Über Kitz-Siege & Partys

Christian Neureuther im tz-Interview: "Da wirst du zum Mann"

+
Christian Neureuther.

Kitzbühel - Christian Neureuther triumphierte 1979 in Kitzbühel, Felix staubte 2010 und 2014 die begehrte Gams-Trophäe ab. Papa Christian Neureuther blickt für die tz zum 75. Hahnekammjubiläum zurück in die Historie.

Deutsche Sieger auf der Streif gab es seit Sepp Ferstl (1979) nicht mehr. Nebenan auf dem Ganslernhang sieht’s anders aus, alleine der Name Neureuther steht dreimal in den Annalen. Papa Christian triumphierte 1979, Felix staubte 2010 und 2014 die begehrte Gams-Trophäe ab. Am Sonntag strebt er seinen dritten Streich an. Papa Christian Neureuther blickt für die tz zum 75. Hahnekammjubiläum zurück in die Historie.

Herr Neureuther, Kitzbühel steht Kopf wegen des Jubiläums, da dürfen Sie und Ihre Frau Rosi Mittermaier nicht fehlen, oder?

Neureuther: Wir haben viele Anfragen bekommen, aber wir gehen nicht hin, wir haben diesen Trubel nicht so gerne. Eigentlich gehören wir dazu, aber das ist halt so ein bisschen ­unsere Macke. Dabei geben sich die Kitzbüheler Mühe, die wissen, wo sie herkommen.

Die kümmern sich um die ehemaligen Sieger, für das Wochenende haben sie extra Andi Molterer aus Nashville eingeflogen.

Ist Kitzbühel auch deswegen ein Mythos?

Neureuther: Die leben den Sport bis zum letzten Blutstropfen. Dort herrscht eine Leidenschaft, die sehr speziell ist. Außerdem wirst du immer freundlich empfangen. Wir waren im Juli bei Felix’ Gondelübergabe, da hat eine Kapelle gespielt, es gab Brotzeit und der gesamte Fanklub war eingeladen.

Gab es immer so einen Hype um dieses Wochenende?

Neureuther: Kitzbühel war immer ein Straßenfeger. Von der Wertigkeit war ein Sieg früher noch wichtiger. Das hat dich über Wochen getragen, weil im Anschluss nicht sofort ein anderes Highlight mit vielen Tausend Zuschauern stattgefunden hat. In Kitz waren schon immer 40 000 Fans und auch in der Tenne war abends einiges los, als Jung­spunde haben wir das aufmerksam verfolgt. Wobei die Slalomfahrer die A…karte haben, während am Samstag alle feiern, müssen die zeitig ins Bett. Unsere Abfahrer haben mir immer erzählt, was sich Werner Grissmann oder Franz Klammer wieder geleistet haben.

Felix hatte vergangenes Jahr Glück, der Slalom wurde auf Freitagabend vorgezogen.

Neureuther: Ich hab’ gehört, er ist noch im Rennanzug auf einer Party aufgetaucht. Dort ist ihm auch die Gams kaputtgegangen.

1979 hat sich das frühe Schlafen für Sie ausgezahlt.

Neureuther: Für die Kitzbüheler zählt ein Sieg dort mehr als eine WM-Medaille, da wirst du zum Mann. Die Abfahrer sind das Nonplusultra. Ich glaube, ich bin achtmal ausgeschieden, bis ich das Ding endlich gewonnen habe.

Sie haben den fünffachen Sieger Ingemar Stenmark hinter sich gelassen.

Neureuther: Nach dem ersten Durchgang lag er noch vor mir, im zweiten Lauf ist ihm die Brille verrutscht. Im Ziel hat sich Stenmark wahnsinnig geärgert. Er hat die Brille auf den Boden geschmissen und ist mit seinem Skistock wie ein Säbelfechter auf sie los. Da hat mich mein Sieg noch ein kleines bisschen mehr gefreut.

Bei Felix’ erstem Weltcupsieg 2010 haben Sie auch ein „bisschen“ gefreut.

Neureuther: In dem Moment sind bei mir alle Dämme gebrochen, ich bin in den Zielraum gelaufen und hab ihn umarmt. Als Vater ist dir da alles andere egal. Der Sieg war so wichtig und toll für Felix, die Situation war sehr emotional.

Fast hätten Sie diesen Moment verpasst.

Neureuther: Rosi und ich hatten erst in der Früh entschieden hinzufahren. Felix hatte alles organisiert, aber er wusste nach dem ersten Durchgang nicht, ob wir überhaupt da sind. Dieses Ding in Kitz, das war einer von zwei großen Befreiungsschlägen in seiner Karriere. Der zweite war die WM-Silbermedaille in Schladming. So wie Felix sich gibt, das, was er heute auch als Mensch darstellt, da sind wir sehr stolz.

Felix will in Kitzbühel unbedingt noch die Abfahrt fahren. Finden Sie das gut?

Neureuther: Da habe ich überhaupt keine Bedenken. Aktuell besteht bloß nicht die Notwendigkeit, seine tolle Platzierung im Slalomweltcup zu gefährden. Aber wenn er das zum Ende seiner Karriere machen will, da hätte ich nichts dagegen, ganz im Gegenteil.

Viele Argumente hätten Sie auch nicht – Sie haben die Streif selbst bezwungen.

Neureuther: Stimmt, als 19-Jähriger, ich hatte die Startnummer 66. Zu Hause bewahre ich ein Beweisfoto davon auf. Ab und an krame ich es hervor und sag dem Felix: „Schau, das habe ich dir noch voraus.“

Interview: Mathias Müller

auch interessant

Meistgelesen

Biathlon in Ruhpolding: So sehen Sie den Weltcup heute live im TV und Live-Stream
Biathlon in Ruhpolding: So sehen Sie den Weltcup heute live im TV und Live-Stream
So sehen Sie den Biathlon-Weltcup heute in Antholz live im TV und Live-Stream 
So sehen Sie den Biathlon-Weltcup heute in Antholz live im TV und Live-Stream 
So sehen Sie den Ski-Weltcup in Kitzbühel live im TV und Live-Stream
So sehen Sie den Ski-Weltcup in Kitzbühel live im TV und Live-Stream
Wellinger springt auf Podest - Stoch siegt souverän
Wellinger springt auf Podest - Stoch siegt souverän
<center>Rucksack mit Diagonal-Träger (Loden)</center>

Rucksack mit Diagonal-Träger (Loden)

109,00 €
Rucksack mit Diagonal-Träger (Loden)
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

15,80 €
Honigschlehe
<center>De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch</center>

De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf …

10,50 €
De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch
<center>Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder fuchsia</center>

Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder …

35,00 €
Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder fuchsia

Kommentare