EHC: „Wir werden unsere Chance nutzen“

München - Am Schluss ging alles in Rauch auf. Mit dicken Habana-­Zigarren feierten die Spieler des EHC München ihren Meistertitel – und die damit verbundene Möglichkeit zum Aufstieg in die DEL.

 Das 3:1 in Schwenningen: ein Riesenerfolg. Verteidiger Patrik Vogl, ein gebürtiger Münchner, schüttelt ungläubig den Kopf: „Für mich wird ein Traum wahr.“ Sagt’s, holt sich Bier-Nachschub und verschwindet ganz hinauf auf die Tribüne. Den goldenen Pokal hat er mitgenommen. Mit Daniel Hilpert sieht er sich in aller Ruhe das Treiben unten auf dem Eis an. Jetzt endlich ist Zeit zum Genießen.

Der Weg bis dahin: Er war weit… Torwart Joey Vollmer zum Beispiel weiß ganz genau, wie sich der EHC und er selbst entwickelt haben. Vor Kurzem hat er seine Videokassetten auf DVD überspielt, dabei hat er auch ganz alte Aufnahmen aus seiner Anfangszeit beim EHC entdeckt. Seit 2002 spielt Vollmer schon beim EHC, er hat den Aufstieg des Klubs von der Bayernliga an mitgemacht. „Und jetzt der Meistertitel – wow!“ Ein Jahr später stieß Mario Jann hinzu, der Spieler mit den meisten Einsätzen für den EHC. Er spricht jetzt von der Meisterschaft als „meinem größten sportlichen Erfolg“.

Auch Co-Trainer Peppi Heiß schwärmt: „Alle Spieler haben einen Schritt nach vorne in ihrer Entwicklung gemacht.“ Der wird auch in der nächsten Saison nötig sein, sollte es denn mit dem DEL-Einstieg klappen. Stürmer Neville Rautert vertraut da auf eine alte Binsenweisheit: „Aller guten Dinge sind drei. Ich habe zweimal zuvor das Meisterschaftsfinale verloren, beim dritten Mal hat es geklappt. Und auch in der DEL hätte ich jetzt dann meine dritte Chance – und ich bin überzeugt, dass wir die nutzen werden.“

Sportchef Christian Winkler wird sich in den nächsten Tagen mit den Spielerberatern in Verbindung setzen und neue Verträge verhandeln. Eigentlich eine einfache Angelegenheit: Die Spieler wollen beim EHC bleiben. Und Winkler hat versprochen, die Mannschaft im Wesentlichen zusammenzuhalten. Rautert findet: „Wir hätten es uns verdient, wir haben jahrelang hart dafür gearbeitet.“ Jetzt kommt’s aufs Geld an. Der EHC muss bis morgen die Lizenz für den DEL-Einstieg beantragen – und das wird teuer. Allein das Eintrittsgeld beträgt 800 000 Euro.

Vom Etat (rund 3,3 Millionen Euro)fehlt derzeit noch ein Drittel. Präsident Jürgen Bochanski ist trotzdem guten Mutes. Zwar habe man durch den sportlichen Aufstieg noch nicht automatisch einen Sponsoren-Deal klar gemacht, aber jetzt habe man „gute Argumente“ in den Gesprächen mit Unternehmen vorzuweisen. Zum Beispiel dieses hier: „Wir haben den Verein mit Kontinuität aufgebaut, jetzt sind wir in der höchsten Liga angekommen. Man sieht da­ran, dass man im Sport den Erfolg auch planen kann.“

wim

Interview mit Max Fedra:

Spendierhosensuche: „München ist teuer“

Wie leicht oder wie schwer wird es für den EHC, den DEL-Aufstieg zu stemmen?

Fedra: Das kann ich nicht beurteilen. Alle reden immer übers Geld, aber keiner kennt sich aus. Damit man das beurteilen kann, müsste man schon alle Zahlen des EHC genau kennen.

Sie kennen das Münchner Umfeld gut – unter anderem aus ihrer Barons-Zeit …

Fedra: Das waren damals ganz andere Voraussetzungen – da hat Anschütz für alles garantiert. Und es war total aus der Retorte. Beim EHC ist jetzt dagegen eine Struktur da, die für Münchner Verhältnisse sehr gut gewachsen ist.

Ist die Stadt München Ihrer Meinung nach überhaupt bereit für DEL-Eishockey?

Fedra: Ich glaube schon, dass dieses zarte Pflänzchen, das in den vergangenen Jahren gewachsen ist, aufblühen kann. Das Wichtigste ist dabei aus meiner Sicht eine vernünftige Stadion-Perspektive. Die Halle am Oberwiesenfeld ist – vorsichtig ausgedrückt – nicht auf dem neuesten Stand. In dem alten Betonbunker ist es schwierig. Wenn eine neue Superhalle da wäre, wäre es einfacher.

Wie schätzen Sie das ­Thema Sponsoren ein?

Fedra: Der EHC braucht seriöse Partner, die sich zum Verein bekennen. Die dann auch tatsächlich unterschreiben, wenn mal die erste Rechnung über 50 000 Euro kommt. Da habe ich im Eishockey ja auch schon andere Sachen erlebt…

Ganz konkret: Wie sollte der EHC München jetzt vorgehen?

Fedra: Man muss versuchen, den rührigen Kreis von Sponsoren, Gesellschaftern und Vorständen zu motivieren, dass sie noch mal in Vorlage gehen. München braucht eine Mannschaft, die vernünftig mitspielen kann. Ich rede noch nicht von einer Playoff-Teilnahme – aber ein paar Überraschungen sollten drin sein. Zum Beispiel mal ein Sieg gegen Berlin.

Auf lange Sicht: Wie teuer ist Eishockey in München?

Fedra: Ich schätze, so sieben, acht oder neun Millionen wirst du schon brauchen. Wenn ich zum Beispiel allein an die Mietpreise für Spielerwohnungen denke… München ist einfach eine teure Stadt.

hei

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