Fan-Ansturm

Das macht Felix Neureuther so beliebt

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Im September 2013 hatte Felix über 100.000 Facebook-Fans, jetzt sind es fast 200.000.

München - Der Mann hat einfach den perfekten Schwung – und mit dem kurvt er auch durchs Internet: Felix Neureuther ist der Mann der Stunde im Skizirkus.

Drei Siege im Januar, zuletzt der Triumph in Kitzbühel (der Nachtslalom in Schladming war bei Redaktionsschluss nicht beendet), lassen die Fans jubeln. Seine Facebook-Seite im Internet wächst minütlich, gestern Abend lag er bei knapp unter 200.000 Mitgliedern. Zum Vergleich: Maria Höfl-Riesch hatte zum gleichen Zeitpunkt 104.713 „Gefällt mir“-Angaben auf der sozialen Internetplattform. Und Maria ist Doppelolympiasiegerin und hat ein vielfaches von Felix’ Erfolgen eingefahren.

Aber: Felix ist eben ein Phänomen, die Fans lieben den Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Nach seinem historischen Riesenslalomsieg in Wengen, dem ersten deutschen nach 41 Jahren, wunderte er sich selbst über die Resonanz. „Das hat ganz schön eingeschlagen in Deutschland“, sagte er.

Dass er danach noch den Kitz-Slalomtriumph drauflegte, ließ die Erwartungen in der Heimat in die Höhe schießen – Stichwort Sotschi. Doch da bremst Neureuther etwas: „Ich, und auch die Maria, haben ja auch große Erwartungen an uns selbst. Aber jetzt von Doppelgold zu sprechen, wäre absolut überzogen.“

Das allerdings macht er nicht, um sich dem Druck zu entziehen – er kann damit inzwischen umgehen. Bei der Heim-WM 2011 räumte er noch geknickt das Feld, aber im Vorjahr in Schladming lieferte er mit WM-Silber dann sein Meisterstück. Mit diesem Wissen und dieser Lockerheit fährt er jetzt auch nach Sotschi. „Jetzt mache ich das, was ich kann, und ich glaube, damit fahr’ ich ein bisschen besser“, sagt er. „Speziell aus dem letzten Jahr habe ich so viel gelernt und so viel mitgenommen. Recht viel größer kann der Druck ja nicht werden.“ Nur der Erfolg – der kann noch größer werden. Und danach die Zahl der Fans...

"Privat, nicht intim - und mit Riesenpotenzial!"

Felix und Facebook – das passt einfach. Warum, und wie es noch besser werden kann, das erklärt Alexander Malter, Chef, der Social-Media-Agentur Alexanderplatz.

Herr Malter, was ist Neureuthers Facebook-Geheimnis?

Alexander Malter: Er ist erfolgreich, sieht gut aus und beherrscht die Facebook-Sprache genauso gut wie die Piste. Seine Postings sind kurz, prägnant und hin und wieder mit englischem Vokabular. So soll es sein.

Können Sie seine Beiträge etwas genauer analysieren?

Malter: Es sind sehr charmante Fotos, teilweise mit Bildwitz. Wenn man Fotos mit Tieren, Kindern oder Blümchen postet, das geht meistens durch die Decke. Felix wirkt sehr sympathisch und authentisch, er ist einer von uns und für die Fans sehr nahbar. Er zeigt auch keine Starallüren, sondern stellt auch mal ein Bild von sich in einem total unaufgeräumten Zimmer ins Netz. Seine Kommunikation ist brillant.

Die Fans danken es ihm. Einige Beiträge haben eine riesige Resonanz.

Malter: Die Likeability, also die Sympathie, die ihm in Form von Likes entgegengebracht wird, ist bei Felix außergewöhnlich hoch. Im Durchschnitt gehen wir von 0,5 Prozent aus, er hat bis zu 25 Prozent.

Dabei sind auf den Bildern weder seine Freundin noch die Familie zu sehen.

Malter: Er gibt sich sehr privat, aber nicht intim, er schafft es, die wirklich privaten Dinge herauszuhalten. Man spricht von einem abgegrenzten Reallife.

Ist Felix mit dem Medium Facebook eigentlich noch in der Spur? Oder muss er bald wechseln?

Malter: Im Moment ist Facebook noch die Nummer eins, aber es bekommt mehr und mehr Konkurrenz. Gerade bei aktuellen Veranstaltungen, und da zählt ein Skiweltcup dazu, ist Twitter stark im Kommen. Der Sport ist da noch nicht ganz angekommen, aber ich kann ihm nur raten, sich über kurz oder lang auch dort zu positionieren. Bei den 14- bis 24-Jährigen ist zudem die Plattform Instagram, ein Bilderdienst, sehr beliebt. Ein sehr schnelles Medium, das aber in die Zeit passt. Und wer viel zu sagen hat, der führt heute einen Blog.

Facebook, Twitter, Instagram, ein Blog – könnte er das alleine stemmen, ohne den Fokus auf den Sport zu verlieren?

Malter: Nein, da braucht man Unterstützung. Facebook alleine, das geht, und das muss man in der heutigen Zeit auch machen, wenn man im Gespräch bleiben will, aber dann wird der Aufwand irgendwann zu groß.

Bei den Olympischen Spielen in Sotschi könnte Neureuther abräumen. Wie groß ist dann sein mediales Potenzial?

Malter: Sotschi könnte ihn, sofern der sportliche Erfolg stimmt, ganz weit nach vorne bringen, gerade was die internationalen Fans angeht. Ich sehe bei ihm schon das Potenzial für eine Million Fans. Seinen Spezl Bastian Schweinsteiger, mit aktuell rund 2,7 Millionen Fans, wird er wohl aber nur schwer erreichen.

Interview: Mathias Müller

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