Dahlmeiers Heimtcoach im Interview

Trainer Kröll: „Laura ist eine, die sich richtig quälen kann“

Der Talentschmied: Bernhard Kröll betreut in seiner Trainingsgruppe seit sieben Jahren auch Laura Dahlmeier.

München - Der Krüner Heimtrainer Bernhard Kröll spricht im Interview über seine Musterschülerin Laura Dahlmeier.

Bernhard Kröll zählt zu den erfolgreichsten Heimtrainern des deutschen Biathlons. Aus seiner Talenteschmiede in Kaltenbrunn sind schon große Namen hervorgegangen: Magdalena Neuner, Martina Beck (früher Glagow), Miriam Gössner. Der aktuelle Star der Trainingsgruppe Werdenfels ist Laura Dahlmeier (22), die bei der WM in Oslo schon in den ersten beiden Einzelrennen mit Gold und Bronze groß auftrumpfte. Unsere Zeitung unterhielt sich mit dem 39-jährigen Coach aus Krün über seine Musterschülerin.

Bernhard Kröll, wie haben Sie das Rennen erlebt, in dem Laura Dahlmeier ihr erstes Einzel-Gold bei einer WM holte?

Ich habe das Rennen gar nicht live gesehen, sondern erst abends in der Mediathek.

Wie das?

Ich war mit unserer Nachwuchsmannschaft unterwegs. In Todtnau im Schwarzwald waren deutsche Jugend- und Juniorenmeisterschaften im Biathlon. Wir befanden uns gerade auf der Heimreise, ich saß am Steuer. Meine jungen Begleiter hatten Handys dabei, so wurde ich mit Hilfe des Live-Tickers über den Rennverlauf informiert. Das war auch sehr spannend. Und abends habe ich mir den Wettkampf dann in aller Ruhe angeschaut. Wenn man weiß, dass es gut ausgeht, ist das superschön.

„Laura ist auf der Schlussrunde schon so stark wie Lena“

Wie fühlt man sich da als Heimtrainer, der seit sieben Jahren mit Laura zusammenarbeitet?

Da ist schon eine wahnsinnige Freude. Und es macht einen auch stolz, dass man als kleiner Stützpunkt es immer wieder schafft, solche Spitzenleute herauszubringen.

Laura Dahlmeier kam als 15-Jährige in Ihre Trainingsgruppe. Hat man damals schon feststellen können, was für ein Ausnahmetalent in ihr steckt?

Man hat gemerkt, dass Laura beim Laufen ein wahnsinnig gutes Skigefühl hat. Und es zeigte sich auch früh, dass sie eine ist, die sich – wie Magdalena Neuner – richtig quälen kann. Das hat man oder hat man nicht. Diese Fähigkeit unterscheidet die Spitzenleute von anderen Sportlern. Offensichtlich war auch, dass Laura beim Schießen unbedingt gut werden wollte. Ich habe selten eine Biathletin erlebt, die mit der Waffe so akribisch arbeitet. Auch außerhalb des normalen Trainings. Laura hat sich im Schießen sehr viel erarbeitet.

Auch ihre Nervenstärke?

Das ist wohl eher typbedingt. Und es hängt meiner Meinung nach auch mit ihrem großen Hobby zusammen, dem Klettern. Da braucht man gute Nerven. Ansonsten wird es gefährlich, wenn man in der Felswand hängt. Laura hat auch eine gesunde, natürliche Frechheit ...

Was verstehen Sie darunter?

Es gibt in Bayern ein Sprichwort: „Scheiß dir nix, dann fehlt dir nix.“ So in diese Richtung geht das. Laura geht mutig an die Sache heran. Sie hat auch die Sicherheit, das Selbstvertrauen, sie weiß, dass sie es kann. Sie schießt – auch im Stehen – Treffer, die nicht nur im Schwarzen sind. Sondern, die richtig gut und sicher im Schwarzen sind.

Sie kommt einer kompletten Biathletin wohl schon sehr nahe?

