Berthold über Ziele, Tritte und Talente

DSV-Herren-Trainer: "Klar, wir liefern eine Show ab"

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Mathias Berthold (vorne), Chefcoach der DSV-Herren.

München - Am Wochenende gastieren die deutschen Speed-Asse in Lake Louise (Samstag Abfahrt, Soonntag Super-G). Das tz-Interview mit Herren-Coach Mathias Berthold.

Herr Berthold, was ist realistischer, die Weltcup-Rückkehr von Bode Miller oder ein Top-Drei-Ergebnis Ihrer Jungs?

Mathias Berthold: Da ich nicht glaube, dass Bode zurückkommt und ich an meine Jungs glaube, sag ich: ein Stockerl für uns. Bei Olympia 2018 wollen wir konkurrenzfähig sein und um die Medaillen mitfahren. Dieses Ziel haben wir uns gesetzt und in dieser Entwicklung haben wir in der vergangenen Saison auch Fortschritte gemacht.

Woran messen Sie diesen Fortschritt?

Mathias Berthold: Das Hauptkriterium ist, wie wir technisch Ski fahren, aber da etwas umzusetzen, das braucht Zeit. Wir haben einen Schritt gemacht, uns fehlt aber noch die Konstanz. Wenn man nur die Ergebnisse betrachtet, sieht man, dass wir zwei Top-Ten-Platzierungen geschafft haben und im Weltcup mehr als doppelt so viele Punkte wie in der Vorsaison hatten. Auf der anderen Seite ist es uns nicht gelungen, dass sich jemand für das Weltcupfinale qualifiziert.

Wer ist leichter zu formen: Abfahrer oder Slalomfahrer?

Mathias Berthold: Im Prinzip nimmt sich das nichts, im Speedbereich hat man den Nachteil, dass Erfahrung sehr wichtig ist. Tobi Stechert zum Beispiel ist 30 Jahre alt, ist aber erst zweimal in Kitzbühel gefahren, eigentlich ein Wahnsinn. Die Abfahrten sind jedes Jahr ähnlich gesetzt, wenn du sie fünfmal gefahren bist, weißt du, wo es gefährlich ist. Bei den Technikern ist die Qualitätsdichte breiter.

Hätten Sie gerne ein Naturtalent à la Felix Neureuther im Speedbereich?

Mathias Berthold: Der Tobi wär’ schon so einer, so ein Naturtalent, von seiner Sorte gibt es wenige, aber er ist leider immer verletzt. Mit den anderen Jungs wurde in der Vergangenheit sicher nicht immer alles richtig gemacht. Wir haben im Herbst viel unternommen, Dinge wie Rennanzüge, Ski oder die Position auf dem Ski getestet. Wir arbeiten hart.

Hat der Speed-Berthold andere Aufgaben als der Technik-Berthold?

Mathias Berthold: Die Erwartungen an die Techniker sind höher. Ein siebter Platz in der Abfahrt ist gut, im Slalom können wir mehr. Natürlich gibt es Rennen, bei denen man Seelenpflege betreiben muss, manchmal brauchen Athleten aber auch einen Tritt in den Hintern. Im Großen und Ganzen ist die Arbeit dieselbe, nur bei einer anderen Ausgangslage.

Sie trainieren seit über 15 Jahren Skifahrer, was hat sich verändert?

Mathias Berthold: Die Trainingswissenschaft hat sich weiterentwickelt, sportpsychologische Fähigkeiten werden immer wichtiger und man muss mehr kommunizieren. Man investiert mehr in die Öffentlichkeitsarbeit, schließlich will man nach außen ein gemeinschaftliches Bild abgeben. Die Position des Trainers ist aber unverändert. Man hat immer noch mit Menschen zu tun und nicht mit Maschinen. Man kann den Platz auf dem Podium nicht oben reinprogrammieren und unten kommt er raus.

Die Medien freuen sich im Übrigen auch, wenn sie nicht immer alle einer Meinung sind.

Mathias Berthold: Mir ist schon klar, wir liefern eine Show ab und unterhalten die Leute. Aber wenn es Reibereien in der Mannschaft gibt, dann sollen die da auch bleiben. Anders kann man nicht erfolgreich arbeiten.

Arbeitet sich’s mit allen Nationen gleich: Briten, Amerikanern, Österreichern?

Mathias Berthold: In den USA ist es etwas anders, das ist nicht nach meinem Geschmack, deshalb währte mein Engagement dort auch nur sehr kurz. Ich komme mit der europäischen Mentalität besser klar, die ist bodenständiger. Deutschland und speziell Bayern, das passt mir super. Ich könnte es mir derzeit nicht besser vorstellen. Egal, ob ich mit Stars wie Felix arbeite oder einem Nachwuchstalent.

Die Deutschen beneiden die Amerikaner oft bei den Groß­ereignissen für deren Einstellung, weil sie dann ihre beste Leistung abrufen.

Mathias Berthold: Vielleicht ist das in anderen Sportarten so, aber beim Skifahren habe ich das eigentlich noch nicht so erlebt. Klar gewinnen die Amerikaner oft Medaillen, aber das sind immer die Fahrer und Fahrerinnen, die sowieso gut sind.

Interview: Mathias Müller

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