Polnisches Team nach dem Fall Muranka vom Auftaktspringen ausgeschlossen

Corona-Beben bei der Tournee

Quarantäne statt Tournee: Polens Star Kamil Stoch ist noch vor dem Start aus dem Rennen um den Gesamtsieg.  dpa
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Quarantäne statt Tournee: Polens Star Kamil Stoch ist noch vor dem Start aus dem Rennen um den Gesamtsieg.

Die Tournee hat noch gar nicht begonnen, da sind die ersten Favoriten schon aus dem Rennen. Das Gesundheitsamt sperrte eines der Topteams. In dessen Heimat gibt es Ärger.

Stein des Anstoßes war ein Beschluss der Behörden. Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberallgäu hatte nach dem positiven Corona-Test des Polen Klemens Muranka eine vorläufige Quarantäne für dessen gesamtes Team verhängt – daran änderte auch nichts, dass alle anderen Tests negativ ausfielen. Das Organisationskomitee reagierte prompt und schloss die Springer um die, als Mitfavoriten gehandelten Kamil Stoch, Dawid Kubacki und Piotr Zyla für das Springen in Oberstdorf aus. Wenig später wurde bekannt, dass auch ein Betreuer des Deutschen Teams positiv getestet wurde. Dieser Befund freilich blieb folgenlos.

Beim Deutschen Skiverband konnte man glaubhaft nachweisen, dass der betreffende Betreuer vor Bekanntwerden des Testergebnisses keinerlei Kontakte innerhalb des Teams hatte. Derlei Dinge werden im Deutschen Tross auch durch Fotos dokumentiert, wie Bundetrainer Stefan Horngacher zuletzt erklärte. Auch der Fall von Skiflug-Weltmeister Karl Geiger ist nicht vergleichbar – der Oberstdorfer hatte sich zum Zeitpunkt seines positiven Tests bereits mehrere Tage nicht mehr bei seinem Team befunden.

Im polnischen Ensemble, das immerhin drei der letzten vier Gesamtsieger stellte, sah das anders aus, wie das Gesundheitsamt befand. Wer zumindest 15 Minuten in direktem Kontakt mit einer infizierten Person stand oder sich mindestens 30 Minuten mit ihr in einem geschlossenen Raum aufhielt, gehört nach offizieller Sprachregelung zur Kontaktgruppe I.

Beim polnischen Verband reagierte man pikiert, zumal man von der folgenschweren Entscheidung laut einem Teamsprecher nicht direkt, sondern durch die Pressemitteilung des Veranstalters erfahren habe. „Noch vor zwei Tagen hatten wir daheim einen Test, da waren alle Ergebnisse negativ“, sagte Sportchef Adam Malysz, „es ist seltsam.“

Vom Weltverband FIS, der in die Entscheidung nicht eingebunden war, bekam aber nur der Veranstalter Rückendeckung. „Es war die richtige Entscheidung“, sagte Renndirektor Sandro Pertile, „das Risiko für die anderen Athleten ist zu groß.“ Florian Stern, Generalsekretär des Organisationskitees, schlug in die gleiche Kerbe. „Zum Schutz aller anderen Athleten, blieb dem Gesundheitsamt keine andere Wahl. Auf Beschluss der Behörde können wir das polnische Team nicht in Oberstdorf starten lassen.“

Aus dem Rennen um den Tourneesieg sind Kamil Stoch & Co. durch den Enschluss von Oberstdorf natürlich raus. Und doch ist es gut möglich, dass die Zwangspause für die Polen nur von kurzer Dauer ist. Über den Umfang der angeordneten Quarantäne wurde noch nicht endgültig entschieden. Noch in Oberstdorf sollen weitere Tests durchgeführt werden. „Sofern diese negativ ausfallen, besteht die Chance, dass Polen wieder in die Tournee einsteigen kann“, sagte Stern. Vielleicht schon am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen, spätestens aber wohl in Innsbruck könnten die polnischen Springer dann zumindest wieder um Tagessiege mitkämpfen Die Reaktionen in der Heimat dürfte das nicht weniger heftig machen.

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