Uschi Disl: "Man braucht positive Gedanken"

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Simon Schempp, Franziska Hildebrand, Arnd Peiffer und Franziska Preuss jubeln bei der Biathlon-WM am Holmenkollen.

München - Die ehemalige Biathletin Uschi Disl (45) holte sich in der Zeit von 1991 bis 2005 insgesamt 19 WM-Medaillen. Die Biathlon-WM 2016 in Oslo verfolgt sie als exklusive tz-Expertin. 

Frau Disl, wie sah Biathlon vor 20 Jahren aus?

Uschi Disl.

Disl: 1995 war schon was los, aber ein paar Jahre zuvor waren die Tribünen leer, die Zuschauer konnte man per Handschlag begrüßen. Frauen-Biathlon war völlig unbedeutend, bei uns haben höchstens ein paar Angehörige zugeschaut. Zudem wurde viel langsamer geschossen und die Lauftechnik war lange nicht so ausgereift.

Konnte man Schießschwächen besser kompensieren?

Disl: Definitiv, ein kleines Beispiel: 1994 hatten wir in der Staffel nach zwei Läuferinnen zwei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierten – heute ein unglaublicher Vorsprung –, danach haben wir sechs Strafrunden kassiert und sind am Ende trotzdem mit 75 Sekunden Vorsprung auf Frankreich noch Zweiter geworden.

Miriam Gössner hat entschieden, wegen ihrer Probleme am Schießstand die Staffel nicht zu laufen.

Disl: Ich vermute, dass ihr die Trainer das ein bisschen nahegelegt haben. Unter Umständen hätte sie eine Strafrunde rauslaufen können, aber der Druck auf sie wäre groß gewesen. Was ich schrecklich finde, sind Leute, die sagen, dass Miri aus der Mannschaft geworfen gehört.

"Leider bestätigen die Dopingfälle die Vorurteile"

Weil sie, wenn sie gut schießt, vorne dabei ist?

Disl: Ja, und weil mir eine Athletin, die ständig null Fehler schießt, aber langsam läuft und deswegen nie gewinnen kann, nicht weiterhilft. Die Trainer verzweifeln manchmal bei Miri, weil sie wissen, dass sie es besser könnte. Ich kann das gut nachvollziehen, ich habe auch oft im Training besser getroffen. Es wurde besser, als ich nicht mehr versucht habe, alles genauer machen zu wollen als im Training. Man muss die negativen Gedanken durch positive ersetzen.

Negative Nachrichten gab es zuletzt wieder durch die Dopingfälle der Ukrainer Olga Abramowa und Artem Tyschtschenko. Gibt’s in Oslo einen Dopingfall?

Disl: Leider bestätigen die Dopingfälle die Vorurteile. In Deutschland kann ich mir das nicht vorstellen, wir haben eine andere Kultur und ich kenne die Trainer, von denen würde das keiner unterstützen. Das Dopingpro­blem ist nicht neu. Wenn eine Athletin vor und nach einer WM zwei Minuten langsamer war als ich, bei der WM aber schneller, fragt man sich schon, Beweise gab es aber keine. In Oslo hoffe ich nicht, dass es einen Dopingfall gibt. Das zerstört den Sport und alle Athleten geraten unter Generalverdacht.

Sind Franzi Hildebrand und Laura Dahlmeier unsere heißesten Eisen?

Disl: Schaut man auf die Ergebnisse, dann ja. Aber es ist eine WM, da kann es schnell Überraschungen geben. Das Potenzial für eine Medaille haben alle Deutschen. Allen voran Simon Schempp, der ist besonders mental brutal, da schätze ich ihn sogar stärker als Martin Fourcade ein. Ich denke, zehn Medaillen sind realistisch, man muss optimistisch sein.

Wenn Sie die Biathlon-WM 2016 in Oslo live im TV und im Stream verfolgen möchten, dann sollten Sie hier klicken: Wir sagen Ihnen, wo Sie wann einschalten müssen.

Interview: Mathias Müller

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