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Halbfinale! Erst Sensation, dann Schlägerei

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© dpa

Mannheim - Das deutsche Eishockey-Team steht im Halbfinale der Weltmeisterschaft und hat damit den größten Erfolg seit Olympia- Bronze 1976 geschafft. Nach der Schlusssirene kam es zu üblen Szenen.

Die WM-Gastgeber gewannen am Donnerstag im Viertelfinale in Mannheim 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) gegen die Schweiz.

Nach dem Spiel kam es zu wüsten Schlägereien zwischen den enttäuschten Spielern der Schweizer und den Deutschen. Auch Bundestrainer Uwe Krupp musste an der Bande eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern.

Hässliche Szenen nach Spielschluss

Die DEB-Auswahl trifft am Samstag in Köln auf Titelverteidiger Russland. In der Zwischenrunde hatte es eine 2:3-Niederlage gegen den Rekord- Weltmeister gegeben. Das andere Semifinale bestreiten Schweden und Tschechien.

“Es ist sicher das größte Event, an dem ich je beteiligt war, als Trainer wie als Spieler. Das ist wie ein Stanley Cup“, sagte Bundestrainer Uwe Krupp, der als bisher einziger Deutscher den riesigen Meister-Cup der Nordamerika-Liga NHL gewinnen konnte und erstmals während der WM gelöst lächelte.

Die größten Sensationen der Sportgeschichte

“Für uns ist das der größte Erfolg, den wir je mit der Nationalmannschaft hatten. Die WM wird so schnell keiner vergessen“, erklärte Kapitän Marcel Goc. Die Mannschaft sang Arm in Arm die Nationalhymne, danach drehte der überragende Torhüter Dennis Endras mit einer riesigen deutschen Fahne eine Ehrenrunde auf dem Eis der Mannheimer SAP-Arena.

Zweiter Matchwinner am Donnerstag war Philip Gogulla, der Stürmer sorgte mit seinem Tor in der 31. Minute für riesige Euphorie auf und außerhalb des Eises, die aber durch tumultartige Szenen nach der Schlusssirene getrübt wurde. Einigen Spielern brannten die Sicherungen durch, Bundestrainer Krupp versuchte, seine Akteure zu beruhigen, um keine Sperren im Halbfinale am Samstag (18.00 Uhr/Sport 1) zu riskieren. Gegen Rekordchampion Russland hatte es in der Zwischenrunde nur ein knappes 2:3 gegeben. Das andere Semifinale (14.00 Uhr/Sport 1) bestreiten zuvor Schweden und Tschechien.

Den am Ende enttäuschten Schweizern war von einer Verunsicherung nach zuletzt zwei Niederlagen nichts anzumerken. Schon in der zweiten Minute setzte Paolo Duca den Puck an den Pfosten. Danach bewahrte Torhüter Endras die wie beim Eröffnungsspiel in goldenen Trikots angetretene deutsche Mannschaft mehrmals vor einem Rückstand.

Im ersten deutschen Viertelfinale seit 2003 brachte ein Aussetzer des Schweizer Torjägers Martin Plüss die Gastgeber vor den 12 500 Fans in der ausverkauften SAP-Arena besser ins Spiel. Als Endras den Puck schon sicher hatte, schob Christian Ehrhoff den Stürmer noch ein Stück zur Seite. Plüss revanchierte sich heftig: “Ich habe ihn ein bisschen ausgeblockt, dann hat er mir mit dem Schläger zwischen die Beine gehauen - da wo es wehtut“, berichtete Ehrhoff.

Plüss musste schon in der 16. Minute unter die Dusche, doch aus dem fünfminütigen Powerplay machte das deutsche Team wieder einmal nichts. Die Schweizer zeigten, warum sie zuvor in Unterzahl noch ohne Gegentor bei der WM waren. “Wir haben nicht die großen Chance gekriegt, deswegen war es kein Vorteil“, sagte der schussstarke Ehrhoff, der als Einziger neben Routinier Daniel Kreutzer 2002 beim bislang letzten WM-Sieg über die “Eisgenossen“ in Finnland dabei war.

André Rankel verzog nach nur sieben Sekunden des zweiten Drittels allerdings knapp, zwei Minuten später vergab der Berliner die bis dahin beste deutsche Chance freistehend gegen Torhüter Martin Gerber. Auf der anderen Seite traf Andres Ambühl, neben Plüss bisher bester Schweizer Angreifer, zum zweiten Mal den deutschen Pfosten (27.).

Doch die deutsche Auswahl war nun besser im Spiel und durfte jubeln, als Nordamerika-Profi Gogulla nach Schuss von Alexander Sulzer zu seinem ersten WM-Tor abstaubte. Die Führung gab enormes Selbstbewusstsein. “Wir müssen jetzt die härtesten 20 Minuten in unserem Leben spielen. Wir haben alle ein Ziel vor Augen“, sagte Gogulla in der zweiten Pause. Der Ex-Kölner war zuletzt nur überzähliger Stürmer im DEB-Team gewesen.

Die Schweizer machten im letzten Drittel mächtig Druck auf die bisher so starke deutsche Defensive, in der Endras erneut ein fantastischer Rückhalt war. Trotz turbulenter Szenen vor dem Kasten des Augsburgers fiel der Ausgleich nicht mehr.

dpa

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