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EHC: Bettel-Brief nach verpenntem Lizenz-Termin

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München - Am Donnerstag treffen sich die Gesellschafter der DEL und sprechen über den EHC München und dessen Zukunft. Wir wägen ab, was für und gegen den Verein steht und zeigen den offenen Brief des Vereins.

Es ist der wichtigste Tag seit Jahren für das Münchner Eishockey. Es geht darum, ob sich der EHC doch noch Hoffnungen auf eine Lizenz machen darf, obwohl Klub-Boss Jürgen Bochanski den Termin für die Abgabe der Unterlagen verpennt hatte.

Der EHC ist jetzt auf Gnade angewiesen. Wie der Verein dazu steht, zeigt ein offener Brief, den der EHC zu Pfingsten ins Internet stellte. Darin heißt es, bei „solch komplexen Vorhaben“ wie dem DEL-Aufstieg sei „die Kommunikation zwischen so vielen Beteiligten nicht immer einfach. Wir waren aber immer bemüht, die Dinge zielgerecht voranzutreiben“. Und der Kernsatz: „Wir appellieren an die DEL, diese sportliche und organisatorische Aufbauarbeit nicht auf der Zielgeraden scheitern zu lassen.“

Wobei es ja ehrlicherweise eigentlich nicht auf die Anstrengungen der Vergangenheit ankommt, sondern eher auf die Möglichkeiten der Zukunft. EHC und DEL, wie schaut’s da aus? Die tz zeigt Pro und Contra:

Pro: Die Mannschaft hat sich als Bundesliga-Meister den Aufstieg verdient, sie hat ihr Potenzial für Höheres bewiesen. Manager Christian Winkler und Trainer Pat Cortina genießen einen guten Ruf im deutschen Eishockey. Das höchste Lob für den EHC: DEL-Vereine wie Hamburg und Mannheim hatten unter der Saison Interesse an dem aufstrebenden Duo gezeigt. Und: Der Stadt München würde ein DEL-Klub gut zu Gesicht stehen. Wenn der EHC aufsteigt, ist Stuttgart die einzige deutsche Großstadt ohne Klub im Eishockey-Oberhaus.

Contra: der Schnarch-Chef. Der EHC hätte ja eigentlich gar nicht um Gnade bitten müssen, sondern auf sein Recht pochen können – wenn Bochanski dafür gesorgt hätte, dass die Papiere rechtzeitig bei der DEL sind. Schöne Träume. So, wie die Sache aber in der wirklichen Welt gelaufen sind, hat sich der EHC als Chaos-Klub beworben. Ob die Liga Lust hat, so jemanden als Gesellschafter aufzunehmen? Was noch dazukommt: Einige aktuelle Gesellschafter hätten sowieso gern eine kleinere Liga, weil das den Spielplan entzerren würde…

wim

Der offene Brief des EHC München im Wortlaut:

Liebe Freunde des EHC München,

mit diesem offenen Brief wollen wir die Fragen beantworten, die Sie sicher in den letzten Tagen bewegt haben und damit für Klarheit zum Stand des Lizenzierungsprozesses für die DEL sorgen. Der EHC München hat alle notwendigen und auch nachgeforderten Unterlagen bei der DEL zur Prüfung und Einsicht abgegeben und erfüllt somit alle Vorgaben und Aufnahmekriterien der DEL. Wir haben in der vergangenen Saison die sportlichen Voraussetzungen für den Aufstieg geschaffen.

