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"Dann fing er an zu husten..."

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Hilde Gerg hat ihren Mann verloren.
Hilde Gerg hat ihren Mann verloren. © fkn

München - Der plötzliche Herztod von Hilde Gergs Ehemann Wolfgang Graßl (40) erschüttert ganz Oberbayern. Wir schildern, wie der Hausarzt und Sanitäter um Graßls Leben kämpften.

Besonders aber in Schönau am Königssee kennt der Schmerz keine Grenzen. Wolfgang Graßl kam gerade von einer Besprechung in den Christophorusschulen des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD), wo der Wintersport-Nachwuchs aus ganz Deutschland auf die Grund- und Hauptschule sowie das Gymnasium oder die Realschule gehen kann. In der Hauptstelle der Schule am Graseck in 1200 Meter befindet sich auch ein Internat für die künftigen Ski- und Rodelprofis.

Graßl war als Trainer des Deutschen Skiverbandes für die Koordination von Schule und Sport verantwortlich. „Wir

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haben vormittags noch in meinem Büro geplaudert, bevor es die Besprechung gab. Da merkte ich nichts davon, dass etwas nicht stimmt“, sagt der Sportkoordinator der Schulen, Wolfgang Liebenow. In der großen Runde, in der auch die Trainer der anderen Disziplinen dabei waren, ging es um die Vorbereitung des Tags der Offenen Tür und die Nachbesprechung der vergangenen Saison 2009/10. Liebenow: „Dann fing er an zu husten. Wir wollten eigentlich nachmittags noch weiter reden, doch Wolfgang Graßl fuhr dann weg.“

Der 40-Jährige steuerte das Haus seines Arztes in Schönau an. Er versuchte, aus dem Auto zu steigen – und war schon ganz blau im Gesicht. Ein Postbote, der als ehrenamtlicher Sanitäter tätig ist, kam gerade vorbei, hielt an und leistete erste Hilfe. Der Arzt stürzte ebenfalls ins Freie. Die beiden intubierten den 40-Jährigen – doch sie konnten sein Leben nicht mehr retten. In Schönau am Königssee ist die Trauer jetzt riesig.

Bürgermeister Stefan Kurz kennt die Familie gut, er besuchte Hilde Gerg am Dienstag, um ihr sein Beileid auszusprechen. Kurz: „Die Graßls sind schon seit Generationen hier. Eine gute Familie. Und Hilde ist eine herzensgute Frau, die sich total integriert hat. Das mit Wolfgang ist schecklich.“

Auch in Hildes Heimatort Lenggries wird getrauert. Als „guten Freund“ und „Spitzentyp“ bezeichnet Gergs Bruder Stefan seinen Schwager: „Er war sehr korrekt, der beste Vater, den man sich vorstellen kann.“ Wolfgang Graßl sei ein ruhiger Mensch gewesen, sagt Anton Kögl, Vorsitzender des SC Lenggries. Als „sympathischen, offenen Sportler“ beschreibt auch Karl Haider sen., Sportwart des Vereins, den Verstorbenen. Und: Graßl sei auch ehrgeizig gewesen: „Er hat gewusst, was er will – und er war ein sehr guter Trainer.“

Der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl ist „total erschüttert“ von der Todesnachricht. Er hatte Graßl im Jahr 1998 kennengelernt. Weindl empfing Hilde Gerg damals zusammen mit der Lenggrieser Delegation nach ihrem Olympiasieg in Nagano.

Johannes Welte

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