Steinle: „Acht Jahre? Das geht nicht!“

DSV-Boss im Interview über Parallel-WMs, Dahlmeier und Dopingstrafen 

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DSV-Präsident Franz Steinle.

St. Moritz - Letzte Woche feierte DSV-Präsident Franz Steinle mit den Biathleten in Hochfilzen, jetzt drückt er den Alpinen in St. Moritz die Daumen. Das tz-Interview:

Herr Steinle, überraschen Sie die Ergebnisse in Hochfilzen?

Franz Steinle: In dieser Form war das nicht zu erwarten. Unser Ziel war es, fünf Medaillen zu holen, drei in der Staffel und zwei in den Einzelwettbewerben. Jetzt haben wir nach fünf Wettkämpfen fünf Medaillen, das ist im positiven Sinn unerwartet und eine großartige Leistung des Teams.

Vier Medaillen gehen auf das Konto von Laura Dahlmeier. Finden Sie noch Worte für sie?

Steinle: Laura Dahlmeier ist für mich ein außergewöhnliches Talent und eine außergewöhnliche Sportlerin. Für ihr jugendliches Alter ruht sie erstaunlich in sich. 2014 in Sotschi sind wir ganz schön bedröppelt dagestanden und dachten, wir durchschreiten ein Tal der Tränen, bis wir wieder an Erfolge wie zu Zeiten von Magdalena Neuner anknüpfen können. Wie schnell diese Lücke allerdings durch unsere Trainer und unser Stützpunktsystem geschlossen wurde, ist phänomenal, denn das Niveau ist in der gesamten Mannschaft hoch.

Die Alpinen haben drei Medaillen anvisiert, aber noch keine gewonnen.

Steinle: Natürlich wäre es mir anders lieber, aber unser Schwerpunkt und die Hoffnungen ruhen erfahrungsgemäß auf der zweiten Woche. Im Übrigen werden diese Ziele nicht vom Präsidium diktiert, sondern zusammen mit Trainern und Aktiven erarbeitet. In der sportpolitischen Diskussion und im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 ist es aktuell ein großes Thema, ob man Ziel- oder Medaillenvorgaben braucht. Ich halte es nach wie vor für sinnvoll, denn Leistungssport muss zielorientiert sein. Die Frage ist, welche Konsequenzen man zieht, wenn man Ziele nicht erreicht. Und da spreche ich mich klar gegen eine Schwarz-Weiß-Denke aus. Auf die Ski-WM bezogen muss man attestieren, dass die Speedfahrer beispielsweise überzeugende Leistungen gezeigt haben und Viktoria Rebensburg war im Super-G sehr nah dran an der Medaille.

Am Freitag beim Riesenslalom läuft auch die Biathlon-Damenstaffel. Finden Sie es gut, dass die Weltmeisterschaften parallel stattfinden?

Steinle: Ich halte diese Entscheidung für suboptimal, weil es letztlich viele Zuschauer gibt, die nicht beides sehen können. Diese Situation wird dem Stellenwert beider Sportarten nicht gerecht. Auch in den jeweiligen Ländern leidet eine der Sportarten in der Wahrnehmung.

Der DSV ist kein kleiner Verband, werden wir diese Situation in den nächsten Jahren noch öfter erleben?

Steinle: Wir werden unsere Meinung bei den Weltverbänden einbringen, welche Wirkung das hat, wird sich zeigen.

Sie sitzen in der Arbeitsgruppe, die sich dem russischen Dopingproblem im Biathlon annimmt. Welche Wirkung wird Ihre Arbeit haben?

Steinle: Wir diskutieren die drei bekannten Vorschläge der Athleten. Die Sperre von vier auf acht Jahre zu erhöhen – das geht nicht. Denn das wäre nicht konform mit dem WADA-Code und es wäre fatal, wenn jeder Weltverband einen anderen Sanktionsrahmen hätte – dieser muss einheitlich sein. Aber strengere Sanktionen sind denkbar.

Ist die Erhöhung der Geldstrafe von 200 000 Euro auf eine Million umsetzbar?

Steinle: Das ist doch ein sehr plakativer Vorschlag Eine solche Summe könnten vielleicht zwei, drei Weltverbände zahlen, der Rest wäre sofort Konkurs. Das widerspricht dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die besten Aussichten hat die Reduzierung der Startplätze im Fall eines Dopingvergehens. Aber auch bei den anderen beiden Vorschlägen glaube ich, dass es eine Lösung gibt, nur in differenzierter Betrachtungsweise.

Bis wann erwarten Sie Ergebnisse?

Steinle: Die nächste Vorstandssitzung der IBU ist im Juni geplant.

Entschuldigung, aber das sind noch vier Monate.

Steinle: Das Thema ist sehr komplex und für den Sport überaus wichtig. Die zu erarbeitenden Vorschläge müssen valide sein. Uns ist es wichtig, dass vor den Olympischen Spielen 2018 konkrete Vorschläge umgesetzt werden.

Interview: Mathias Müller

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