Nun haben wir auch alle strukturellen, wirtschaftlichen und finanziellen Vorgaben erfüllt und mit einem realistischen und soliden Budget die Ernsthaftigkeit unseres Vorhabens dokumentiert. Die noch vorzunehmenden Veränderungen für einen DEL Spielbetrieb im Olympia Eisstadion werden derzeit durch den EHC München in Zusammenarbeit mit der Olympiapark München GmbH geschaffen. Wir haben seit über zehn Jahren mit großem Engagement einen bedeutenden und erfolgreichen Eishockeyverein aufgebaut. Viele Fans, Spieler, Trainer, Mitarbeiter, Eltern, Kinder, Sponsoren und Gesellschafter haben dabei viel Zeit und Kapital investiert. Das Erreichen der höchsten Spielklasse DEL war seit Jahren unser erklärtes Ziel. Die dafür notwendigen Voraussetzungen haben wir mit einem konstanten Auf- und Ausbau unseres Teams sowie professioneller Organisationsstrukturen erreicht. So konnten wir durch eine zielgerichtete Erweiterung der Sponsoren- und Gesellschafterbasis auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, um Profi-Eishockey auf höchstem Niveau in der Sportstadt München zu etablieren.

Die wichtigste Voraussetzung war aber der Aufbau einer qualitativ hochwertigen Mannschaft, die in der Lage war, diese Ziele umzusetzen. Wir haben diesen Anspruch bereits in der Saison 2008/09 erstmals durch den Gewinn der Vizemeisterschaft in der 2. Bundesliga unter Beweis gestellt. Die Krönung war die Meisterschaft in der Saison 2009/10. Unser Trainer Pat Cortina wurde zwei Jahre hintereinander zum besten Coach der gesamten Liga gewählt. Dies ist Ausdruck und Resultat der engagierten Arbeit aller Beteiligten.

Ein zentraler Baustein für den Erfolg der letzten Jahre ist die Unterstützung durch eine in den letzten Jahren immens gewachsene Fangemeinde. Für viele Betrachter war eine solche Entwicklung in der eishockeygeschädigten Stadt München nicht denkbar. Wir haben bewiesen, dass dies mit viel Engagement, Qualität, Risiko und Leidenschaft möglich ist. Auch wir waren über diesen Erfolg überrascht, aber sehr erfreut. Die zunehmende Wahrnehmung außerhalb der Eishockeygemeinde wurde in einem durch Fußball dominierten Umfeld wie München auch durch die sehr wichtige und umfangreiche Berichterstattung der Medien, insbesondere der lokalen Presse, und durch unsere Kooperation mit einem lokalen Radiosender noch zusätzlich unterstützt.

Die Stadt München erkannte früh die vom EHC München geleistete Aufbauarbeit. Wir wurden und werden weiterhin von der Stadt München durch die Olympiapark GmbH tatkräftig unterstützt. Mit dem EHC als lokales Aushängeschild für den Eishockeysport wollen wir auch unseren Teil zu einer erfolgreichen Olympiabewerbung München 2018 beitragen.

Als der EHC München am 23. April 2010 die Meisterschaft gewann, wurden alle notwendigen Aktivitäten intensiviert, um die Voraussetzungen für den Aufstieg in die DEL zu schaffen. Bis zum heutigen Tag wurden von allen Beteiligten große Anstrengungen unternommen, die strukturellen, organisatorischen und wirtschaftlichen Vorgaben zu erfüllen. Mit der Abgabe aller notwendigen und auch nachgeforderten Unterlagen bei der DEL zur Prüfung und Einsicht haben wir alle notwendigen Punkte sauber abgearbeitet. Eine Aufnahme in die DEL haben wir uns nicht nur hart erarbeitet, sondern im Sinne der Fairness auch verdient. Unsere Aktivitäten haben wir mit Vertretern der DEL zu jeder Zeit eng abgestimmt. Alle Beteiligten waren über unsere Schritte stets informiert. Natürlich ist bei einem solch komplexen Vorhaben die Kommunikation zwischen so vielen Beteiligten nicht immer einfach. Wir waren aber immer bemüht, die Dinge zielgerecht voranzutreiben.

Wir appellieren daher an die DEL, diese sportliche und organisatorische Aufbauarbeit nicht auf der Zielgeraden scheitern zu lassen.

Mit sportlichen Grüßen,

die Geschäftsführung, die Gesellschafter und die sportliche Leitung des EHC München

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