Martin Schmitt im Interview

„Der Bergisel verzeiht keine Fehler“

Ex-Skispringer Martin Schmitt lächelt in die Kamera
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Zeuge des Scheiterns: Eurosport-Experte Martin Schmitt.

Am Ende war also wieder einmal der Bergisel der deutsche Schicksalsberg bei der Tournee. Der frühere Weltklassespringer und heutige Eurosport-Experte Martin Schmitt erklärt die Gründe.

Noch in Garmisch-Partenkirchen schien diese Tournee so umkämpft wie lange nicht mehr. Das ist sie nun nicht mehr...

Das stimmt, es hat sich alles ganz schön verändert. Das war so nicht abzusehen, zumal die Bedingungen auch längst nicht so kurios waren, wie es in Innsbruck schon oft der Fall war.

Unter anderem sind auch die deutschen Hoffnungen am Bergisel geplatzt.

Ja, das war natürlich sehr bitter. Man muss aber auch sagen, dass die beiden zu lange gebraucht haben, um sich auf die Schanze einzustellen. Wenn du im Training siehst, dass da ein Abstand ist, dann setzt du dich natürlich noch mal extra unter Druck. Und dann sind in der Wettkampfsituation noch die entsprechenden Verhältnisse und kleine Fehler dazu gekommen. Und die werden hart bestraft. Granerud und der Karl (Geiger, Anm.d.Red.) wären ohne K.o.-System gar nicht in den zweiten Durchgang gekommen. Das gibt es normal nicht. Das zeigt aber auch, wie eng das Feld Leistungsmäßig zusammen ist.

Was macht Innsbruck so schwierig?

Es ist die kleinste Schanze, das Feld ist enger zusammen. Und dann wirken sich Fehler gnadenlos aus. Und die Schanze hat auch einen anderen Rhythmus als die anderen Tourneeanlagen. Im Anlauf ist ein kleiner Schlag. Auch die Tischneigung ist anders, da hast du ein bisschen das Gefühl, du fährst aufwärts. Im Wettkampf kam dann noch etwas dazu: Am Anfang wurde aus Luke 11 abgefahren, bei guten Bedingungen. Dann wechselte man auf die 9 und die Bedingungen wurden schlechter. Und dann kommst du einfach nur noch bei Perfektion ins Gleiten.

Der ungeliebte Anblick: Karl Geiger musste seine Tourneeträume zum zweiten Mal in Folge in Innsbruck begraben.

Ein Punkt, an dem die deutschen Springer nun seit einigen Jahren scheitern...

Naja, sie haben die Schanze ja auch schon im Griff gehabt und sind zum Beispiel eine tolle WM gesprungen.

Die lag allerdings im Spätwinter. Sind die Bedingungen dann andere?

Von den Druckverhältnissen her war es bei der WM auf jeden Fall ein bisschen anders. Während der Tournee wechseln dort Auf- und Rückenwinde relativ häufig. Aber das war dieses Mal ja gar nicht so extrem. Die Bedingungen waren total im Rahmen. Aber du musst auf der Anlage eben auf den Punkt abliefern.

So wie Kamil Stoch.

Ja, er ist natürlich genau im richtigen Moment in die richtige Form gekommen. Das ist ja auch das Bittere bei Karl Geiger. Der ist ja eigentlich auch auf dem besten Weg, in konstante Topform zu kommen. Erst der Sieg in Planica, dann in Oberstdorf. Da hätte eigentlich alles gepasst. Bei Halvor Granerud oder auch bei Markus Eisenbichler ist es ein bisschen anders. Bei denen ist es schon eher auf der Kippe. Gerade Markus hatte ja einen fantastischen Herbst. Dann kam der Absturz in Nishni Tagil, den man erstmal wegstecken muss. Bei ihm geht es momentan eher um Formerhalt. Da funktionieren einzelne Sprünge, wie man ja auch in Oberstdorf gesehen hat, aber es fehlt die Stabilität. Die muss er erst wieder bekommen.

Karl Geiger sagte nach dem Springen, das Ding sei „durch“. Was ist in Bischofshofen noch drin?

Einer von beiden wird dort im Einzelwettkampf auf dem Podest stehen. Klar war das jetzt ein Rückschlag und ernüchternd. Aber ich bin mir absolut sicher, dass die beiden sich gut vorbereiten und dann in Bischofshofen ihre Leistung bringen werden. Die Schanze kommt ihnen entgegen. Ob es in der Gesamtwertung noch reicht, vorne heran zu kommen, das hängt von den anderen ab. Es ist nicht durch, sonst müssten wir in Bischofshofen ja gar nicht mehr springen. Denn da sind wir jetzt schon in einem Bereich, wo die anderen Fehler machen müssten. Aber die beiden werden einen versöhnlichen Abschluss schaffen.

Interview: Patrick Reichelt

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