Auf alle Fälle. Sie ist mit ihren Fähigkeiten im Laufen und Schießen unwahrscheinlich komplex als Biathletin.

Ihre einzige Schwäche scheint die Anfälligkeit für Krankheiten zu sein ...

Man muss dabei aber auch sagen, dass Laura ein unglaublich gutes Körpergefühl hat. Da ist sie für ihr Alter schon sehr weit. Wenn Laura mir sagt, sie fühlt sich nicht so gut, sie möchte im Training etwas zurückstecken oder auf einen Wettkampf verzichten – dann ist es eben so. Das hat bei ihr immer absolut seinen Grund. Und umgekehrt: Wenn Laura sagt, sie ist fit, dann weiß man, dass es bei ihr läuft, dann kommen eben Leistungen heraus wie jetzt bei der WM.

Worauf müssen Sie als Coach bei Laura im Training achten?

Sie ist ein Sportlertyp, der sehr viel mitarbeitet. Sie fragt sehr viel nach und fordert auch viel. Weil sie eben sehr akribisch arbeitet. Man muss ihr als Trainer viel Rede und Antwort stehen. Laura ist sehr bei der Sache, sie arbeitet sehr fokussiert und konzentriert, möchte immer wissen: „Warum ist das so? Was kann ich selber noch besser machen?“ Sie denkt wahnsinnig viel mit.

Die Art und Weise, wie Laura Dahlmeier schon in jungen Jahren Rennen gewinnt, erinnert unweigerlich an Lena Neuner. Sehen Sie da auch Parallelen?

Beide sind sehr heimatverbunden. Beide haben einen unwahrscheinlichen Kampfgeist. Die Lena war berühmt für ihre Schlussrunden, die Laura hat jetzt bei der WM im Sprint bewiesen, was für Kräfte sie auf der letzten Runde mobilisieren kann. Es gibt aber auch Unterschiede: Laura ist im Schießen stärker als es Lena war. Lena war liegend sehr stark, hatte aber stehend Probleme, zumindest in den ersten Jahren ihrer Karriere. Laura ist im Schießen einen Schritt weiter. Und läuferisch ist Laura auf dem besten Weg, zu Magdalena Neuner aufzuschließen. Auf der Schlussrunde ist Laura ohnehin schon so stark.

Wie wird Laura den Rummel, der um sie herum nun losgebrochen ist, verkraften?

Laura hat ja schon einige Erfahrungen gemacht. Auch die Negativerfahrungen von den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Aber es gibt nichts Negatives, das nicht auch was Positives hat. In Sotschi war es eine extrem schwierige Situation für das junge Team: Da waren die Misserfolge, da war die Sache mit der Evi (Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle/Anm. d. Red.). Da ist auch Laura gebeutelt worden. Aber sie hat viel daraus gelernt. Grundsätzlich weiß sie zudem, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Medien ist. Das ist Teil des Geschäfts, ihres Berufs. Andererseits ist Laura auch in der Lage, sich zu wichtigen Zeitpunkten zurückzuziehen. Denn sie will sich auf das Wesentliche konzentrieren – und das ist eben der Wettkampf. Wenn es notwendig ist, kann sie auf die Medien und die Sponsoren auch abweisend wirken. Das Rückgrat hierfür hat sie – und das zeichnet sie auch aus, gerade in ihrem Alter.

Was ist für Laura jetzt noch möglich in Oslo?

Mit Gold und Bronze ist das jetzt schon eine wahnsinnig tolle WM für Laura. Sie ist in einem absoluten Topzustand. Und deswegen auch in jedem der noch ausstehenden drei Rennen eine Medaillenkandidatin. Das ist nicht überheblich, sondern realistisch. Im Einzel über 15 Kilometer und im Massenstart sind jeweils vier Schießeinlagen zu bewältigen – das kommt Laura eher entgegen. Für die Staffel wird sicher das Ziel sein, den WM-Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen. Aber wie gesagt: Sie hat schon zwei Medaillen. Von daher können wir sehr entspannt sein.

Das Interview führte Armin Gibis

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