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Pechsteins Blutwerte haben genetische Ursache

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Berlin - Genetische Ursachen sollen für die erhöhten Retikulozyten-Werte der gesperrten Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein verantwortlich sein.

Renommierte Hämatologen wollen am Montag in Berlin Belege erbringen, dass die Blutwerte der 38- Jährigen nicht durch EPO-Doping erhöht wurden. Wie Gerhard Ehninger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), schon vorab erklärte, soll Pechstein unter einer Sphärozytose leiden. Sphärozytose ist ein Gendefekt im Eiweißaufbau der Blutzellen. Geschätzt wird, dass etwa 800 000 Deutsche derzeit von der meist vererbten Anomalie betroffen sind.

Bei Untersuchungen im zurückliegenden halben Jahr sollen bei der Berlinerin Veränderungen des roten Blutbildes festgestellt worden sein, die nach Auffassung der Hämatologen nicht zum EPO-Doping passen. Es handle sich dabei “mit großer Wahrscheinlichkeit um eine angeborene Störung im Aufbau der roten Blutzellen“, stellte Ehninger in der “Süddeutschen Zeitung“ fest.

Doping: Die dümmsten Ausreden

Das würde bedeuten, dass Pechstein diesen Defekt von ihren Eltern geerbt haben könnte. “Die erhöhten Blutwerte von Frau Pechstein haben eine genetische Ursache. Nach dem neuen Kenntnisstand und der erneuten Überprüfung aller Blutwerte schließen wir jede Form von Blut-Manipulation zu 100 Prozent aus“, bestätigte der Siegener Professor Winfried Gassmann der “Bild am Sonntag“. Gemeinsam mit Ehninger und Wolfgang Jelkmann aus Lübeck will Gassmann am Montag den Nachweis führen, dass Pechsteins Zwei-Jahres-Sperre somit aus medizinischer Sicht haltlos ist.

Kritik zum geplanten Vorstoß der Blutexperten kam hingegen vom Doping-Experten Fritz Sörgel. Der Nürnberger Professor verwies darauf, dass diese Veranstaltung im Namen der DGHO abläuft: “Dass der Vorsitzende, Herr Ehninger, sich hier für die gesamte wissenschaftliche Gesellschaft äußert, halte ich für problematisch“, erklärte Sörgel der “Süddeutschen Zeitung“.

Pechstein, die sich im Vorfeld der Pressekonferenz nicht zu ihrer Anomalie äußern wollte, war aufgrund ihrer erhöhten Retikulozyten- Werte am 1. Juli 2009 von der ISU rückwirkend für zwei Jahre gesperrt worden. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte im Berufungsverfahren das Urteil am 25. November 2009 bestätigt. Auch mit ihre Beschwerde vor dem Schweizer Bundesgericht war Pechstein gescheitert und hatte damit ihre sechsten Olympischen Spiele verpasst. Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA sah vor der Veröffentlichung der medizinischen Gutachten keinen Handlungsbedarf.

dpa

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