Vor dem Start der Vierschenzentournee

Eine Dreifachspitze soll die Durststrecke beenden

Markus Eisenbichler jubelt
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Der Überflieger: Eisenbichler geht als Topfavorit in die Tournee

Es ist der letzte Makel einer starken Springergeneration: Die Tournee hat seit 2002 kein Deutscher mehr gewonnen. Das soll nun anders werden. Das heißeste Eisen kommt aus Siegsdorf.

Denn natürlich hat es vor allem mit Eisenbichler zu tun, wenn Bundestrainer Stefan Horngacher dieser Tage immer wieder wiederholte: „Wir wollen um den Tourneesieg mitspringen. Alles andere wäre Unsinn.“ Eisenbichler ist die Nummer eins im Team. Der 29-Jährige, dem sein Trainer das „wahrscheinlich beste Fluggefühl im Weltcup“ attestiert, ist der einzige Athlet in der Szene, der in diesem Winter bislang konstant mit Norwegens Überflieger Halvor Egner Granerud mithalten kann.

„Ich weiß, was ich zu tun habe, ich mag die Schanzen“, sagte Eisenbichler selbst, „ich werde angreifen“. Die letzten Tests haben die Zuversicht nicht gerade verringert. Nach der Generalprobe in Engelberg nämlich machte das deutsche Team noch einmal für zwei Trainingstage in Oberstdorf Station. Und was Stefan Horngacher davon zu berichten hat, klingt verheißungsvoll. „Markus ist gesprungen wie an einer Schnur gezogen“, sagte er, „das waren die besten Sprünge, die ich je in Oberstdorf gesehen habe.“

Und wer weiß, vielleicht kann Horngacher im Rennen um den ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald 2002 ja doch auf eine Doppelspitze bauen. Doch hinter der Form von Skiflug-Weltmeister Karl Geiger steht nach dessen zehntägiger Quarantäne zumindest ein Fragezeichen. Klar beschworen alle Beteiligten, dass der Oberstdorfer ja auch vor der WM in Planica eine Wettkampfpause unbeschadet überstanden hatte. Aber der Heimatbesuch bei Ehefrau Franziska vor der Geburt der gemeinsamen Tochter ist dann doch nicht unbedingt mit der Quarantäne vergleichbar. Und Geiger muss sich praktisch ohne Praxis von der Flugshow in Slowenien auf eine Anlage umstellen, die ihre Tücken hat, wie er selbst ahnt: „Das ist eine Schanze, auf der der kleinste Fehler bestraft werden kann.“

Aber eigentlich schmeckt die Rolle als Geheimfavorit dem 27-Jährigen ja ganz gut. Glaubt auch Horngacher. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Karl sich seinen mentalen Plan für die Tournee zurecht gelegt hat. Er wird bis zum letzten Tag angreifen“, sagte er, „das hat letztes Jahr ja auch ganz gut geklappt.“ 2019/20 war Geiger am Ende Tournee-Dritter – einzig ein etwas schwächerer Auftritt in Innbruck (8.) verhinderte den ganz großen Wurf.

Und wer weiß: Vielleicht hat Horngacher ja sogar ein drittes heißes Eisen im Feuer. Ausgerechnet Routinier Pius Paschke erlebt in diesem Winter einen nicht unbedingt erwarteten Frühling. Der 30-jährige Kiefersfeldener hatte in den letzten Monaten im Schatten der Vorflieger Eisenbichler und Geiger an seinem Gesamtpaket gefeilt. Es hat sich ausgezahlt. Paschke präsentiert sich seit Beginn des Winters nicht nur besser denn je. Der Mann, dessen sportliche Realität über den Großteil seiner Karriere der zweitklassige Continental Cup war, springt auch mit einer bemerkenswerten Konstanz. Platz acht in Ruka, der fünste Rang in Nishni Tagil, zuletzt in Engelberg die Plätze sechs und fünf. – im Gesamtweltcup ist er zum Tourneestart starker Sechster. Selbst Geiger steht derzeit noch fünf Plätze schlechter da.

„Ihm ist es gelungen, sich von Station zu Station mehr in den Vordergrund zu springen“, sagte Horngacher, Doch der Bundestrainer ist überzeugt: „Da geht noch mehr.“ Schöne Aussichten.

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