Ex-Skispringer im tz-Interview

Uhrmann: "Der rote Faden ist zu sehen"

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Michael Uhrmann

München - Im Inteview mit der tz spricht der ehemalige deutsche Skisprung-Star Michael Uhrmann über das Phänomen Marinus Kraus, das System von Werner Schuster und Martin Schmitt.

Nach seinem Karriereende 2011 war Michael Uhrmann (35) kurz Trainer im C-Kader. Mittlerweile arbeitet er an der Bundespolizeischule in Bad Endorf. Dort betreut er unter anderem Marinus Kraus – den neuen Shootingstar. Das tz-Interview über Kraus, das System Schuster und Martin Schmitt.

Herr Uhrmann, Sie kennen Marinus, hat Sie sein Erfolg überrascht?

Uhrmann: Marinus hat sich diese Ergebnisse Stück für Stück erarbeitet. Er hat als Kombinierer angefangen und ist dann zu den Spezialspringern gewechselt. Wir wussten, was er kann, dass er gleich so nach vorne springt, konnte man nicht ahnen. Sein Ziel muss sein, sich zu etablieren.

Marinus ist 22 Jahre alt, ein gutes Alter?

Uhrmann: Ich denke schon. Severin Freund hat seinen Durchbruch etwa im gleichen Alter geschafft. Ich bin mit 21 die erste komplette Weltcupsaison gesprungen. Typen wie Andreas Wellinger, der mit 17 Erfolge feierte, sind eher die Ausnahme.

Der DSV hat viele junge Talente. Ein Verdienst von Bundestrainer Werner Schuster?

Uhrmann: Definitiv, in unserer Ausbildung ist der rote Faden zu sehen. Die Entwicklung und die Leistung der Mannschaft ist auf Werner und die kompetenten Trainer im Skiverband zurückzuführen. Wir waren damals mit Schmitt und Hannawald auch keine Gurkentruppe, dazwischen haben wir eben ein kleines Tal durchschritten.

Was hat sich verändert im Vergleich zu früher?

Uhrmann: Es gibt eine Trainingsphilosophie in ganz Deutschland, nicht fünf verschiedene Ansätze der einzelnen regionalen Stützpunkte. Zudem haben wir ein durchlässiges Wettkampfsystem, das es den Athleten ermöglicht, sich über gute Ergebnisse leichter für den höheren Kader zu qualifizieren. So hat es bei Marinus auch geklappt. Sein B-Kader-Trainer vermisst ihn nun ein wenig (lacht).

Wie ist Marinus bei der Polizeisportschule?

Uhrmann: Er ist selten mit sich zufrieden und will sich ständig verbessern. Aber er ist kein verbissener Mensch, Marinus schafft es, nie die Freude am Skispringen zu verlieren. Er ist ein sehr angenehmer Typ.

Durch die jungen Wilden wächst der Druck auf die Oldies Michael Neumayer (34) und Martin Schmitt (35). Was trauen Sie ihnen zu?

Uhrmann: Es sind erst zwei Weltcups gesprungen, ich würde mal abwarten. Michi hat im letzten Jahr seine Platzierungen gebracht, das wird er auch in dieser Saison. Martin traue ich zu, dass er bei der Vierschanzentournee eine ähnliche Rolle spielt wie in der vergangenen Saison, als er sensationeller Gesamtzehnter wurde.

Kann er es auch nach Sotschi zu Olympia schaffen? 

Uhrmann: Das wird schwer, weil eine unglaubliche Qualität im Team steckt. Aber dass er das Ziel hat, ist völlig legitim. Und mit welcher Hingabe er dieses Ziel verfolgt, ist sensationell.

Müssen die Deutschen eine Medaille holen?

Uhrmann: Man wäre sicher enttäuscht, wenn es nicht klappen würde.

Interview: M. Müller

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