Slalom-Ass  über Wengen, Partys und den Flowzustand

Dopfer im tz-Interview: "Es ist wieder Leben drin"

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In Steinach am Brenner bereitete sich Fritz Dopfer auf den Slalom am Sonntag in Wengen vor.

München - Während Viktoria Rebensburg & Co. am Sonntag in Flachau einen Riesenslalom fahren, starten Fritz Dopfer (28) und die deutschen Herren in Wengen im Slalom. Das tz-Interview.

Herr Dopfer, drei Top-Ten-Plätze in Folge, ist die Form zurück?

Fritz Dopfer: Es waren nur Slalom-Ergebnisse, im Riesenslalom hakt es immer noch etwas. Wegen der schlechteren Leistungen zu Saisonbeginn habe ich leicht gegrübelt, der Slalom kam mir gerade recht.

Nach Platz sechs in Madonna und Rang vier in Santa Caterina hatten wir gehofft, nach Adelboden das erste Podiums-Interview mit Ihnen zu führen.

Fritz Dopfer: Bis auf Rang vier war der Rückstand auch nur gering und erklärbar, aber zu den ersten drei hat ein großes Stück gefehlt. Es hätte also noch besser sein können.

Wie sicher waren Sie, dass die guten Ergebnisse zurückkommen?

Fritz Dopfer: Mein Ausfall in Val d’Isere war ein Nackenschlag, auch in Alta Badia (Rang 17 und 27, Anm. d. Red.) lief es nicht gut. Madonna di Campiglio zwei Tage danach war sehr richtungsweisend. Ich hatte Startnummer eins und es war klar, entweder ich schaffe die Wende oder der Negativtrend setzt sich fort. Im zweiten Durchgang war das erste Mal in dieser Saison Leben drin. Noch besser war mein zweiter Lauf in Santa Caterina. Der Hang mit seinen vielen flachen Passagen ist nicht auf mich zugeschnitten, aber ich konnte das abschütteln. Der Lauf war ähnlich wie mein WM-Silber-Lauf, alles verlief im Fluss. Ich war so im Flow, ich könnte gar nicht mehr sagen, wie ich einzelne Tore gefahren bin.

Ist dieser Flow der Idealzustand eines Skifahrers?

Fritz Dopfer: Sozusagen, alles passiert in diesem Moment intuitiv, du machst dir keine Gedanken über die Schwünge und bist locker, obwohl du voll konzentriert bist. In der vergangenen Saison sind mir mehr dieser Läufe geglückt, im Slalom weiß ich jetzt, dass ich es kann. Aber meine Lieblingsdisziplin ist der Riesenslalom, deswegen liegt es mir brutal am Herzen, auch dort wieder einen Schritt nach vorne zu machen.

Ihr Konkurrent Henrik Kristoffersen produziert derzeit fast nur Flow-Läufe, oder?

Fritz Dopfer: Seine Konstanz ist beeindruckend, in Adelboden hatte er im oberen Teil des ersten Laufs einen mittelschweren Fehler und hat unten trotzdem noch aufgeholt und letztlich Marcel Hirscher auf einem seiner Lieblingshänge besiegt.

Hirscher wirkte angefressen.

Fritz Dopfer: Marcel hat zuletzt viermal den Gesamtweltcup gewonnen und wenn nichts Großartiges passiert, schafft er es zum fünften Mal. Er ist Jahrgang 89, Henrik ist Jahrgang 94, in seinem Alter hatte Marcel also schon den ersten Gesamtweltcupsieg. Er war in den vergangenen fünf Jahren mit Abstand der konstanteste Fahrer, das imponiert mir. Die beiden liefern sich bestimmt noch einen heißen Fight.

Einen heißen Kampf liefern sich viele Skifahrer mit ihrem Rücken. Sie waren noch nie schwerer verletzt, warum?

Fritz Dopfer: Ich habe wohl gute Gene und ich achte sehr auf mich und investiere viel Zeit ins Dehnen und Aufwärmen. Aber auch ich merke, dass mein Körper in Mitleidenschaft gezogen wurde, das Aufwärmen dauert von Jahr zu Jahr länger.

Wie intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem neuen Physiotherapeuten Oliver Saringer?

Fritz Dopfer: Oli macht einen guten Job, er bringt neuen Input, der auch mir nützt. Aber am intensivsten arbeite ich im konditionellen und regenerativen Bereich mit Albert Doppelhofer zusammen, er kennt mich am besten.

Was muss das Mannschaftshotel den Fahrern bieten, um ein Rennen optimal vor- und nachbereiten zu können?

Fritz Dopfer: Ach, da sind wir genügsam. Gutes Essen und ein gutes Bett, dann bin ich zufrieden. Wenn es einen Fitnessraum gibt, ist das toll, wenn nicht, dann sind unsere Trainer sehr innovativ und funktionieren einen Hotelgang schnell in eine Fitnesshalle um.

Das Hotel, das Sie traditionell in Adelboden beziehen, soll sehr laut sein.

Fritz Dopfer: Das kann ich bestätigen, es ist mitten im Partyzentrum. Zum Glück liegen ein paar Zimmer nach hinten, die sind uns Fahrern vorbehalten. Die Betreuer hingegen haben es hart, viel Ruhe bekommen die nicht. Aber das ist einmal im Jahr, das ist in Ordnung.

Wengen wird also ruhiger?

Fritz Dopfer: Ja, wir wohnen etwas außerhalb. Anders als die Österreicher, die sind auch da mittendrin. Oli (Ex-ÖSV-Physiotherapeut, d. Red.) hat erzählt, dass da an Schlaf nicht zu denken ist.

Interview: Mathias Müller

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