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Deutsche "Eis-Heilige" von Wunder überwältigt

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Ind er SAP-Arena zu Mannheim herrschte nach dem Halbfinaleinzug der deutschen pure Euphorie. © dpa

Mannheim - Auf wundersame Weise schwebt das euphorische deutsche Eishockey-Team bei der Heim-Weltmeisterschaft von Sieg zu Sieg. Nach 57 Jahren winkt wieder eine WM-Medaille. Selbst vor scheinbar übermächtigen Russen im Halbfinale geht die Furcht verloren.

Bundestrainer Uwe Krupp kämpfte nach dem “Wunder von Mannheim“ mit den Tränen, die Spieler tanzten auf dem Eis und sehen sich dank grenzenloser Euphorie auch gegen die übermächtigen Russen zu allem fähig: Wie die Fußballer 2006 und die Handballer 2007 erleben die deutschen Eishockey-Cracks ein WM-Märchen und greifen völlig unverhofft nach der ersten WM-Medaille seit 57 Jahren.

Auch nach der Rückkehr von der Stätte des Viertelfinal-Triumphes gegen die Schweiz zum Halbfinal-Ort Köln hatten die Cracks das Erreichte noch nicht realisiert. “Das ist etwas sehr Bewegendes, ein so historischer Augenblick“, sagte der aus der NHL einiges gewohnte Verteidiger Christian Ehrhoff am Freitag. “Wir haben auf dem Zimmer zusammengesessen und uns ungläubig angeschaut. Im Halbfinale stehen Russland, Schweden, Tschechien und tja, dann auch schon wir. Das ist unglaublich“, sagte Eisbären-Urgestein Sven Felski.

Schlägerei nach Deutschland-Sieg

“Das toppt alles. Wir haben Geschichte geschrieben“, jubelte Ehrhoff schon nach dem sensationellen Halbfinal-Einzug durch das 1:0 über die Schweiz. 2006 musste Deutschland bei einer B-WM noch gegen Israel antreten, vor einem Jahr war Krupps Team sportlich eigentlich erneut abgestiegen. Nun will der Gastgeber im WM-Halbfinale gegen Titelverteidiger Russland am Samstag (18.00 Uhr/Sport 1) die unglaubliche Serie von 36 Pleiten in 36 WM-Spielen beenden. Zuvor spielt Schweden gegen Tschechien (14.00 Uhr/Sport 1).

Die vom Boulevard bereits als “Eis-Heilige“ geadelten DEB-Cracks haben selbst die Furcht vor den Russen um NHL-Superstar Alexander Owetschkin verloren. “Wir werden denen alles abverlangen. Die werden schon merken, dass sie gegen uns gespielt haben“, sagte der überragende Keeper Dennis Endras. “Mit so einer Leistung im Tor hast du sogar gegen die Russen eine Chance“, sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl, der den Titelverteidiger als “eigentlich unschlagbar“ einstufte. Reindl gewann 1976 bei Olympia sensationell Bronze mit Deutschland. Allerdings könnte Endras am Samstag eine Pause erhalten. “Wir haben jetzt noch zwei Spiele. Da gibt es die Überlegung, ob wir ihm einen Tag Pause geben“, sagte Krupp am Freitag.

In der Euphorie über den wundersamen Halbfinal-Einzug fühlen sich die Spieler nun zu allem fähig. “Wie haben sie schon einmal geärgert und können jetzt befreit aufspielen“, erinnerte Routinier Daniel Kreutzer an das knappe 2:3 in der Zwischenrunde, bei dem Russland zum einzigen Mal bei dieser WM richtig gefordert wurde. In diesem Match hatte Krupp Dimitrij Kotschnew von Spartak Moskau ins Tor gestellt.

Doch selbst bei einer Niederlage gäbe es noch die Chance auf eine Medaille am Sonntag. Dies würde das Krupp-Team endgültig mindestens auf eine Stufe mit den Bronze-Gewinnern von Olympia 1976 stellen. “Das Turnier ist noch nicht vorbei“, mahnte Krupp und Siegtorschütze Philip Gogulla ergänzte: “Alles, was jetzt kommt, ist Bonus.“

Ob Deutschland am Samstag allerdings in Bestbesetzung das nächste Kapitel seines Eis-Märchens schreiben kann, ist noch ungewiss. Nach der dramatischen Endphase, in der nach dem Schlusspfiff sogar noch ein Bully nachgeholt wurde, kam es zu wilden Raufereien. Auslöser war der Schweizer Timo Helbling, der dafür nachträglich eine Matchstrafe erhielt. Auch das deutsche Team erhielt eine Matchstrafe, die laut Weltverband IIHF Co-Trainer Ernst Höfner bekam. Ob das DEB-Team eine Sperre befürchten muss, war am Freitag zunächst unklar, entscheiden wollte die IIHF-Disziplinarkommission. “Hoffentlich erkennen die Schiedsrichter, dass es nicht von uns ausging“, sagte Krueger.

Den hartgesottenen Profis und Krupp stand danach bei der Nationalhymne vor dem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer und 12 500 Zuschauern in der voll besetzten Arena das Wasser in den Augen. “Wenn alle Spiele vorbei sind und die Spieler in der Sonne durchpusten, werden sie erkennen, welch besonderer Moment in ihrer Karriere das war“, sagte Krupp stolz.

Selbst der Weltverband IIHF pries den Erfolg auf seiner Internetseite als “Wunder von Mannheim“. Angesichts des dramatischen Sieges geriet die Frage nach der Zukunft des Bundestrainers in den Hintergrund. DEB-Präsident Uwe Harnos will den möglicherweise amtsmüden Krupp halten: “Er ist der richtige Mann für das deutsche Eishockey. Wir würden uns freuen, wenn er an Bord bliebe.“

dpa

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