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EHC: Der Tag der Entscheidung

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Für Jürgen Bochanski und den EHC wird es ernst © sampics

Köln - Am Donnerstag entscheidet sich ab 13 Uhr im Kölner Hotel Azimut die Zukunftsfrage des EHC: Rein oder nicht rein in die DEL? Alle Infos.

Christian Winkler wird am Donnerstag mächtig schwitzen. Der Sportchef des EHC München ist mit der Familie während der Pfingstferien im feucht-warmen Florida. Prognose für Donnerstag: sonnig, 28 Grad. Aber das, was ihm den Schweiß raus und den Puls nach oben treibt, sind die Gedanken an daheim, an die Arbeit. Denn: Der Donnerstag ist der Tag X! Der Tag des Zitterns, des Bangens und des Hoffens beim EHC und seinen Anhängern. Am Donnerstag entscheidet sich ab 13 Uhr im Kölner Hotel Azimut die Zukunftsfrage unserer Eishackler: Rein oder nicht rein in die Deutsche Eishockey Liga (DEL)?

Das Schlimmste: Der EHC hat es nicht mehr selber in der Hand. Präsident Jürgen Bochanski hatte Unterlagen und Bürgschaft zu spät eingereicht und daher die günstige Position verschludert, die sich der Verein jahrelang aufgebaut hatte. Für den Fall der Fälle hat Bochanski schon seinen Rücktritt angeboten – insofern ist das am Donnerstag also auch sein persönlicher Tag X.

Jetzt liegt die Macht bei den 15 DEL-Gesellschaftern – also den Vertretern der Oberhaus-Klubs. Sie entscheiden in ihrer heutigen Versammlung erst einmal zwei Fragen: Kommt das Münchner Anliegen kurzfristig noch auf die Tagesordnung? Und wenn ja, wird dann das Lizenzprüfungsverfahren wieder aufgenommen? Quasi als ein Akt der Gnade?

Die tz fragt nach bei Lothar Sigl. Er ist Hauptgesellschafter der Augsburger Panther und am Donnerstag selbst vor Ort. Sigls frohe Botschaft: „Ich denke schon, dass München zum Thema wird…“ Für die reguläre Tagesordnung wird es allerdings wohl nicht reichen – dafür wäre die Zustimmung aller (!) Gesellschafter nötig. Aber Sigl wird sich dafür stark machen, „dass wir über den EHC unter dem Punkt Sonstiges diskutieren. Ich habe das Bochanski und Winkler versprochen. Normalerweise kann man das kurzfristig einbringen.“

Und wenn das funktioniert? Wenn tatsächlich über München beraten werden sollte? Wie tief sind die Gesellschafter schon eingearbeitet in Sachen EHC? Sigl sagt, dass die DEL-Klubs bisher nur über die Medien informiert seien: „In der Gesellschafterversammlung vor 14 Tagen war München noch kein Thema.“ Deswegen würden sich alle Klubs dafür interessieren, wie es mit dem EHC und der DEL weitergeht. Zum Beispiel, wie ein Spielplan mit dem EHC aussehen würde. Und: Am Donnerstag muss auch noch geklärt werden, ob formelle und juristische Gründe gegen eine Aufnahme sprächen. ­Sigl: „Dann würde es schwierig werden.“ Für den Fall, dass es keine solchen Bedenken gibt – wie wären die Chancen des EHC auf Gnade? Das wagt Sigl nicht einzuschätzen. Zumal noch unklar ist, wie viele Ja-Stimmen der EHC bräuchte… DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke spricht von einer Dreiviertel-Mehrheit (zwölf Gesellschafter), laut EHC-Anwalt reicht eine einfache Mehrheit (acht).

Sigl selber ist klar für die Aufnahme der Münchner. Logisch: Er hofft natürlich auf Derbys, die die Kassen klingeln lassen würden. Außerdem schätzt er die EHC-Führung. Sigl: „Wir haben im sportlichen Bereich zwei Jahre gedeihlich kooperiert.“ Und nach dem Umzug der Barons nach Hamburg hat Sigl ohnehin festgestellt: „Jeder in der DEL weint dem Standort München nach.“

Jetzt hat die DEL die Chance, den Tränenfluss zu stoppen. Wäre doch ein schönes Vorhaben für den Tag X…

Martin Wimösterer

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