Ex-Wintersportlerin im Interview

Evi Sachenbacher-Stehle: „Es war das Ziel, die Männer zu ärgern“

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Evi Sachenbacher-Stehle.

München - Zuletzt fieberten 1,5 Millionen Zuschauer mit – Dienstag kämpft Evi Sachenbacher-Stehle in der letzten Folge der TV-Sportshow Ewige Helden um den Gesamtsieg. Im Exklusiv-Interview spricht die 36-Jährige über Triumphe bei den Sport-Wettkämpfen, Chuck-Norris-Vergleiche und Töchterchen Mina (anderthalb Jahre).

Frau Sachenbacher-Stehle, schauen Sie die Sendung selbst?

Sachenbacher-Stehle: Natürlich, ich habe viele tolle Erinnerungen, außerdem interessiert mich, wie der Sender die gedrehten Szenen zusammengeschnitten hat.

Und, zufrieden?

Sachenbacher-Stehle: Die Wettkämpfe waren live teilweise etwas spannender, aber man kann nicht alles einfangen und die gute Atmosphäre zwischen uns kommt toll rüber, es herrschte pure Harmonie.

„Ewige Helden“ bildet da einen Gegensatz zu Dschungel, „Big Brother“ oder GNTM. Da wird gezielt auf Streit und Zickenkrieg gesetzt.

Sachenbacher-Stehle: Unter solchen Umständen hätte ich nicht mitgemacht. Ich fand schon die erste Staffel toll, wenn sie im TV lief, hatte mein Mann Johannes immer Mina-Dienst, ich wollte das immer sehen.

Was ist das Geheimnis der guten TV-Quote?

Sachenbacher-Stehle: Wir alle erzählen unser Leben, die ganze Geschichte hinter den Sportlern kennt fast niemand. Sonst sieht man uns nur während des Wettkampfs oder in Interviews, aber den Menschen und wie er im Alltag ist, lernt man nicht kennen.

Sie hatten bei Olympia 2014 in Sotschi aufgrund eines verunreinigten Tees einen positiven Dopingbefund. War die Aufklärung darüber ein Grund für Ihre Teilnahme?

Sachenbacher-Stehle: Es war nicht entscheidend, aber es hat eine Rolle gespielt. Ich wollte die Geschichte aus meiner Sicht erzählen, wie es wirklich war, hat ja kaum wer mitbekommen. Jeder kennt die Dopingschlagzeile, über die Entwicklungen danach wurde oft nur klein oder gar nicht berichtet. Allerdings war es nicht einfach für mich, ich hatte Angst, alles noch einmal zu durchleben und war darauf eingestellt, dass ich beim Erzählen viele Pausen machen muss. Letztlich war es emotional, aber in Ordnung. Vor einem Jahr wäre mir das noch nicht so „leicht“ gefallen.

Sachenbacher-Stehle: „Bin mir vorgekommen wie ein Schwerverbrecher“

Neben Ihrer Geschichte sind die Zuschauer von Ihren Siegen in den sportlichen Wettkämpfen fasziniert. Wie haben Sie das geschafft?

Sachenbacher-Stehle: Ich zehre sicher von meiner Zeit als Sportlerin, ich war auch nach der Geburt schnell wieder auf einem guten Niveau, obwohl ich wenig dafür getan habe. Joggen und ein bisserl Krafttraining, das war’s. Ich habe jetzt das Flair und die Herausforderungen genossen, es hat Spaß gemacht, den Körper im Grenzbereich zu bewegen, dafür lebt ein Sportler.

Nicht alle hatten immer so viel Spaß. Julius Brink hat einen völlig ausgelaugten Nils Schumann mit Blick auf Sie so getröstet: „Du hast dich mit dem Cyborg angelegt“. Zuvor hatte er aufgegeben – und Sie haben 80 Minuten lang einen Ballon über den Kopf gehalten.

Sachenbacher-Stehle: Den ein oder anderen Spruch musste ich mir anhören, aber das hat mich und die anderen Mädels gefreut. Es war das Ziel, die Männer zu ärgern und ihnen Paroli zu bieten.

Es kursieren witzige Sprüche darüber. Zum Beispiel: „Chuck Norris hat vor nichts Angst, außer vor Evi.“

Sachenbacher-Stehle (lacht): Keine Sorge, auch ich habe Angst! Spinnen sind nicht gerade meine Freunde und wenn ich in der Nacht allein draußen bin, fühle ich mich auch nicht wohl.

Ein anderer Spruch – in Anspielung auf die Geburt ihrer Tochter: „Evi hatte keine Wehen, die Wehen hatten Evi.“

Sachenbacher-Stehle: Dem kann ich entschieden widersprechen. Die Geburt hat lange gedauert, war anstrengend und hart. Das kann man auch nicht mit Grenzerfahrungen im Sport vergleichen, das waren richtige Schmerzen. Und während ich beim Langlaufen, in der Theorie, jederzeit hätte aufgeben können, war Aufhören keine Option…

Ihre Karriere war nach Sotschi zu Ende. Seither studieren Sie Ernährungswissenschaften – wie läuft’s?

Sachenbacher-Stehle: Gut, ich kann und konnte viel von zu Hause machen. Alle zwei Monate habe ich ein paar Tage Präsenzphase in Leipzig. Anfangs habe ich Mina mitgenommen, mittlerweile bleibt sie daheim bei Hannes oder den Großeltern. Ich habe gerade meine Bachelorarbeit begonnen, im Oktober will ich fertig werden. Mein Thema ist die optimale Ernährungsvorbereitung auf den Wettkampf im Langlaufen und im Biathlon.

Entschuldigung, aber können Sie nachvollziehen, dass das nach Ihrer Geschichte kurios klingt?

Sachenbacher-Stehle: Klar, aber ich habe mich immer schon für das Thema inte­ressiert. Mit dem Wissen von heute hätte ich in meiner Karriere allerdings einiges anders gemacht, ich habe in der Ernährung teilweise auf falsche Dinge geachtet.

Wollen Sie Ihr neues Know-how zukünftig an Athleten weitergeben?

Sachenbacher-Stehle: Ich würde lieber was mit übergewichtigen Kindern machen und habe schon ein Projekt, das gerade entwickelt wird. Generell mache ich mir da noch nicht zu viele Gedanken – Mina soll kein Einzelkind bleiben.

TV-Karriere

Inzwischen stellt sich Sachenbacher-Stehle im Fernsehen verschiedenen Wettbewerben. Im März 2019 gewann sie auch das „Promibacken“ des TV-Senders Sat.1. Dabei passierte ihr eine peinliche Panne.

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