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Deutschlands schnellste Sprinterin jetzt im Wintersport aktiv - Olympia-Sensation möglich

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Von: Alexander Kaindl

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Erst Tokio, dann Peking? Sprinterin Alexandra Burghardt (links) ist jetzt im Bobsport aktiv. Es winkt eine zweite Olympia-Teilnahme innerhalb von sechs Monaten.
Erst Tokio, dann Peking? Sprinterin Alexandra Burghardt (links) ist jetzt im Bobsport aktiv. Es winkt eine zweite Olympia-Teilnahme innerhalb von sechs Monaten. © Chai v.d. Laage / Imago

Sie war schon bei den Olympischen Sommerspielen dabei, jetzt will sie auch im Winter in Peking dabei sein. Sprinterin Alexandra Burghardt setzt sich deshalb in den Zweierbob.

Innsbruck - „Das geht über eure Vorstellungskraft, Jamaika hat ne Bobmannschaft.“ Diese Zeile stammt aus dem wohl berühmtesten Wintersport-Film der Hollywood-Geschichte: Cool Runnings. Die Geschichte? Vier gescheiterte Sprinter aus Jamaika wechselten in den Achtziger Jahren die Sportart. Statt Laufbahn war plötzlich Eiskanal angesagt. Ihr Ziel: Die Olympischen Winterspiele 1988 in Nagano.

Tatsächlich basiert der inzwischen legendäre Streifen teilweise auf wahren Begebenheiten. Jamaika ging vor 33 Jahren wirklich mit einem Team im Viererbob an den Olympia-Start - und lieferte somit die Grundlage für den späteren Film, der rund 155 Millionen US-Dollar einspielen sollte.

Wintersport-Sensation? Deutsches Sprint-Ass schiebt jetzt den Zweierbob an

Zurück in die Gegenwart: Dort spielt sich aktuell nämlich eine ähnliche Story ab, die ebenfalls sehr beeindruckend ist. Mittendrin ist das deutsche Sprint-Ass Alexandra Burghardt. Die Oberbayerin nahm im Sommer an den Olympischen Spielen in Tokio teil. Nur wenige Monate später lautet ihr Ziel schon wieder Olympia - dieses Mal sind aber die Winterspiele gemeint! Wie das? Burghardt hat das Sprint-Outfit gegen den Bob-Anzug getauscht und soll mit ihrer Dynamik nun im Eiskanal für Furore sorgen. Nun steht sie vor ihrem Weltcup-Debüt als Anschieberin von Mariama Jamanka im Zweierbob.

„Ultraaufgeregt“ sei Burghardt vor ihrer ersten Fahrt gewesen, „weil ich gar nicht wusste, was auf mich zukommt, weder das Einsteigen noch die Fahrt selbst oder das Bremsen“, sagt Deutschlands schnellste Sprinterin vor ihrer Premiere am Wochenende in Innsbruck. Burghardt ist eigentlich auf den 100 Metern zuhause. Die 27-Jährige lief in Tokio ins Olympia-Halbfinale und landete mit der Staffel auf Platz fünf. In der vergangenen Saison setzte die Burghauserin mit 11,01 Sekunden die beste 100-Meter-Zeit der deutschen Frauen. Der Umstieg von der Tartanbahn in den Eiskanal wurde ihr den Umständen entsprechend leicht gemacht.

Alexandra Burghardt vor Premiere im Zweierbob: Sprinterin innerhalb von sechs Monaten zweimal bei Olympia?

„Ich war sehr nervös, aber Mariama hat mir ein sehr gutes Gefühl vermittelt. Deswegen habe ich mich sehr sicher gefühlt mit ihr, sie hat mir alles sehr gut erklärt“, sagte Burghardt, die lediglich einmal das Anschieben in Oberhof trainiert hatte, nach den ersten Trainingseinheiten in Innsbruck: „Dann habe ich es einfach gemacht und bin unten mit einem Lächeln ausgestiegen.“ Ihre erfahrene und dekorierte Fahrerin zeigte sich trotz der kurzen Eingewöhnungszeit ihrer neuen Teamkollegin zuversichtlich. „Natürlich ist das ganze Drumherum mit Kufenschleifen und so sehr viel für jemanden, der komplett neu reinkommt, aber Arbeiten muss beim Bobsport einfach jeder“, sagte Jamanka: „Wir schauen mal, wie es für sie ist, und was wir am Start hinkriegen.“

Das handwerkliche Drumherum sei für Burghardt zwar neu, „aber ich finde es irgendwie cool und freue mich auf die nächsten Wochen“, meinte Burghardt: „Es sind jetzt erstmal vier Weltcupwochen geplant und ich habe bisher ein sehr gutes Gefühl.“ Gelingt das Debüt, ist für Burghardt nach den Sommerspielen die Teilnahme bei den Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar 2022) möglich. Dass Leichtathleten, vor allem Sprinter, auch im Bobsport an den Start gehen, ist nicht neu. Eine doppelte Olympia-Teilnahme innerhalb weniger Monate wäre allerdings schon eine kleine Sensation. Burghardt meint dazu: „Noch einmal die Chance auf die Spiele zu haben, wäre der Wahnsinn.“ Schon in der Vergangenheit hätte sie immer wieder Anfragen erhalten, die sie aber ablehnte. 2021 kam dann das Umdenken: „Warum eigentlich nicht?“, fragte sich Burghardt. Und weiter: „Ich hatte Lust auf diese Herausforderung.“ (akl/sid)

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