Kreuzbandriss kurz vor Olympia

Diese Geschichte macht verletztem Neureuther Hoffnung auf Blitzcomeback

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Felix Neureuther.

Aus, vorbei, Traum geplatzt: Kreuzbandriss kurz vor Olympia, Felix Neureuther muss seine Medaillenträume begraben. So dachten alle, aber dann überraschte der Slalomstar mit der Ansage, seinen Traum nicht aufzugeben.

„Solange noch ein kleines Fünkchen Hoffnung besteht, werde ich jedes kleine Fünkchen probieren zu ergreifen“, sagte er. Sprach’s und machte sich mit seinen Krücken auf den Weg zu Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Nur Träumereien? Möglich ist so ein Coup – frag nach bei Olympiasiegerin Hilde Gerg. Anfang Dezember 2002 riss ihr im Abfahrtstraining in ­Lake Louise das Kreuzband, tags zuvor hatte sie dort die erste Abfahrt gewonnen. Im Januar wurde sie beim Super-G in Cortina Dritte, auch bei der WM in St. Moritz war sie dabei, holte aber leider keine Medaille. „Verletzungen kann man nie miteinander vergleichen, daher kann ich natürlich nur von mir sprechen. Ich hatte damals einen isolierten Riss des Kreuzbands, ansonsten wurde das Knie nicht in Mitleidenschaft gezogen“, sagt sie der tz. 

Aber wie ging das, so schnell wieder auf Ski zu stehen? „Bei mir war das Knie relativ schnell reizfrei, danach habe ich schrittweise getestet, was alles geht“, erinnert sich die 42-Jährige. „Nach ein paar Tagen konnte ich zum Beispiel schon einbeinig Treppenstufen runterspringen, davon war ich selbst erstaunt. In der Reha wurde zunächst versucht, die Ansteuerung des Knies wieder herzustellen. Auch wenn „nur“ ein Kreuzband gerissen ist, muss der Quadrizeps wieder lernen, das Knie exakt anzusteuern. Danach muss dann der Muskelaufbau verstärkt werden, um die fehlende Stabilität auszugleichen.“ 

Denn die ist das A und O nach Knieverletzungen, und das spürt ein Sportler. „Das Gefühl beim Skifahren ist natürlich nicht so, als hättest du keine Verletzung, es gab schon Situationen, in denen es grenzwertig war. Nach Sprüngen oder in bestimmten Kurven ist die Belastung extrem, da habe ich schon eine gewisse Instabilität gemerkt.“ Wichtig dabei ist natürlich auch die Psyche, aber da sieht Gerg keine großen Schwierigkeiten. „Mental ist es machbar, denn du gehst ja Schritt für Schritt vorwärts in der Reha und kannst dich herantasten. Im Rennen spielt es nur in Extremsituationen eine Rolle, aber auf Ausnahmesituationen musst du dich mental ja ohnehin vorbereiten.“ Entscheidend sei damals etwas gewesen, was auch Neureuther jetzt antreibt: „Die Gesamtsituation war bei mir ähnlich wie bei Felix: Ich war richtig gut in Form, ein Groß­ereignis stand vor der Tür, und dann ist es passiert. Bitter! Und deswegen wollte ich unbedingt schauen, ob es nicht doch irgendwie klappen kann mit der WM – ich habe es keinen Moment bereut.“ Musste sie auch nicht: Nach der Saison wurde die OP nachgeholt, danach feierte sie noch vier Weltcupsiege und zwei Jahre später WM-Team-Gold 2005 – Letzteres übrigens zusammen mit Neureuther.

Sehen Sie hier das Video, in dem Neureuther seinen Fans sagt, dass er sich verletzt hat.

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