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Christian Neureuther: So stolz ist er auf seinen Filius

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Von: Mathias Müller

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Ski alpin: Weltmeisterschaft
Stolz: ­Christian Neureuther (r.) mit Sohn ­Felix. © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Ski-Altstar Christian Neureuther (67), dem eine Medaille bei Großereignissen stets verwehrt blieb, erklärt der tz, warum der Bronzemedaillengewinn seines Sohnes bei der Ski-WM am Sonntag im Slalom so etwas Besonderes war.

Den Anruf von Silbermedaillengewinner Manuel Feller (24) nahm Felix Neureuther bei seiner kleinen Bronzefeier mit Familie, Freunden und Bekannten gar nicht erst ab. Für einen wilden Partyabend sei er zu alt, sagte der 32-Jährige, grinste, und machte sich kurz darauf auf den Heimweg nach Garmisch-Partenkirchen zu Freundin Miriam Gössner (26) – ganz so, wie er es nach dem Rennen angekündigt hatte: „Ich fahr’ nach Hause, da gehöre ich hin.“ Im Gegensatz zu seinen Eltern und Schwester Ameli konnte Gössner wegen einer Stirnhöhlenentzündung nicht nach St. Moritz kommen. Die anvisierte Operation fand allerdings noch nicht statt, da die Entzündung, trotz medikamentöser Behandlung, bisher nicht zurückgeht. Nach seinem furiosen Slalom-Ritt widmete Neureuther ihr seine dritte WM-Einzelmedaille. Papa Christian Neureuther (67), dem eine Medaille bei Großereignissen stets verwehrt blieb, erklärt der tz, warum dieser Tag so besonders war.

Neureuther: „Es geht nicht um die Farbe der Medaille, sondern um den Menschen und die Geschichte, die hinter der Leistung steht. Die Bronzemedaille ist so viel wert, wie für andere vielleicht die fünfte Goldmedaille.“

In den Wochen vor der Weltmeisterschaft kämpfte Neureuther mit seinem linken Knie, während seines missglückten Einsatzes im Mannschaftswettbewerb schoss es ihm in den Rücken, und vor dem Slalom spürte er das öffentliche Zutrauen in seine Fähigkeiten schwinden. Auf der Suche nach den Fußballergebnissen vom Wochenende stieß er im Videotext auf den „einzigen DSV-Medaillenkandidaten Linus Straßer“. Dieser Generationswechsel ging ihm dann doch zu schnell.

Neureuther: „Wenn für unsere Kinder Träume in Erfüllung gehen, sind das die wertvollen Momente. Im Sport äußert sich das auf sehr emotionale Art und Weise. Wenn man weiß, mit welchen unterschiedlichen Problemen Felix in letzter Zeit zu kämpfen hatte, dann war das gestern sehr speziell.“

Video: Hier erklärt Felix Neureuther seine Tränen nach dem Bronze-Rennen

Des einen Freud ist des anderen Leid. Während Neureuther jubelte, schied Spezl Mattias Hargin, der vor einem halben Jahr seine Frau bei einem Lawinenunglück verlor, aus.

Neureuther: „Man darf an solchen Tagen die anderen Athleten nicht vergessen. Stefan und Linus wurden unter Wert geschlagen. Mattias hätte eine Medaille wirklich verdient gehabt. Oder Fritz Dopfer, der wäre gerne dabei gewesen und kämpft um seine Rückkehr. Er hat Felix in seiner Laufbahn sehr geholfen.“

Seinen Erfolg gönnen ihm fast alle, der Franzose Julien Lizeroux umarmte Neureuther bei seinem emotionalen TV-Interview und sagte: „Heute darfst du so viel weinen, wie du willst.“

Neureuther: „Felix hat ein besonderes Verhältnis zu seinen Kollegen, er liebt Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Er will gewinnen, aber er ist nicht der verbissenste Sportler, vielleicht fehlt ihm deshalb die ganz große Konstanz. Felix hilft jedem, auch seinen größten Konkurrenten, und das Schöne ist, dass er so viel zurück bekommt. Das ist die Faszination am Skisport, es ist keine brutale Einzelsportart, bei der jeder nur auf sich selber schaut.“

Bei einer WM oder Olympia werden die Athleten dennoch an Medaillen gemessen.

Neureuther: „Wirst du Vierter, bist du der Verlierer, das finde ich nicht fair. Felix hat immer von Medaillen geträumt, deswegen bin ich als Vater froh, dass er das geschafft hat.“ 

Video: snacktv

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